Kurzes Gerangel bei der Weltmeisterschaft 2025 (Bild: IMAGO / HANZA MEDIA)

Rudelbildung

Glücklicherweise sind die Sporthallen bei Handballspielen nicht oft Ort solcher Szenarien. Über Erfahrungen mit solchen – für den Sport insgesamt unschönen – Situationen können daher die wenigsten berichten. Wenn Schiedsrichter darüber referieren, dann war die Vorgehensweise bzw. der Umgang mit derartigen Herausforderungen auch nicht immer identisch. Daher kann nicht jede Rudelbildung nach Schema F abgearbeitet werden. Zum einem liegt es an den unterschiedlichen Umständen und Konstellationen sowie an den Schiedsrichtern und deren Persönlichkeit.

In derartigen Situationen gibt es nicht die Zauberformel. Daher könnte beim Krisenmanagement folgende Vorgehensweise als roter Faden sinnvoll sein:

  • Einer der beiden Schiedsrichter greift „schlichtend“ ein, um Schlimmeres zu verhindern. Die Entscheidung hierüber liegt beim jeweiligen Schiedsrichter.
  • Der zweite Schiedsrichter muss sich in diesen Situationen in angemessener Distanz aufhalten, um das weitere Geschehen besser beobachten zu können.
  • Nach Beruhigung der Situation treffen sich die beiden Schiedsrichter, ohne Anwesenheit Dritter auf der Spielfläche und klären intern die Abläufe und die weitere Vorgehensweise.
  • Danach werden die ggf. vorzunehmenden Bestrafungen ausgesprochen. Die Verursacher einer Rudelbildung sind nach Möglichkeit mit einer Hinausstellung zu bestrafen.
  • Gerade in diesen Fällen sollten die Schiedsrichter Umsicht walten lassen und angemessene Entscheidungen treffen, um eine ordnungsgemäße Fortsetzung des Spieles zu gewährleisten, sofern das Spiel zu diesem Zeitpunkt nicht schon beendet war.

Tipp

Wie gehe ich generell in eine brenzlige Szene hinein, mit welcher Körpersprache und welchem Auftreten löse ich beispielsweise eine schwierige Situation? Nicht die Körpergröße eines Schiedsrichters, sondern seine Entschlossenheit, Situationen zu lösen, ist entscheidend für seine Durchsetzungsstärke! Sicherlich ist eine gewisse Größe hilfreich, aber die Dynamik einer Aktion ist deutlich entscheidender.

Aber Vorsicht! Nicht jeder Schiedsrichter kann mit seinem körperlichen Einsatz eine Rudelbildung auflösen. Manchmal ist es besser, ganz außen vor zu bleiben und zu beobachten, bevor man selbst zum Teil des „Rudels“ wird.