Marc Fasthoff, Leiter Organisation im DHB-Schiedsrichterwesen (Bild: IMAGO/wolf-sportfoto)

#Kabinenschnack

Folge 7 mit Marc Fasthoff: Die Ampel

Von den Erfahrungen der erfahrenen Schiedsrichter*innen profitieren: In der neuen Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von einer für sie lehrreichen Anekdote und geben Praxistipps für die Kollegen an der Basis. Folge 7 mit dem früheren Spitzenschiedsrichter Marc Fasthoff, seit 2023 Leiter Organisation im Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund.

Je höher ich als Schiedsrichter gekommen bin – mit meinem ersten Gespannpartner bis in die Regionalliga, und von dort dann innerhalb von drei Jahren gemeinsam mit Peter Behrens in die 1. Bundesliga der Männer –, desto größer wurde der Druck bei jedem einzelnen Spiel. Damit umzugehen, musste ich erst lernen.

Ebenso musste ich lernen, mit negativen Erlebnissen umzugehen. Wenn wir als Schiedsrichter ein Spiel mit – nennen wir es mal – eher schlechten Rückmeldungen gemacht haben, mussten wir das verarbeiten. Das hat anfangs gedauert; ich habe mitunter auch noch mehrere Tage später gegrübelt. 

Auf dem Weg von meiner Wohnung zur Firma kommt nach 500 Metern eine Ampel, die gefühlt immer auf rot steht. Als ich irgendwann mal wieder dort anhalten musste, ist mir aufgefallen, dass ich dort im Kopf mitunter immer noch das Spiel vom Samstag oder Sonntag durchgehe, weil es mich belastet hat und ich es für mich nicht abgeschlossen hatte.

Als der Druck irgendwann besonders hoch war, habe ich für mich entschieden: Ich muss an dieser Ampel stehen können, ohne über das Spiel nachzudenken. Es war für mich in dem Moment klar: Wenn ich das nicht schaffe, bin ich nicht resilient genug, um in der Liga auf Dauer bestehen zu können. 

Das mag auf den ersten Blick drastisch klingen, aber es ist einfach nicht zielführend, mehrere Tage belastet von einem schlecht gelaufenen Spiel oder einer schlechten Leistung (was nicht zwangsläufig das Gleiche ist) durch den Alltag zu gehen. Diese Negativität darf sich für uns als Schiedsrichter nicht durch die restliche Woche ziehen, wir dürfen sie nicht mit zur Arbeit nehmen.

Es war ein Lernprozess, aber der Vorsatz hat mir tatsächlich geholfen, einen Weg zu finden. Peter und ich haben uns in den Stunden nach dem Spiel schonungslos mit unserer Leistung auseinandergesetzt, aber danach war es durch. Wir haben dann vielleicht noch einen halben, dreiviertel Tag darauf herumgekaut, aber dann musste das Spiel abgeschlossen sein und wir haben uns auf das nächste konzentriert. Kurz und knackig statt einer Überbeschäftigung: Das war die Lösung. 

Die Ampel hat mir dabei als Symbol extrem geholfen – eben, weil ich jeden Tag zur Arbeit daran vorbeigefahren bin. Das ist natürlich nur meine Lösung; jeder Schiedsrichter muss seinen eigenen Weg finden, wie er mit der Belastung, die das Pfeifen mit sich bringen kann, umgeht. Die Schuld einfach nicht bei sich zu suchen ist dabei ebenso wenig eine Lösung wie alles zu verdenken.

Ich kann einfach nur empfehlen, dass jeder Schiedsrichter sich seinen Weg sucht. Wenn man ihn findet, hilft es extrem.