Korrektes Abwehrverhalten – eine regelgerechte Möglichkeit zum Ballgewinn
Ein Abwehrspieler, der mehrfach versucht, durch eine regelgerechte Grundposition und das Provozieren eines Angreiferfouls in Ballbesitz zu gelangen, wird dieses Verhalten aufgeben, wenn seine regelkonforme Spielweise von den Schiedsrichtern nicht erkannt und entsprechend bewertet wird.
Eine häufige Form des Angreifervergehens ist das sogenannte Einklemmen.
Das Einklemmen – welcher Spieler begeht die erste Regelwidrigkeit?
Als Reaktion auf den regeltechnisch erlaubten Körperkontakt durch den Abwehrspieler hat sich in Zweikämpfen eine inzwischen weit verbreitete, jedoch regelwidrige Verhaltensweise von Angreifern mit Ball entwickelt: Während des Körperkontakts klemmt der Angreifer einen Arm des Gegenspielers ein und zieht ihn in seine Laufrichtung mit.
Diese regelwidrige Aktion verfolgt vor allem zwei Ziele:
- Der Abwehrspieler soll aus seiner Grundposition herausgezogen werden, sodass der Angriff dies taktisch nutzen kann – insbesondere bei Kreuzbewegungen im Rückraum.
- Den Schiedsrichtern soll ein permanentes Festhalten durch den Abwehrspieler vorgetäuscht werden, um dessen progressive Bestrafung zu erwirken. Häufig lässt sich der Angreifer dabei zusätzlich fallen, um die Täuschungsaktion noch glaubhafter erscheinen zu lassen.
Bildreihe 1
Der Angreifer klemmt den Abwehrspieler während der Kreuzbewegung ein
Bildreihe 2
Einklemmen beim Durchbruch – das Provozieren einer falschen Schiedsrichterentscheidung
Bildreihe 3: Beispielvideo
Mannschaft Blau ist im Angriff. Spieler Blau 14 startet vor der Abwehr von Mannschaft Weiß zur Kreuzbewegung. Spieler Weiß 3 begleitet ihn und arbeitet dabei mit Armen und Händen.
In der Folgehandlung klemmt Blau 14 den linken Arm des Abwehrspielers ein und zieht Weiß 3 dadurch mit. Auf diese Weise wird regelwidrig Raum für den in Gegenrichtung laufenden Angreifer Blau 15 geschaffen, den der Ballhalter anschließend anspielt.
Fazit
Solche Aktionen erfordern vor allem ein sehr gutes Stellungsspiel sowie eine zweckmäßige Aufgabenteilung der Schiedsrichter. Erkennen sie ein derartiges Einklemmen, kann beim ersten eindeutigen Fall neben der Entscheidung über die Spielfortsetzung zunächst ein klarer Hinweis ausreichen.
Ab dem nächsten eindeutigen Einklemmen durch einen Angreifer muss dieses Verhalten konsequent progressiv bestraft werden. Maßgeblich sind dabei die Beurteilungskriterien aus Regel 8:3.
Häufig erfolgen Regelwidrigkeiten beider Parteien nahezu gleichzeitig: Festhalten oder Klammern durch den Abwehrspieler, Einklemmen durch den Angreifer. Wenn die Schiedsrichter jedoch klar erkennen, dass das Verhalten des Angreifers die Regelwidrigkeit des Abwehrspielers auslöst, ist hinsichtlich der Spielfortsetzung auf Freiwurf für die abwehrende Mannschaft zu entscheiden.
Die konsequente Ahndung von Angreiferfouls verbessert erfahrungsgemäß die Qualität der Zweikämpfe und fördert damit auch attraktive Spielweisen. Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Manche Abwehrspieler versuchen, eine solche Linie der Schiedsrichter durch Schauspielerei auszunutzen.
Hinweis
Die Schiedsrichter haben das Angreifervergehen, also das Einklemmen, richtig erkannt und daher auf Freiwurf für Mannschaft Weiß entschieden.
Bei genauer Betrachtung fällt jedoch zusätzlich auf, dass Angreifer Blau 14 zuvor einen Schrittfehler begeht.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.