Schiedsrichter Fabian Friedel in Aktion (foto: IMAGO/Jan Guenther)
#Kabinenschnack
Von den Erfahrungen der erfahrenen Schiedsrichter*innen profitieren: In der Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von einer für sie lehrreichen Anekdote und geben Praxistipps für die Kollegen an der Basis. Folge 8 mit Fabian Friedel aus dem Elite-Anschlusskader des Deutschen Handballbundes.
Vor vier Jahren hatten mein Gespannpartner Rick Herrmann und ich eine Ansetzung in der 2. Bundesliga der Frauen. Es war das „Ostderby" zwischen den Füchsen Berlin und dem HC Leipzig, es war ein ebenso spannendes wie emotional aufgeladenes Spiel.
In der 2. Halbzeit ging auf einmal alles ganz schnell: Rick gibt mir über das Headset durch, dass eine Mannschaftsoffizielle der Füchse Berlin uns den Vogel gezeigt habe, unterbricht das Spiel und spricht eine Disqualifikation aus.
Die Mannschaftsoffizielle konnte es nicht fassen; sie habe doch ihre Spielerin – und nicht uns – gemeint. Rick hat es aber so aufgenommen, dass die Geste in unsere Richtung ging. In dem Moment kochte einfach alles über.
Ich hatte keine eigene Wahrnehmung der Szene, ich hatte nur mitbekommen, dass die Mannschaftsoffizielle aufgestanden war. Mehr nicht. Was sie für eine Geste gemacht und in wessen Richtung, das weiß ich nicht.
Im Nachhinein mussten wir uns eingestehen, dass wir in der Situation überreagiert haben. Dabei geht es gar nicht um die Disqualifikation an sich, die man aufgrund der Wahrnehmung von Rick geben kann, sondern um die Art und Weise.
Als Schiedsrichter darfst du dich – wie hitzig es in der Halle auch sein mag – nicht von den eigenen Emotionen übermannen lassen, sondern musst einen kühlen Kopf bewahren. Das ist uns in dieser Situation nicht gelungen. Wir sind nicht zusammengekommen, sondern haben nur über das Headset kommuniziert.
Das war ein Fehler; wir hätten für alle sichtbar auf dem Spielfeld ins Gespräch miteinander gehen müssen. Das ist der Ablauf, der für solche Situationen festgelegt ist – nicht nur für uns, auch für unsere Kolleg*innen. Vor einer Disqualifikation kommt man zusammen!
Ob es in diesem Spiel etwas an der Entscheidung, die Mannschaftsoffizielle zu disqualifizieren, geändert hätte, weiß ich nicht, aber wir hätten kurz nachdenken, reflektieren, durchatmen können. Und es wäre auch nach außen hin ein Zeichen für eine gemeinsame Entscheidung gewesen.
Wir haben aus dieser Situation gelernt und können nur raten: Egal, was passiert – haltet an eurem gewohnten Schema, an eurem Ablauf fest und lasst euch nicht von Emotionen mitreißen oder der Situation überrollen!
Nach dem Abpfiff hat die Mannschaftsoffizielle kein Wort mit uns gesprochen. Als wir sie einige Zeit später in einer anderen Halle getroffen haben, hat sie sich bei uns entschuldigt und noch einmal betont, dass die Geste nicht gegen uns gegangen sei. Wenn wir uns jetzt begegnen, kommen wir bestens klar – und können über die Szene lachen.