Quelle: DHB
Störaktionen von Abwehrspielern bei der Anwurfausführung
Zur Wiederholung
Um eine schnelle Ausführung des Anwurfes sicherzustellen, wurde durch die IHF ein sog. virtueller Korridor mit drei unterschiedlichen Zonen, die Anwurfzone (ROT), die orangene Zone (ein 3m Zirkel um die Anwurfzone) und eine gelbe Zone, die außerhalb der 3m Zone bis zur Torraumlinie geht (siehe Abbildungen) festgelegt. Eine Markierung auf dem Spielfeld erfolgt aber nicht. Für die Beurteilung bzw. Bestrafung von Störaktionen ist zu unterscheiden, ob ein Abwehrspieler nach einem Torerfolg beim Zurücklaufen sich innerhalb des Korridors befindet oder er diesen kreuzt. Wichtig: Der Abwehrspieler trägt die Verantwortung nicht vom Ball getroffen zu werden.
1. Abwehrspieler läuft innerhalb des Korridors
Wenn nach einem Torerfolg der Abwehrspieler (vorherige Angreifer) zurück in seine Spielfeldhälfte läuft und durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffenen wird, ist folgende Auslegung gültig bzw. anzuwenden:
- Der Abwehrspieler befindet sich in der roten Zone = direkte Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der orangenen Zone = direkten Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der gelben Zone = keine Bestrafung
Befindet sich der Abwehrspieler in der gelben Zone und stört hier aktiv die Ausführung des Anwurfes, dann ist der Spieler auch mit einer direkten Hinausstellung zu bestrafen.
2. Abwehrspieler läuft in den Korridor hinein
Wenn nach einem Torerfolg der Abwehrspieler (vorherige Angreifer) zurück in seine Spielfeldhälfte läuft und dabei in den Korridor hineinläuft bzw. diesen kreuzt und durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffen wird, ist folgende Auslegung gültig bzw. anzuwenden:
- Der Abwehrspieler befindet sich in der roten Zone = direkte Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der orangenen Zone = direkte Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der gelben Zone = direkte Hinausstellung
Weitere Beispiele
Video 1
ROT 13 erzielt ein Tor. Mannschaft WEISS will den Anwurf schnell ausführen, indem der Torwart den Ball schnell zu WEISS 10 spielen will. Der Ball kommt aber nicht an, da ROT 13 innerhalb des Korridors zurücklauft und in der orangen Zone am Rücken getroffen wird.
Richtige Entscheidung daher: Hinausstellung ROT 13 und Anwurf WEISS.
Anmerkung: Die Diskussionen an der Bank dauern zu lange und sind zu vermeiden. Grundsätzlich ist nach Klärung der Formalien das Spiel schnell fortzusetzen.
Video 2
BLAU 27 erzielt ein Tor. Mannschaft WEISS will den Anwurf schnell ausführen. In den Pass des Torwarts quert BLAU 6 den Korridor und spielt den Ball mit dem Fuß in der orangen Zone.
Auch hier lautet die richtige Entscheidung: Hinausstellung gegen BLAU 6 und Anwurf WEISS (Vorteil WEISS und anschl. Strafe gegen BLAU 6 ist hier keine Option).
Video 3
Mannschaft GRÜN erzielt ein Tor. Mannschaft SCHWARZ ist um eine schnelle Anwurfausführung bemüht. Der Ball kommt aber nicht bei der bereitstehenden Spielerin SCHWARZ in der Anwurfzone an, da GRÜN 22 den Korridor kreuzt und in der orangen Zone getroffen wird.
Richtige Entscheidung: Hinausstellung GRÜN 22 und Anwurf SCHWARZ
Fazit
Derartige Störaktionen müssen konsequent geahndet werden.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.