Thorsten Kuschel (links) und Thomas Kern bei der Begrüßung (Bild: IMAGO/wolf-sportfoto)
Von den Erfahrungen der erfahrenen Schiedsrichter*innen profitieren: In der neuen Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von einer für sie lehrreichen Anekdote und geben Praxistipps für die Kollegen an der Basis. Folge 3 mit Thorsten Kuschel aus dem Elitekader.
Es kommt nicht oft vor, dass wir als Schiedsrichter mit Applaus empfangen werden. Thomas, mein Teamkollege, und ich haben das in Neckarsulm erlebt - allerdings mit einem gewissen Augenzwinkern. Wir waren während der Pandemie für das Spiel Sport-Union Neckarsulm gegen SV Union Halle-Neustadt in der 1. Frauen-Bundesliga angesetzt, die Partie fand coronabedingt ohne Zuschauer statt.
Wir fuhren überpünktlich los (wir planen immer zusätzlichen Puffer ein; und je länger der Weg zum Spielort, desto größer das Zeitpolster), aber da wir die Strecke nach Neckarsulm nach über 15 Jahren in der Frauen-Bundesliga gut kennen, haben wir kein Navi genutzt. Auf der Autobahn, wenige Kilometer vor der Ausfahrt, haben wir Google Maps dann doch noch angeworfen; warum, weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht wollten wir sichergehen, dass wir in Neckarsulm auch wirklich die richtige Abbiegung zur Sporthalle nehmen.
Das Navi forderte uns dann aber völlig überraschend auf, schon in 300 Metern die Ausfahrt zu nehmen. Wir dachten uns: Was für ein Quatsch, die richtige Ausfahrt kommt doch noch, das wissen wir genau – und fuhren, ohne weiter nachzudenken, an der vorgeschlagenen Ausfahrt vorbei. Das war ein großer Fehler: Die verbleibende Fahrzeit sprang von 15 Minuten auf über zwei Stunden und wir befanden uns mitten in einer Vollsperrung der Autobahn.
Wir riefen den damaligen Schiedsrichterwart an, aber es gab kein Team in der Nähe, das hätte einspringen können. Also wurden die Vereine über unsere Verspätung informiert und wir harrten zwei Stunden in der Vollsperrung aus. Unsere Ankunftszeit in der Halle war dann schlussendlich fünf Minuten vor der regulären Anwurfzeit der Partie.
Die Mannschaften haben es zum Glück locker genommen und uns wie eingangs erwähnt mit Applaus empfangen. Dass keine Zuschauer zugelassen waren, war in diesem Fall Glück, denn so war die Atmosphäre sehr entspannt und die beiden Teams schauten in der Zwischenzeit gemeinsam die Übertragung eines Parallelspiels. Mit 40 Minuten Verspätung konnten wir das Spiel dann endlich anpfeifen.
Dieses Erlebnis war uns eine gehörige Lehre! Seitdem schauen wir uns die Route bereits mehrere Stunden vor der Abfahrt das erste Mal an – und wir fahren nicht mehr ohne Google Maps; egal, wie gut wir die Strecke zu kennen glauben. Und wir haben gelernt: Google hat recht. Auch, wenn ein Mietwagen ein eingebautes Navigationsprogramm hat, setzen wir auf Google; damit haben wir sehr gute Erfahrung gemacht.
Es ist jedoch nicht nur bei An- und Abreise mit dem Auto wichtig, die aktuelle Verkehrslage und mögliche Sperrungen auf der Strecke im Blick zu haben. Auch bei Reisen mit der Bahn – egal, ob U-Bahn, S-Bahn oder Regionalzug in den Nachbarort – empfiehlt es sich, unbedingt auf die Meldungen achten.
Sonst geht es euch auch einmal wie uns, als wir an einem Sonntag fast in Nordhorn gestrandet wären, weil aufgrund des Sturmtiefs „Sabine“ keine Züge mehr fuhren. Wir haben vor dem Spiel bereits gesehen, dass die Bahnstrecke Richtung Hannover dicht ist, aber wir dachten an umgestürzte Bäume und waren überzeugt, dass wir über die Verbindung nach Köln noch wegkommen. Irrtum. Am Ende nahm uns ein Bekannter mit dem Auto bis Hagen mit und wir „trampten“ mit Taxi-Gutscheinen der Bahn von Großstadt bis Großstadt weiter bis Karlsruhe.
Lange Rede, kurzer Sinn: Verlasst euch bei der Planung von An- und Abfahrt zu einem Spiel nicht auf euer (vermeintliches) Wissen und einen möglicherweise veralteten Kenntnisstand, sondern bleibt immer auf dem Laufenden. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es letztendlich immer so gut ausgeht. Wir hatten unfassbares Glück – nicht nur mit den beiden entspannten Mannschaften in Neckarsulm, sondern auch bei der Taxi-Rückfahrt aus Nordhorn. Wir waren an jenem Abend nämlich sogar fünf Minuten vor der geplanten Ankunft unserer Zugverbindung zurück in Karlsruhe…