Video 1 (Quelle: instagram.com/avkast_handbollspodden/)
Kopftreffer gegen den Torwart
Was in Video 1 geschieht
Mannschaft BLAU ist im Angriff. BLAU 93 kommt auf der halbrechten Position zu einem Torwurf und trifft dabei den Torwart von Mannschaft GELB am Kopf.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Kopftreffer stehen nicht nur bei einem Siebenmeter, sondern auch aus dem freien Spiel heraus unter Strafe. Das bedeutet: Trifft der Werfer den Torhüter bei einem unbedrängten Wurf am Kopf und befindet sich dabei kein Abwehrspieler zwischen ihm und dem Torhüter, wird dies mit einer 2-Minuten-Zeitstrafe bedacht.
Die Kriterien für Treffer mit dem Ball gegen den Kopf des Torwarts sind:
- Die Regel ist nur in freien Spielsituation anzuwenden, d. h., wenn sich zwischen dem Werfer und dem Torwart kein Verteidiger befindet.
- Der erste Kontakt mit dem Ball muss am Kopf erfolgen. Die Regel greift nicht, wenn der Ball den Kopf des Torwarts erst trifft, nachdem er zuvor einen anderen Körperteil des Torwarts getroffen hat.
- Die Regel greift nicht, wenn der Torwart seinen Kopf Richtung Ball bewegt.
- Versucht der Torwart die Schiedsrichter zu täuschen, um eine Bestrafung zu provozieren (bspw., wenn der Ball die Brust des Torwarts getroffen hat), ist er gemäß Regel 8:8g zu bestrafen.
In diesem Beispiel trifft zwar BLAU 93 den Torwart Mannschaft GELB unmittelbar am Kopf (hier im Gesicht), aber Regel 8:8d kann hier nicht angewendet werden. Denn gleich in der ersten Aufzählung unter Hinweis heißt es, die Regel ist nur in einer freien Spielsituation anzuwenden, d. h., wenn sich zwischen dem Werfer und dem Torwart kein Verteidiger befindet. Hier befindet sich aber eindeutig Spieler GELB 5 als Verteidiger zwischen dem Angreifer BLAU 93 und seinem Torwart.
Die Hinausstellung für BLAU 93 ist daher nicht korrekt.
Beispiel 2
Was in Video 2 geschieht
Mannschaft BLAU ist im Angriff, BLAU 2 spielt einen Bodenpass durch die Beine des Abwehrspielers ROT 6. BLAU 80 kann den Ball aufnehmen und kommt nach einer Drehung frei am Kreis zum Torwurf. Der Ball streift den Kopf des Torwarts von Mannschaft ROT und geht dann ins Tor. Die Schiedsrichter entscheiden dann auf Tor für Mannschaft BLAU.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Das erste Merkmal ist erfüllt, BLAU 80 befindet sich in freien Spielsituation: Zwischen dem Werfer und dem Torwart befindet sich kein Verteidiger.
Nunmehr sind jetzt zwei Beobachtungskriterien von besonderer Bedeutung:
- Der erste Ballkontakt erfolgt am Kopf.
- Der Ball ändert seine Richtung.
Hier geht der Ball nahe am Kopf vorbei. Möglicherweise wird der Kopf leicht berührt, aber die Richtung des Balles wird nicht verändert.
Eine Hinausstellung für ROT 80 wäre daher nicht regelgerecht. Allerdings ist die Entscheidung auf Tor nicht korrekt, da der Wurf abgestanden war (der Werfer berührte bereits den Torraum, bevor der Ball seine Hand verlassen hat).
Fazit
Nicht immer ist bei einem Kopftreffer Regel 8:8d anzuwenden, es gibt auch Ausnahmen, wie diese beiden Beispiele es zeigen.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.