Leeres Tor, Fußspiel und die Folgen der Regeländerung

Der 7-Meter-Wurf ist die Wiederherstellung einer klaren Torgelegenheit. Die Situationsbeurteilung und Entscheidungsfindung, ob eine „klare Torgelegenheit“ regelwidrig vereitelt wurde, steht für die Schiedsrichter während eines Spiels häufiger im Mittelpunkt. Dies muss von den Schiedsrichtern in der jeweiligen Situation richtig erkannt und geahndet werden. Im heutigen Pfiff der Woche haben wir ein (bekanntes) Beispiel, das zeigt, was bei leerem Tor und (hier) einer schnellen Anwurfausführung passieren kann und was die Regeländerung bedeutet.

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS spielt im Angriff aufgrund einer Hinausstellung ohne Torwart (leeres Tor) und erzielt regelgerecht ein Tor. Der Torwart Mannschaft GRÜN holt schnell den Ball aus dem Tor und passt den Ball zu seinem Mitspieler. GRÜN 73 läuft in die Anwurfzone und führt den Anwurf regelrecht als direkten Torwurf auf das leere Tor aus. WEISS 3 stoppt den Wurf mit dem Fuß auf 9 Meter, während sich sein Torwart auf dem Weg in den Torraum auf gleicher Höhe befindet. Die Schiedsrichter entscheiden auf 7-Meter-Wurf für Mannschaft GRÜN und Hinausstellung gegen WEISS 3.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Die Anlässe, aufgrund derer das Tor von seinem Hüter verlassen wird, können vielfältig sein. Ob er nur an den Auswechselbereich seiner Mannschaft geht, um etwas zu trinken oder ob er zugunsten eines weiteren Feldspielers ausgewechselt wird; immer ist das Hauptkriterium dieser Regelung erfüllt: Der Torwart hat seinen Torraum verlassen.

Gemäß Regel 14:1 ist von den Schiedsrichtern auf 7-Meter-Wurf zu entscheiden, wenn durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft regelwidrig eine klare Torgelegenheit vereitelt wird. Der Ort des regelwidrigen Verhaltens ist dabei unerheblich. Es gilt die gesamte Spielfläche.

Zusätzliche Informationen über den Begriff der „klaren Torgelegenheit“ enthält die IHF-Erläuterung 6. Gemäß der dort unter dem Buchstaben c) dargestellten Situation besteht eine klare Torgelegenheit auch dann, wenn ein Gegenspieler mit Ball- und Körperkontrolle eine klare und ungehinderte Möglichkeit zum Wurf des Balls ins leere Tor der gegnerischen Mannschaft hat.

Regelwidrig

Gemäß Regel 7:8 ist es nicht erlaubt, den Ball mit Fuß oder Unterschenkel zu berühren, es sei denn, der Spieler wurde von einem Gegenspieler angeworfen.

Bestrafung

Mit Regeländerung zum 01.07.2024 ist ein deutliches Abspreizen oder Anheben eines bzw. beider Unterschenkel oder Füße mit dem Ziel, einen Pass oder Torwurf zu blocken/wegzuschlagen, was einen deutlichen Einfluss auf die Spielsituation zur Folge hat, ein unsportliches Verhalten, das direkt mit einer Hinausstellung zu ahnden ist (siehe auch Regeln 8:7e und 8:8e).

Fazit

Die drei Kriterien der Erl. 6c sind erfüllt. Durch seine Fußabwehr verhindert der Verteidiger regelwidrig, dass der Ball ins leere Tor geht. Zum Zeitpunkt des Wurfs war das Tor noch leer, da der Torwart seinen Torraum noch nicht betreten hatte. 

Eine gute, schnelle und richtige Entscheidung der Schiedsrichter.

Die Aktion passiert in der 1. Halbzeit (13:26) und weder der Spieler noch die Mannschaft hatte zuvor eine Verwarnung erhalten. Vor der Regeländerung wäre das unsportliche Verhalten nur progressiv zu bestrafen gewesen. Siehe hierzu den Beitrag vom 08.01.2024 (Das leere Tor und seine Folgen) der hiermit nicht mehr gültig ist.

Dies ist ein Beispiel, was sich durch eine Regeländerung strafverschärfend geändert hat.