Quelle: DHB

Kopftreffer

Bei Treffern mit dem Ball gegen den Kopf des Torwarts aus dem Spiel heraus ergeben sich doch ab und zu mal (wieder) Fragen und Diskussionen.

Kopftreffer stehen nicht nur bei einem Siebenmeter, sondern auch aus dem freien Spiel heraus unter Strafe. Das bedeutet: Trifft der Werfer den Torhüter bei einem unbedrängten Wurf am Kopf und befindet sich dabei kein Abwehrspieler zwischen ihm und dem Torhüter, wird dies mit einer 2-Minuten-Zeitstrafe bedacht.

Die Kriterien für Treffer mit dem Ball gegen den Kopf des Torwarts sind:

  1. Die Regel ist nur in freien Spielsituation anzuwenden, d. h., wenn sich zwischen dem Werfer und dem Torwart kein Verteidiger befindet.
  2. Der erste Kontakt mit dem Ball muss am Kopf erfolgen und der Ball ändert seine Richtung
  3. Die Regel greift nicht:
    a) wenn der Ball den Kopf des Torwarts erst trifft, nachdem er zuvor einen anderen Körperteil des Torwarts getroffen hat.
    b) wenn der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt.

Versucht der Torwart die Schiedsrichter zu täuschen, um eine Bestrafung zu provozieren (bspw., wenn der Ball die Brust des Torwarts getroffen hat), ist er gemäß Regel 8:8g mit einer direkten Hinausstellung zu bestrafen.

Ein häufiger Anstoß für Diskussionen ist, was eigentlich damit gemeint ist, dass die Regel nicht greift, weil der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt hat.

Im Zusammenhang mit diesem Ausnahmeparagrafen ist gemeint, dass Abwehrbewegungen des Torwarts nicht zu seinen Lasten gehen dürfen. Was ist aber, wenn der Torwart richtiggehend "in den Wurf hineinspringt"? Das wäre auch eine Abwehrbewegung, aber wie weit kann man das dem Spieler anlasten, wenn der Torwart so zur Seite springt wie in dem Video?

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS ist im Angriff. Spielerin WEISS 3 gelingt ein Durchbruch und kommt in einer freien Spielsituation ungehindert zum Torwurf. Torwart BLAU erahnt die Ecke und macht eine weite Seitenbewegung zur Tormitte. WEISS 3 trifft dabei den Torwart. Die Schiedsrichter geben Time-out und verhängen eine Hinausstellung gegen WEISS 3.

Regeltechnische Einordung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Zuallererst, der Ball geht als Erstes an den Arm und dann an den Kopf. Der erste Kontakt mit dem Ball erfolgt also nicht am Kopf! Insofern liegt hier kein strafwürdiger Kopftreffer i. S. d. Regel vor.

Aber: wäre der Ball direkt an den Kopf gegangen, dann wäre das strafbar gewesen – denn der Kopf geht hier nicht Richtung Ball. 

Bild 1: Kopftreffer oder nicht?

Hier handelt es sich um eine normale (absolut typische) Torwartbewegung mit der immer zu rechnen ist und die Werferin in der Pflicht ist, dass der Kopf nicht getroffen wird.  Der ganze Körper ist in Bewegung und eine gesonderte Bewegung des Kopfes in die Ballrichtung liegt hier nicht vor.

Hier noch einige typischen Torwartbewegungen:

Wenn der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt

Ein Kopf geht nur dann Richtung Ball, wenn ich ihn z. B. bei einem hohen Wurf bewusst einsetze, um überhaupt den Ball abzuwehren. Da sind Beispiele in den IHF-Videos zu Einführung der Regel dabei. Der oben zitierte Passus, den Kopf in Richtung Ball bewegen, bezieht sich also auf eine Handlung in der der Torwart bewusst den Kopf in die Ballrichtung bewegt, mit der Absicht den Ball mit dem Kopf halten zu wollen oder eine Bestrafung des Angreifers zu erreichen.

Gemäß der Regel 5:1 kann der Torwart bei seiner Wurfabwehr innerhalb des Torraums den Ball mit allen Teilen seines Körpers berühren – also auch mit seinem Kopf. Die Szenen 1 und 3 im Video 4 der IHF verdeutlichen das wichtige Beobachtungskriterium, wie der Torwart – z. B. bei nicht hart geworfenen Bällen oder bei Trickwürfen wie Drehern – seinen Kopf aktiv in Richtung des Balls bewegt, um ihn mit dem Kopf abwehren zu können.

Anmerkung: Bei Videozeit 1:56 wird auf eine progressive Strafe gemäß Regel 8:7 verwiesen. Das ist jetzt eine Hinausstellung nach Regel 8:8g!

Weitere Beispiel zu diesem Thema insgesamt sind in den Videos der IHF zu finden:

Sowie im Portal unter:

Fazit

Bei hart geworfenen Bällen wird es (fast) gar nicht vorkommen, dass der Schiedsrichter sich Gedanken machen muss, ob der Kopf zum Ball gegangen ist. Es wird in diesen Fällen (fast) immer die torwarttypische Abwehr sein. Bei nicht hart geworfenen Bällen oder bei Trickwürfen wie Drehern – kann es sein, dass sich sein Kopf aktiv in Richtung des Balls bewegt, um ihn mit dem Kopf abwehren zu können/ zu wollen.

Sollten die Schiedsrichter noch differenzieren müssen, ob es sich um eine starke oder doch mindere Torwartbewegung handelt, dann sollten wir diese Regel bitte nicht mehr anwenden. Dann würde mit gefühlter Sicherheit jede zweite bis dritte Aktion lautstark durch sämtliche Personen begleitet werden. 

Daher folgen die einführend genannten Kriterien dabei einem wichtigen Grundsatz: Es liegt in der Verantwortung des Werfers, nicht den Kopf des Torwarts zu treffen!

Bei Abwehrbewegungen des Torwarts, egal wie weit er zur Seite springt oder anders versucht den Ball zu halten, ist die Verantwortung daher bei direkten Kopftreffern aus einer freien Spielsituation dem Werfer aufzuerlegen.

Ein anderer wichtiger Faktor ist zu erkennen, ob der erste Kontakt mit dem Ball am Kopf des Torwarts erfolgt oder den Kopf des

Torwarts erst trifft, nachdem er zuvor einen anderen Körperteil des Torwarts getroffen hat. Für die Beurteilung, ob es sich hier um einen Kopftreffer handelt oder nicht, ist die genaue Beobachtung durch den Torschiedsrichter erforderlich. Dazu muss der Torschiedsrichter nun nicht nur auf den regelgerechten Absprung des Werfers achten, sondern muss nunmehr auch die Flugbahn des Balls verfolgen, um mögliche Kopftreffer schnell und eindeutig zu erkennen. Daher ist neben dem guten, variablen Stellungsspiel als Torschiedsrichter auch der Feldschiedsrichter zur Unterstützung seines Partners gefordert.

Hier hilft eine gute Beobachtung durch die Schiedsrichter, den klaren Kopftreffer von Täuschung oder Erstkontakt nicht am Kopf zu unterscheiden, um eine regelgerechte Entscheidung zu treffen.

An dieser Stelle sei nochmals herausgestellt, dass es sich in der neuen Regel 8:8d um Kopftreffer generell handelt und nicht nur um Gesichtstreffer.