Quelle: DHB
Kopftreffer – Vorteil oder kein Vorteil?
Was im Video geschieht
Mannschaft ROT ist im Angriff. Spieler ROT 49 kann in einer freien Spielsituation vom Kreis ungehindert auf das Tor werfen und trifft dabei den Torwart am Kopf. Der Ball prallt vom Kopf zurück Richtung Spielfeld, wo ihn GRÜN 46 aufnehmen und einen Pass zum gegenstoßlaufenden Spieler GRÜN 2 spielen kann. GRÜN 46 wird dabei von ROT 6 in Höhe der Mittellinie regelwidrig gefoult. Der Wurf von GRÜN 2 wird vom Torwart ROT gehalten und geht anschl. an die Hallendecke innerhalb der Spielfläche. Erst jetzt geben die Schiedsrichter Time-out und ROT 49 eine Hinausstellung wegen des Kopftreffers und setzen danach das Spiel mit Einwurf Mannschaft GRÜN fort.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Die Sachlage zum Kopftreffer in diesem Beispiel ist klar. Der erste Kontakt mit dem Ball erfolgt unmittelbar am Kopf aus einer freien Spielsituation (ROT 49 hat volle Ball- und Körperkontrolle). Auch wenn der Torhüter hier in einer Abwehrbewegung getroffen wird, sind die Kriterien für ein unsportliches Verhalten, das direkt mit einer Hinausstellung zu ahnden ist, erfüllt.
Nicht korrekt ist die Gewährung des Vorteils. Unabhängig davon, ob der Torwart verletzt liegenbleibt oder nicht, müssen die Schiedsrichter sofort das Spiel unterbrechen.
Der erste Ansatz des Torschiedsrichters war richtig, als er das Handzeichen 15 (Time-out) anzeigt. Dann allerdings pfeift er nicht, um den Vorteil zu gewähren.
Das richtige Vorgehen der Schiedsrichter wäre hier gewesen, die Spielzeit sofort durch drei kurze Pfiffe und Handzeichen 15 (Time-out) zu unterbrechen, dann Handzeichens 16 (Erlaubnis für zwei teilnahmeberechtigte Personen zum Betreten der Spielfläche nach Time-out) und anschließend die Hinausstellung anzuzeigen. Die Spielfortsetzung lautet: Freiwurf für Mannschaft GRÜN an der Torraumlinie.
Anmerkungen und Hinweise
Unglücklich in der Folge ist, dass auch ROT 6 den Gegenspieler GRÜN 46 regelwidrig attackiert, was normalerweise progressiv zu bestrafen wäre. In der Situation bleibt es aber nur bei der Hinausstellung gegen Spieler ROT 49.
Nicht auszudenken, was noch alles hätte in dem Gegenstoß passieren können (z. B. GRÜN 2 trifft den Torwart am Kopf oder Mannschaft ROT kommt wieder in Ballbesitz).
Nicht optimal ist auch das Handzeichen des Torschiedsrichters. In Regel 2:9 Satz 2 heißt es zwar, die Spielzeitunterbrechung ist dem Zeitnehmer durch drei kurze Pfiffe und Handzeichen 15 anzuzeigen. Was ist aber bei einem übereifrigen Zeitnehmer, der schon bei Anzeige des Handzeichens 15 die Spielzeit unterbricht?
Merke
Beim Kopftreffer ist kein Vorteil zu gewähren und die Spielzeit ist sofort zu unterbrechen. In der unmittelbaren Folge können dann auch keine unangenehmen Situationen entstehen.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.