Timo Hofmann (links) und Thomas Hörath (Quelle: IMAGO/wolf-sportfoto)

#Kabinenschnack

Folge 2 mit Timo Hofmann: Sei dir bewusst, warum du es tust!

Von den Erkenntnissen der erfahrenen Schiedsrichter*innen profitieren: In der neuen Serie #Kabinenschnack steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Unparteiische aus dem Deutschen Handballbund berichten von einer für sie lehrreichen Anekdote und geben Praxistipps für die Kolleginnen an der Basis. Folge 2 mit Timo Hofmann aus dem Bundesligakader des Deutschen Handballbundes:

Ich glaube, dass viele Schiedsrichter*innen zu früh aufgeben. Viele von ihnen haben vielleicht auch nicht freiwillig zur Pfeife gegriffen, sondern sind in diesen Job 'reingedrückt' worden. Ihre Vereine haben sie überredet, die Prüfung zu machen, weil Unparteiische fehlen. Ohne innere Motivation gibt man aber auch schneller auf.

Ich will das auf keinen Fall verurteilen, denn jeder kann und muss die Entscheidung für sich treffen, ob bzw. wann er aufhört. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass es heutzutage einfach keine Gewohnheit mehr ist, mit negativen Erlebnissen umzugehen. Ein schlechtes Spiel, eine schlechte Punktzahl, deutliche Sätze im Coaching, die du nicht erwartet hast: Das mag mies sein, aber es gehört dazu.

Jeder Rückschlag hat mit Erfahrung zu tun und deshalb ist es wichtig, auch negative Eindrücke zu sammeln. Als 15-Jähriger habe ich meine ersten Spiele gepfiffen und nach einem Einsatz im Aktiven-Bereich danach eine harsche Kritik meiner Leistung in der Zeitung lesen müssen. Das ist mir natürlich nahegegangen.

Als ich später im Gespann auf dem Sprung nach oben war, hat sich mein damaliger Partner entschieden, Trainer zu werden - ein Nackenschlag. Ich habe ein Jahr Pause genommen und nur gespielt, aber danach wieder zur Pfeife gegriffen. Und Thomas und ich sind bis in den Elite-Anschlusskader gekommen, aber nicht mehr weiter. Und nach dem letzten Anlauf wussten wir: Jetzt werden wir es auch nicht mehr in den Elitekader schaffen, wir haben unsere Chancen verbraucht und sind inzwischen zu alt. Das war hart.

Warum wir, warum ich trotzdem nie hingeschmissen habe?

Ich wusste immer, wofür ich das mache. Ich erinnere mich bis heute noch intensiv an die Begeisterung, die ich am Anfang gespürt habe. Ich konnte es als Jugendlicher kaum erwarten, endlich alt genug zu sein und die Schiedsrichterausbildung machen zu dürfen. Dieses Gefühl ist unheimlich wertvoll.

Ich habe damals das wöchentliche Fernsehspiel geschaut und wusste: Da will ich auch mal hin. Ich wusste also, wofür ich auf das Feld gehe, und dieses Wissen hat verhindert, dass ich trotz aller kleinen und größeren Rückschläge (zu) früh den Schlusspfiff gegeben habe. Daher sind Ziele so wichtig – wenn du als (junger) Schiedsrichterin weißt, wo du hinwillst, treibt dich das an. Am Anfang scheint das große Ziel ganz weit entfernt, aber es gibt viele kleine Ziele, die man auf dem Weg nach und nach erreichen kann.

Und irgendwann ist man dann soweit wie Thomas und ich. Als klar war, dass wir nicht mehr aufsteigen können, haben wir uns gesagt: Die Schiedsrichterei ist doch unser Hobby, unsere große Leidenschaft, die wir uns ausgesucht haben – warum sollen wir das jetzt beenden? Wir wollten stattdessen das Beste daraus machen. Und so hart es ist: Gerade die negativen Erfahrungen stärken einen von der Persönlichkeit und dem Charakter her tatsächlich am meisten.