Quelle: DHB
Kopftreffer beim Torwart aus dem laufenden Spiel
Wenn der Torwart von einem Wurf aus dem Spiel heraus getroffen wird und handlungsunfähig ist, hat grundsätzlich der Schutz des Torwarts oberste Priorität.
WIE IST ABER DIE WIEDERAUFNAHME DES SPIELS NACH DER UNTERBRECHUNG?
Wichtige Hinweise dazu finden sich in den Guidelines und Interpretationen zum Thema „Verletzter Torwart (Regel 6:8)“. Nachfolgende Situationen sind denkbar:
| Situation | Schiedsrichterentscheidung |
|---|---|
| Der Ball geht ins Seiten- oder Toraus. | Spiel sofort unterbrechen, Wiederaufnahme mit Einwurf bzw. Abwurf. |
| Der Ball liegt oder rollt im Torraum. | Spiel sofort unterbrechen, Wiederaufnahme mit Abwurf. |
| Die Schiedsrichter haben das Spiel unterbrochen, bevor der Ball ins Aus gelangte oder im Torraum liegen blieb bzw. in den Torraum rollte. | Das Spiel wird mit dem entsprechenden Wurf wieder aufgenommen. |
| Der Ball befindet sich über dem Torraum in der Luft. | Ein bis zwei Sekunden warten, bis eine Mannschaft im Ballbesitz ist. Spiel unterbrechen, Wiederaufnahme mit Freiwurf für die ballbesitzende Mannschaft. |
| Der Schiedsrichter pfeift zum Zeitpunkt, in dem der Ball noch in der Luft ist. | Wiederaufnahme des Spiels mit Freiwurf für die Mannschaft, die zuletzt im Ballbesitz war. |
| Der Ball springt vom handlungsunfähigen Torwart zu einem Angreifer. | Spiel sofort unterbrechen, Wiederaufnahme mit Freiwurf für die ballbesitzende Mannschaft. |
Was ist noch zu beachten?
Wird ein Torwart aus dem Spiel heraus von einem gegnerischen Wurf am Kopf getroffen, sieht das aktuelle Regelwerk keine persönliche Bestrafung des Werfers vor. Dies ist lediglich beim 7-Meter-Wurf der Fall und auch nur dann, wenn der Torwart seinen Kopf nicht Richtung Ball bewegt hat (Regel 8:9 d).
Ebenso ist in der IHF-Erläuterung 8 ein Hinweis zur Ausnahme von Regel 4:11 Abs. 2 für einen am Kopf getroffenen Torwart enthalten, der auf der Spielfläche versorgt werden muss. Er darf nach der Behandlung auf der Spielfläche bleiben und muss diese nicht für drei Angriffe seiner Mannschaft verlassen.
Hier die regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter des Bereichs Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB
Die Torhüterin wird beim Wurf von RA deutlich am Kopf getroffen und ist kurzzeitig orientierungslos und nicht handlungsfähig. Der Ball springt dann zu Spielerin GRÜN 9. Der Torschiedsrichter unterbricht das Spiel durch ein Time-out, bevor GRÜN 9 den Ball ungehindert in das Tor wirft.
Die Schiedsrichter haben das Spiel entsprechend der Regeln zum richtigen Zeitpunkt unterbrochen, da in solchen Fällen der Schutz des Torwarts oberste Priorität hat. Die Spielfortsetzung mit Freiwurf für Mannschaft GRÜN an der Freiwurflinie BLAU ist ebenso regelrecht.
Wichtiger Hinweis
Ein 7-Meter-Wurf ist in solchen Fällen nie möglich. Der Schiedsrichter hat das Spiel zum Schutz des Torwarts bewusst unterbrochen; es handelt sich demnach nicht um einen „unberechtigten Pfiff“ nach Regel 14:1b.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.