Quelle: IMAGO/Oliver Vogler

In Erinnerung – Marcus Helbig (1971-2025)

Die Handball-Welt trauert um Marcus Helbig. Der frühere Spitzenschiedsrichter verstarb am 9. September 2025 nach langer schwerer Krankheit in Halle an der Saale. Er wurde 53 Jahre alt.

„Marcus Helbig war nicht nur selbst einer der erfolgreichsten Schiedsrichter in der Geschichte des Deutschen Handballbundes, sondern hat sich immer für die nächste Generation engagiert", sagt Frank Böllhoff, Verantwortlicher für das Schiedsrichter-Portal. „Er hat seine Erfahrung als Delegierter und Coach weitergegeben und war für junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ein Vorbild. Wir werden sowohl sein Wissen als auch ihn als Mensch im deutschen Schiedsrichterwesen vermissen."

Gemeinsam mit Gespannpartner Lars Geipel bildete Marcus Helbig über Jahre das deutsche Top-Gespann des Deutschen Handballbundes. Die beiden Freunde vertraten den Deutschen Handballbund bei Europa- und Weltmeisterschaften und nahmen an zwei Olympischen Spielen teil.

Geipel verabschiedete sich mit emotionalen Worten von seinem langjährigen Teamkollegen. „Es tut unfassbar weh, dich nicht mehr an meiner Seite zu wissen. So wie die vergangenen 33 Jahre", schrieb er in einem Beitrag auf Instagram. „Wir sind durch dick und dünn gegangen, haben große Erfolge feiern können - aber auch manche bittere Erfahrung machen müssen. Das Leben hat uns zusammengeführt, jetzt hat uns der Tod wieder getrennt. Was der Tod nicht trennen kann, sind meine Gefühle und Erinnerungen an dich!"

1993 stand Marcus Helbig erstmals gemeinsam mit Geipel als Schiedsrichter auf dem Feld, nachdem sie sich zuvor als Gegenspieler begegnet waren - Geipel im Trikot von HC Einheit Halle/Saale, Marcus Helbig für die TSG Halle/Neustadt. Am 22. Oktober 2000 gab das Duo beim Spiel zwischen TuSEM Essen und Eintracht Hildesheim sein Debüt in der 1. Bundesliga der Männer.

Insgesamt stehen über 600 Spiele für den Deutschen Handballbund sowie über 250 Einsätze auf internationalem Parkett in der Vita von Marcus Helbig und seinem Gespannpartner Geipel. Auf die ersten internationalen Erfahrungen bei einer Junioren-WM (2005) und einer Jugend-EM (2006) folgten zahlreiche Höhepunkte. Zu den größten Highlights gehören unter anderem die Einsätze bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro sowie die Nominierungen für das Champions-League-Finale der Männer 2017 und 2019.

Zudem kam das Duo Geipel/Helbig bei zwei Frauen- (2007, 2009) und vier Männer-Weltmeisterschaften (2011, 2013, 2015, 2017) sowie fünf Männer-Europameisterschaften (2012, 2014, 2016, 2018, 2020) zum Einsatz. Nach der Erkrankung von Marcus Helbig im Frühsommer 2020 endete die aktive Schiedsrichter-Karriere; als Delegierter und Coach blieb Marcus Helbig dem Handball treu.

„Auch wenn ich es jetzt nicht glauben kann: Aber irgendwann werde ich wieder lachen können, wenn ich an dich denke", schreibt Geipel. „Dann erinnere ich mich an die unglaublich vielen tollen Spiele, die wir zusammen bestreiten durften. Aber genauso an die weniger guten - und dann herrschte Eiszeit auf der Rückfahrt im Auto. Ich werde mich an die vielen kleinen und großen Dinge abseits des Handballs erinnern, die unser Zusammensein so besonders gemacht haben."

„Wir werden den Menschen Marcus Helbig mit seiner stets zuversichtlichen Art sehr vermissen. Er war ein absoluter Profi und Vorbild für Generationen von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern", sagt Jutta Ehrmann, Leiterin des Schiedsrichterwesens im DHB. „Das ist eine sehr traurige Nachricht, die alle im Schiedsrichterwesen und die gesamte Handball-Familie zutiefst berührt. Unsere Gedanken sind in dieser Zeit bei seiner Familie."

Auch der Handball-Verband Sachsen-Anhalt, Heimatverband von Marcus Helbig, nimmt Abschied: „Marcus war weit mehr als ein international gefeierter Referee. Er war ein Mensch voller Herzlichkeit, Freundlichkeit und Menschlichkeit – immer offen, immer ansprechbar, immer den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern wohlgesonnt. Mit seiner ruhigen, liebevollen Art hat er nicht nur Spiele geleitet, sondern Menschen geprägt."

Marcus Helbig hinterlässt zwei Söhne, seine Lebensgefährtin, seine Schwester, Eltern und Großeltern. Die Beisetzung wird auf Wunsch der Familie im engsten Kreis stattfinden. In Gedanken an Marcus Helbig trugen die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, die Delegierten und Coaches sowie die Zeitnehmer und Sekretäre des Deutschen Handballbundes in den vergangenen Tagen Trauerflor.