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#Kabinenschnack

Folge 15 mit Kay Holm: Wie das Schicksal es will …

Von den Erfahrungen erfahrener Schiedsrichter*innen profitieren: In der Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von einer für sie lehrreichen Anekdote und geben Praxistipps für die Kolleginnen an der Basis. Folge 15 mit Kay Holm, der in seiner aktiven Karriere zusammen mit Matthias Brauer über 800 Einsätze für den Deutschen Handballbund absolvierte und heute als Leiter Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB tätig ist.

2016 wurde die Regel zu den letzten 30 Sekunden eingeführt. Ich war damals noch aktiver Schiedsrichter, unterstützte aber schon ein bisschen in der Lehre. Auf dem Lehrgang der Jugendbundesliga-Schiedsrichter habe ich also die Regeländerungen vorgestellt und daher natürlich auch detailliert erklärt, wie die letzten 30 Sekunden funktionieren und wie es mit roter Karte und Siebenmeter läuft.

Der Vortrag war an einem Samstag, und am Sonntag haben Matthias und ich das Spiel SC DHfK Leipzig gegen den SC Magdeburg geleitet. Wie das Schicksal es wollte, gab es in den letzten 30 Sekunden eine strafwürdige Foulsituation, allerdings nicht (!) bei einer klaren Torgelegenheit.

Wir haben die Zeit angehalten, denn aufgrund des Fouls sollte es eine Strafe geben. Bevor wir diese jedoch aussprechen konnten, kam es zu einer Rudelbildung. Der Torwart der Magdeburger kam dabei aus seinem Tor heraus und schubste einen gegnerischen Spieler um. Ganz klar: Das war eine rote Karte.

Der Delegierte und wir waren uns auch schnell einig, dass es aufgrund der roten Karte mit einem Siebenmeter weitergehen muss – schließlich waren wir ja in den letzten 30 Sekunden.

Das war natürlich Blödsinn. Als es zu dem Schubsen kam, das die rote Karte nach sich zog, war das Spiel ja bereits unterbrochen. Die Regel war daher gar nicht anwendbar.

Das ist aber niemandem aufgefallen – auch uns zunächst nicht. Ich habe abends Fernsehen geschaut, und in einem der dritten Programme lief eine Zusammenfassung. Marko Bezjak, damals noch Spieler beim SC Magdeburg, wurde interviewt, und die Reporterin fragte ihn nach der roten Karte. Marko antwortete sinngemäß: Na ja, es war ja in den letzten 30 Sekunden, da gibt es eine rote Karte und Siebenmeter.

In dem Moment wurde mir klar, dass das so nicht korrekt ist und wir einen Bock geschossen hatten. Wir hatten einfach Glück, dass vor Ort niemand so genau Bescheid wusste. Uns allerdings hätte das natürlich bewusst sein müssen – gerade mir, der einen Tag zuvor über jedes Detail der Regel auf einem Lehrgang referiert hatte …

Und die Moral von der Geschichte?

Denkt immer daran, dass nicht jede rote Karte in den letzten 30 Sekunden automatisch ein Siebenmeter ist! Schaut euch Regel 8:11 daher am besten immer mal wieder an, damit ihr die Details genau im Kopf habt und euch nicht auch so ein Fauxpas unterläuft.