Steven Heine und Sascha Standke empfinden ein Warmmachen vor jedem Spiel als Respektsbekundung gegenüber den Mannschaften. (Foto: IMAGO/Beautiful Sports)
„In jeder Spielklasse sinnvoll“ – Eine Empfehlung für das Aufwärmen als Schiedsrichter auch im Amateurhandball
Steven Heine und Sascha Standke haben vor jedem Spiel einen festen Ablauf: 35 Minuten vor dem Anpfiff betreten die beiden Unparteiischen die Arena und absolvieren ihr Aufwärmprogramm. Laufen, Dehnen, Laufen, eine Viertelstunde dauert ihre Aktivierung. „Wir wollen – wie die Spieler auch – optimal vorbereitet in die Partie gehen“, betont Heine. „Entsprechend wichtig ist das Aufwärmen für uns, um beim Anpfiff körperlich fit und mental fokussiert zu sein.“
Dafür haben sich Heine und Standke ein Programm erstellt, das sie Spieltag für Spieltag wiederholen. „Jeder Schiedsrichter mag Routinen, weil sie Sicherheit vermitteln und es einem ermöglichen, seinen Rhythmus zu finden. Wir machen daher immer die gleichen Übungen, in der gleichen Reihenfolge“, sagt Heine und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Wir drehen uns sogar synchron – was, wie ich zugeben muss, vielleicht etwas übertrieben ist.“ Es unterstreicht jedoch die Aussage, die Heine und Standke mit ihrem Auftreten vermitteln wollen: „Wir zeigen von Beginn an“, betont der 37-Jährige, „dass wir ein Gespann sind.“
Der Deutsche Handballbund hat seinen Schiedsrichter-Teams nicht vorgeschrieben, wie das Aufwärmen auszusehen hat. Lediglich ein Wunsch ist klar kommuniziert: Die Unparteiischen sollen sich auf dem Spielfeld warmmachen statt im Kabinengang oder in einer Nebenhalle. Denn neben der eigenen körperlichen Aktivierung vermittelt die Erwärmung auch eine Botschaft.
„Wenn du dich als Schiedsrichter warmläufst, strahlst du nach außen – für die Mannschaften und die Zuschauer – aus, dass du bereit bist“, erklärt Heine. „Alle sehen, dass hier zwei Schiedsrichter stehen, die Bock auf das Spiel haben und ihre Aufgabe ernst nehmen. Das Aufwärmen ist daher nicht nur wertvoll für die eigene Vorbereitung, sondern auch eine Form der Wertschätzung gegenüber den Mannschaften.“
Den Gegensatz erlebt Heine, der neben seiner Schiedsrichtertätigkeit für den DHB eine Frauen-Mannschaft in der Landesliga trainiert, Woche für Woche. „In unserer Liga gibt es nicht viele Schiedsrichter, die sich warmlaufen“, sagt er. „Dabei wäre es in jeder Spielklasse sinnvoll, weil du als Schiedsrichter ein ganz anderes Bild ausstrahlt.“
Zusätzlich zur körperlichen Aktivierung und der Außenwirkung ist für Heine auch die Verletzungsprophylaxe ein wichtiger Punkt. „Die Schulturnhallen im Amateurbereich sind oft eiskalt“, weiß er. „Wenn ich dort im Spiel einen Sprint ansetzen muss, weil ein Gegenstoß läuft, und mich vorher nicht warmgemacht habe, ist die Verletzungsgefahr ungleich größer. Daher ist es sinnvoll, den Körper mit dem Warmmachen in eine Grundbelastung zu bringen.“
Auch mental sei die Erwärmung hilfreich. „Leistung ist auch eine Einstellungssache“, fasst Heine zusammen. „Die meisten Schiedsrichter haben selbst Handball gespielt und verbinden das Aufwärmen mit dem Start in ein Punktspiel: Die Anspannung und die Vorfreude steigen, man will das Spiel gewinnen. Als Schiedsrichter kann man zwar nicht direkt gewinnen, aber man kann seine bestmögliche Leistung zeigen – und um diesen Willen und die Bereitschaft auszustrahlen hilft das Aufwärmen.“
Drei Tipps zum Aufwärmen von Steven Heine
- Beim Aufwärmen geht es auch für Schiedsrichter darum, den Körper zu aktivieren und auf die folgende Belastung einzustellen. Dafür brauchst du gar nicht viel Zeit: Sieben bis zehn Minuten bei moderatem Tempo und ein, zwei Sprints reichen völlig aus, um ‚anzuschwitzen‘, wie man so schön sagt. Wenn du es beim Warmmachen hingegen übertreibst und entsprechend ‚hochgeputscht‘ bist, besteht zudem die Gefahr, dass du auch im Spiel überdrehst – oder dass du im Spiel einbrichst, weil du körperlich nicht mehr kannst.
- Gestalte das Aufwärmen so, dass du dich wohlfühlst. Laufen und Dehnen sind natürlich die Klassiker, die wir alle aus unserer Zeit als Spieler kennen, aber es gibt auch Gespanne, welche die Erwärmung mit kleinen Aktivierungsspielen abrunden. Sie kicken sich in der Kabine einen Mini-Fußball zu oder passen einen Tennisball hin und her. Entwickle ein Programm, das auf dich bzw. auf euch – deinen Gespannpartner und dich – zugeschnitten ist.
- Beim Warmlaufen in der Halle ist oft wenig Platz für die Schiedsrichter. Wir empfehlen die Mittellinie, wenn die Mannschaften schon beim Dehnen sind oder die bankferne Längsseite. An der Bankseite selbst ist oft viel Trubel und du stößt leicht mit Spieler oder Trainer zusammen.
Beim Dehnen sieht das anders aus: Wir haben uns inzwischen angewöhnt, uns in der Nähe der Bänke und des Kampfgerichts zu dehnen. Früher haben wir uns dafür auf die bankferne Seite an die Mittellinie gesetzt, aber damit haben wir uns optisch von den anderen am Spiel Beteiligten distanziert. An der Bankseite wirst du hingegen als Teil des Spiels wahrgenommen.