Béla Stewen in Aktion (Bild: IMAGO/wolf-sportfoto)

#Kabinenschnack

Folge 10 mit Béla Stewen: Ihr habt nur einen Freund in der Halle

Von den Erfahrungen der erfahrenen Schiedsrichterinnen profitieren: In der Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von lehrreichen Anekdoten und geben Praxistipps für die Kolleginnen an der Basis. Folge 10 mit Béla Stewen aus dem Bundesligakader des Deutschen Handballbundes.

Mein Gespannpartner Lukas und ich sind vor anderthalb Jahren in den Nachwuchskader des Deutschen Handballbundes aufgestiegen. Einer unserer ersten Einsätze war in der 2. Bundesliga der Frauen. Nach einem Aufstieg ist man zunächst „der Neue“ – man muss sich sein Standing in der neuen Liga erst erarbeiten und spürt gerade am Anfang verstärkt, dass Spielerinnen, Trainerinnen und das Publikum die eigenen Grenzen austesten.

Bei diesem Einsatz hatten wir einen Mentor an unserer Seite. Nach dem Spiel sagte er zu uns: „Ihr habt nur einen Freund in der Halle. Vergesst das nie.“ Dieser Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Dass wir Freunde sind, war für Lukas und mich von Anfang an klar, seit wir als 15-Jährige gemeinsam die Schiedsrichterausbildung gemacht haben. Nachdem wir jeweils ein halbes Jahr alleine gepfiffen hatten, wurden in Hessen Gespanne gebildet – seitdem sind wir gemeinsam unterwegs. Für die Oberstufe bin ich sogar auf dasselbe Gymnasium wie Lukas gewechselt.

Über die Jahre ist zwischen uns ein tiefes Vertrauen gewachsen. Wir können uns auch mal die Meinung sagen, ohne dass unsere Freundschaft darunter leidet – weil wir eine starke Basis haben. Uns ist wichtig, dass wir uns nicht nur in Stresssituationen in der Halle sehen. Wir telefonieren zwischendurch, hängen bei Auswärtsspielen manchmal einen Tag auf eigene Kosten dran, um nach dem Spiel noch gemeinsam die Stadt zu erkunden, und fahren auch zusammen in den Urlaub.

Dieses Jahr waren wir gerade gemeinsam in Valencia, als der Anruf kam, dass wir in den Bundesligakader aufgestiegen sind. Als Bernd Ullrich anrief, war unser erster Gedanke: „Was haben wir falsch gemacht?“ Nach dem Telefonat haben wir uns einfach nur noch gefreut – und es war schön, dass wir diesen Moment zusammen feiern konnten.

Der Satz unseres Mentors ist dennoch hängen geblieben. In dem Spiel damals haben wir viel Druck von außen gespürt, und er wollte uns noch einmal deutlich machen: Wir dürfen uns nicht nur auf unsere Freundschaft verlassen, sondern müssen uns auch auf dem Spielfeld gegenseitig den Rücken stärken – besonders in der Kommunikation mit Trainer*innen.

Sein Rat hat uns bewusst gemacht: Eine starke Beziehung im Gespann bringt Sicherheit auf dem Feld. Das versuchen wir zu leben und können nur empfehlen, sich aktiv damit auseinanderzusetzen. In der Ausbildung kommt das oft zu kurz, aber es darf kein Keil zwischen euch passen.

Und wenn ein Trainer heute unseren Partner kritisiert, würden wir sinngemäß genau auf diesen Satz zurückkommen: „Ich habe nur einen Freund hier in der Halle – zu dem werde ich immer halten und ihn erst recht nicht ins Bockshorn jagen.“