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"Klare Kante, aber trotzdem kommunikativ"
Redaktion: Was macht aus deiner Sicht einen guten Schiedsrichter aus?
Felix Molsner: Wenn er Leistungsbereitschaft zeigt und professionell agiert. Wir als Spieler versuchen ja ebenfalls, möglichst professionell zu handeln und erhoffen uns von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern diese Einstellung ebenfalls.
Ich finde es zum Beispiel super, wenn die Schiedsrichter sich – ebenso wie wir als Mannschaften – gut auf das Spiel vorbereiten. Sie wissen beim Betreten der Halle, was die beiden Mannschaften ausmacht, wie die Tabellensituation ist und ob es durch ein Derby oder Spitzenspiel zusätzliche Brisanz gibt. Auch eine physische Spielvorbereitung im Sinne von Warmmachen gehört dazu.
Sodass ihr als Spieler seht: Okay, der Schiedsrichter nimmt das Spiel genauso ernst wie wir?
Genau, das ist ein wichtiger Punkt. Als Spieler willst du gewinnen und nimmst das Spiel ernst. Wenn sich der Schiedsrichter warm macht, zeigt er uns, dass er das genauso sieht. Im Profibereich sieht man das Aufwärmen der Schiedsrichter immer, in den unteren Ligen ist es leider noch nicht immer der Fall. Das finde ich schade, denn es ist ein relativ einfaches Prozedere und tut ja nicht nur dem Spiel, sondern auch dem Schiedsrichter selbst gut.
Und worauf kommt es für dich im Spiel?
Abgesehen davon, dass es natürlich schön ist, wenn eine Linie erkennbar ist, wünsche ich mir von einem Schiedsrichter, dass er zwar auf der einen Seite der Spielleiter ist und eine klare Kante zeigt, aber dabei – das ist die andere Seite – trotzdem kommunikativ ist. Das heißt nicht, dass wir Spieler ständig diskutieren dürfen, aber ich finde es schön, wenn zumindest Trainer oder Mannschaftskapitän das Recht haben, zu erfragen, warum bestimmte Entscheidungen so getroffen wurden. Es gibt immer wieder 50:50-Entscheidungen. Manchmal ist das Spiel natürlich so schnell, das nicht gequatscht werden kann, aber es gibt auch immer wieder ruhige Phasen
An welchen Stellen spürt ihr als Mannschaft, dass ihr den Respekt vor einem Schiedsrichter nach und nach verliert?
Wenn ich das salopp formulieren darf: Wenn die Entscheidungen lächerlich werden. Es ist immer schwierig, als Spieler einer spielenden Mannschaft neutral zu bleiben, aber viele Spieler haben genug Erfahrung, um zu beurteilen, ob die Entscheidungen Sinn ergeben oder nicht. Es geht mir dabei nicht darum, dass Schiedsrichter keine Fehler machen dürfen. Das dürfen sie selbstverständlich – das gehört dazu und wir machen genauso viele Fehler im Spiel –, aber es gibt eben eine gewisse Grenze.
Kannst du ein Beispiel nennen?
(überlegt kurz) In einem Spiel ging ein Spieler von unserer Mannschaft zum Schiedsrichter und fragte, ob wir wischen könnten – das war aus unserer Sicht notwendig. Das Gespann hat das nicht nur verweigert, sondern unserem Spieler sofort eine Zwei-Minuten-Strafe gegeben. Das war einfach nur komisch, da war der Respekt weg. Solche extremen Beispiele kommen aber zum Glück selten vor.
Aber, Hand aufs Herz: Wirklich neutral ist man als Spieler selten, oder? Wenn man die Ansetzung sieht oder der Schiedsrichter in die Halle kommt, ist seine Person doch meistens positiv oder negativ besetzt…
Das stimmt. Gerade unterhalb der 3. Liga hast du auf Verbandsebene oder in deinem Bezirk oder Kreis immer wieder dieselben Schiedsrichter. Es gibt nun einmal nur eine begrenze Anzahl. Wenn du in die Halle kommst, weißt du daher in der Regel, was dich erwartet – auch, wenn natürlich auch Schiedsrichter gute oder schlechte Tage haben. Bei manchen Gespannen bist du grundsätzlich aber immer sehr froh, wenn du sie hast – bei anderen nicht unbedingt …
Wie ist deine Perspektive auf einen Austausch zwischen Spielern und Schiedsrichtern nach dem Spiel?
Ich finde das total schön, wenn die Schiedsrichter sich nach dem Spiel fünf Minuten nehmen, um mit den Spielern zu quatschen und in der Lage sind, in einen konstruktiven Austausch zu gehen. Natürlich muss sich kein Schiedsrichter bepöbeln oder in heftige Diskussionen verwickeln lassen, aber ein kurzer Austausch sollte Gang und Gäbe sein.
Ist das bei euch in der Liga an der Tagesordnung?
Mal so, mal so. Das ist total abhängig von den Schiedsrichtern. Ich merke, dass gerade jüngere Schiedsrichter mehr in den Austausch gehen und Rede und Antwort stehen; ältere Gespanne sind dazu vereinzelt eher nicht in der Lage.
Aus Spielerperspektive gesprochen: Was kommt gut an – und was ist ein No-Go?
Es kommt echt gut, wenn sich der Schiedsrichter mit dem Handballsport beschäftigt und möglichst selbst gespielt hat. Man kann natürlich nicht erwarten, dass er immer auf dem gleichem Niveau gespielt hat, auf dem er pfeift, aber eine sportliche Betätigung sollte man ihnen schon anmerken. Ein No-Go ist es für mich, wenn man als Spieler ruhig auf den Schiedsrichter zugeht und dann sofort angeraunzt wird oder mit progressiven Strafen gedroht wird. Das finde ich immer schwierig.
Abschließend: Könntest du dir vorstellen, als Schiedsrichter aktiv zu sein?
Ganz ehrlich: Nein. Früher habe ich das gerne mal übernommen, aber es reizt mich nicht, um mich wirklich dahinter zu klemmen. Es ist auch eine Zeitfrage; ich finde es auch relativ herausfordernd, dem gerecht zu werden – gerade, je höher die Leistungseben wird. Ich sehe mich eher auf der Spieler- und Trainerschiene.