Schiedsrichter Frederic Linker und Sascha Schmidt (Bild: IMAGO/Zoonar)

#Kabinenschnack

Folge 6 mit Sascha Schmidt: Unter Beobachtung

Von den Erfahrungen erfahrener Schiedsrichterinnen profitieren: In der neuen Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von für sie lehrreichen Anekdoten und geben Praxistipps für die Kolleginnen an der Basis. Folge 6 mit Sascha Schmidt aus dem Elitekader des Deutschen Handballbundes.

Mein Gespannpartner Frederic und ich sind große Fußballfans und gehen seit Jahren gemeinsam ins Stadion. Wir kommen aus dem Ruhrpott und sind Anhänger von Schalke 04. Als wir mit 19 oder 20 Jahren in der Oberliga gepfiffen haben (und Schalke noch in der 1. Bundesliga spielte), bekamen wir eine Ansetzung am Samstagabend um 19:30 Uhr – an einem Spieltag, an dem Schalke natürlich um 15:30 Uhr spielte.

Wir haben nachgerechnet und festgestellt, dass wir es gerade so aus dem Stadion in Gelsenkirchen in die Halle im Dortmunder Raum schaffen würden, wenn wir ein wenig früher aufbrechen. Also sind wir mit Trikots und Fahnen in die Arena und dann im Laufe der zweiten Halbzeit direkt weiter in die Halle gefahren.

Dort angekommen, haben wir gemerkt, dass wir unseren Plan nicht zu Ende gedacht hatten: Wir hatten völlig vergessen, uns vorher umzuziehen. So liefen wir in voller Schalke-Fanmontur in eine Halle in Dortmund ein… Wie wir dort begrüßt wurden, kann man sich wohl vorstellen. Das war das erste und letzte Mal, dass wir ohne „Umkleidepause“ direkt aus dem Stadion zu einer Ansetzung gefahren sind.

Heute verbuchen wir das als Jugendsünde und können darüber schmunzeln, aber so etwas geht natürlich gar nicht. Daher unser klarer Rat: Kommt als Schiedsrichter*innen unbedingt angemessen gekleidet an, denn sobald ihr auf dem Parkplatz aussteigt oder die Halle betretet, werdet ihr von Mannschaften und Zuschauern beobachtet.

Es macht einen großen Unterschied, welchen Eindruck ihr als Gespann hinterlasst, wenn ihr in einheitlicher Kleidung – ob Sportkleidung oder „Anreiseoutfit“ – erscheint, im Vergleich dazu, wenn der eine im Anzug und der andere in Badelatschen und Jogginghose angeschlurft kommt. Wenn ihr selbst (noch) spielt, achtet einmal darauf, wie eure Schiedsrichter-Kolleg*innen zu euren Spielen anreisen.

Eine angemessene (= vernünftige) Anreise beschränkt sich aber nicht nur auf die Kleidung, sondern betrifft zum Beispiel auch eure Taschen, Rucksäcke oder das Fahrzeug. Einmal stand unser eigentlich gebuchter Leihwagen nicht zur Verfügung, und die Firma hat uns stattdessen ein hochpreisiges Cabrio als Ersatz gegeben – damit an der Halle vorzufahren, war uns extrem unangenehm. Und natürlich ist auch Pünktlichkeit ein Muss (Leseempfehlung: #Kabinenschnack mit Thorsten Kuschel: „Bleibt immer auf dem Laufenden“).

Lange Rede, kurzer Sinn: Seid euch bewusst, dass ihr im Fokus steht, sobald ihr an der Halle ankommt. Wie heißt es so schön? Man hat nur eine Chance für den ersten Eindruck – und ihr habt es selbst in der Hand, wie ihr wahrgenommen werdet. Ein schlechter erster Eindruck macht es euch auf dem Spielfeld unnötig schwer, weil die Mannschaften euch schon vor dem Anpfiff negativ gegenüberstehen. Überzeugt ihr hingegen von Anfang an mit eurem Auftreten, macht ihr euch das Leben deutlich leichter.