Verletzung durch einen Mitspieler

Welche Regeln gilt es zu beachten, wenn ein Spieler von einem Mitspieler während des Spiels verletzt wird? Die hier gezeigte Situation eröffnet vier Aspekte, die allesamt berücksichtigt werden sollten.

Im folgenden Video ist eine komplexe Spielszene zu beobachten, an der neben vier Angreifern von Team GELB auch drei Abwehrspieler von Team ROT beteiligt sind. Für diesen Beitrag ist von Interesse, dass Spieler GELB 11 im Verlauf der Aktion von einem Mitspieler verletzt wird. Der obige Screenshot zeigt den entscheidenden Moment. Der Mitspieler war zuvor mit hochgestreckten Armen in die Luft gesprungen, um den Torwurf eines Angreifers zu blocken. Aufgrund der regelwidrigen Abwehr eines weiteren Spielers von Team GELB ist es letztlich nicht zu einem Torwurf gekommen. Die Schiedsrichter entschieden deshalb auf Freiwurf für die angreifende Mannschaft. Für die weitere Betrachtung kann dieser Umstand allerdings unberücksichtigt bleiben.

Wie kam es zur Verletzung durch den Mitspieler?

Nach seinem Versuch, einen möglichen gegnerischen Torwurf zu blocken, bewegt sich der Abwehrspieler wieder Richtung Hallenboden. Dabei winkelt er seine Arme an und trifft dadurch seinen Mitspieler GELB 11 mit dem Ellenbogen im Gesicht. Dieser fällt verletzt zu Boden. Die Schiedsrichter geben unverzüglich Time-out (HZ 15) und aufgrund der Verletzungssituation unmittelbar danach mit dem Handzeichen 16 auch die Erlaubnis für zwei teilnahmeberechtigte Personen, zur Behandlung des verletzten Spielers die Spielfläche zu betreten.

Welche Folgen hat der „Treffer“ mit dem Ellenbogen?

Hätte sich diese Aktion nicht unter Mannschaftskameraden abgespielt, fände jetzt Regel 8:5 (Disqualifikation ohne Bericht), mindestens aber Regel 8:4 (direkte Hinausstellung) Anwendung. Allerdings ist Regel 8 grundsätzlich nicht für Aktionen zwischen Mitspielern gemacht. In den Bestimmungen der Regel 8 ist – bis auf eine noch zu erwähnende Ausnahme – immer nur von Aktionen gegen einen Gegenspieler die Rede. Insofern bleibt der Ellenbogencheck für den Spieler ohne Auswirkung. Eine progressive Bestrafung ist nicht vorgesehen.

Wie ergeht es dem verletzten Spieler regeltechnisch?

Zunächst ist ihm zu wünschen, dass das Missgeschick seines Mitspielers keine größeren oder gar bleibenden Folgen hat. Soweit er nach der Behandlung auf der Spielfläche wieder spielfähig wäre, bleibt es ihm nicht erspart, gemäß den Bestimmungen der Regel 4:11 Abs. 2 für drei Angriffe seiner Mannschaft die Spielfläche zu verlassen. Die in der IHF-Erläuterung 8c erwähnte Ausnahme trifft hier nicht zu. Da die gegnerische Mannschaft aufgrund des zugesprochenen Freiwurfs in Ballbesitz bleibt, beginnt der erste der drei Angriffe, nachdem sein Team den Ballbesitz erlangt hat.

Bleibt unter Mitspielern jegliche Aktion ungeahndet?

Ein überschlägiger Blick in Regel 8 könnte diesen Eindruck erwecken. Allerdings ist dem nicht so. Bei näherem Hinsehen findet sich doch die eine oder andere Ausnahme.

In Regel 8:7 (unsportliches Verhalten, das progressiv zu bestrafen ist) findet sich unter lit. b eine Regelbestimmung, die keinen Unterschied zwischen Gegen- und Mitspielern macht. Es ist egal, wen man verbal oder mit Gesten stört. Es handelt sich um unsportliches Verhalten, das progressiv (beginnend mit Verwarnung) zu bestrafen ist.

Eine weitere Regelbestimmung, die sich auch auf entsprechende Vergehen gegenüber Mitspielern anwenden lässt, findet sich in Regel 8:10a. Hier ist nicht von Vergehen gegenüber Gegenspielern die Rede, sondern gegenüber einer anderen Person. Auch wenn in der beispielhaften Aufzählung der Begriff des Mitspielers fehlt, trifft diese Regel dennoch auch in derartigen Fällen zu. Beleidigungen und Drohungen sowie die hier ebenfalls einzuordnende Tätlichkeit wie auch das in Corona-Zeiten absichtliche Anhusten sind auch dann entsprechend zu ahnden, wenn sie gegenüber einem Mitspieler erfolgen.

Schließlich darf in dieser Aufzählung die in Regel 8:10b (I) enthaltene Regelpassage „das Eingreifen eines Mannschaftsoffiziellen in das Spielgeschehen auf der Spielfläche oder vom Auswechselraum aus …“ nicht fehlen.

Der Regeltext bezieht sich ebenfalls nicht nur auf Fälle, in denen die gegnerische Mannschaft in Ballbesitz ist. Die Disqualifikation mit schriftlichem Bericht ist auch dann anzuwenden, wenn zum gegebenen Zeitpunkt die Mannschaft des fehlbaren Offiziellen regeltechnisch in Ballbesitz ist.