Quelle: DHB

Ist der Ballverlust für den Angreifer korrekt?

Unser heutiges Videobeispiel ist erneut der WM-Spielpaarung der Vorrunde – Deutschland und Ungarn – entnommen. Die bewertete Aktion findet bei Spielzeit 15:30 statt.

Beim Spielstand 6:8 für Ungarn entscheidet der Torschiedsrichter zur genannten Spielzeit auf Ballverlust für das deutsche Team. Welches regelwidrige Verhalten dieser Entscheidung zugrunde liegt, ist nicht zu erkennen, da der Torschiedsrichter dem zwingenden Handzeichen 9 (Freiwurf – Richtung) kein weiteres Handzeichen hinzufügt. Denkbar wären Entscheidungen auf Prell- oder Tippfehler (Handzeichen 2), Schrittfehler (Handzeichen 3) oder auf Stürmerfoul (Handzeichen 6) gewesen.

Dennoch muss aufgrund der unmittelbar vorausgegangenen Spielentwicklung die Frage gestellt werden, ob es überhaupt zu einem Ballverlust für die angreifende Mannschaft hätte kommen dürfen.

Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:

Die für eine regelgerechte Beurteilung der Spielsituation entscheidende Aktion erfolgt nicht im Aufgabenbereich des Torschiedsrichters. Ausgangspunkt ist die regelwidrige Abwehraktion auf halblinker Position in Höhe der Freiwurflinie. Der ballführende Angreifer wird während seines dritten Schritts von Abwehrspieler ROT 2 mit dem rechten Arm leicht gestoßen. Dadurch misslingt Angreifer WEISS 20 das erforderliche Tippen nach dem dritten Schritt (siehe auch Regel 7:4a). Er gerät ins Straucheln (ggf. Schrittfehler gemäß Regel 7:3 Abs. 1), lässt den Ball auf den Boden fallen, greift ihn erneut mit beiden Händen (ggf. Tippfehler gemäß Regel 7:4a) und fällt mangels entsprechender Körperkontrolle gegen den an der Torraumlinie postierten Abwehrspieler ROT 30 (ggf. Angreifervergehen gemäß Regel 8:2b).

Auch wenn aufgrund des geschilderten Ablaufs mehrere regelwidrige Aktionen des Angreifers denkbar wären, so ist für eine regelgerechte Entscheidung zur Spielfortsetzung das erste Vergehen des Abwehrspielers (Wegstoßen gemäß Regel 8:2b) maßgebend. Hier hätte eine Freiwurfentscheidung zugunsten der angreifenden Mannschaft durch den Feldschiedsrichter erfolgen müssen.

Dass auch der entsprechende Abwehrspieler ROT 2 eine derartige Entscheidung des Schiedsrichters in das eigene Kalkül einbezogen hatte, zeigt dieser Screenshot:

Der Abwehrspieler macht mit Blick auf den Torschiedsrichter eine Unschuldsgeste: „Sieh her, ich bin es nicht gewesen.“