Gleiches Vergehen – unterschiedliche Bestrafung

Seit dem 1. Juli 2022 stehen Kopftreffer nicht nur bei einem Siebenmeter, sondern auch aus dem freien Spiel heraus unter Strafe. Gleichwohl das Resultat bei beiden Situationen identisch sein kann, muss der Schiedsrichter jedoch – je nach Situation – eine andere Strafe aussprechen. Wie schnell man eine falsche Strafe aussprechen kann, zeigt das heutige Beispiel.

 

Was im Video geschieht

BLAU 77 führt einen 7m-Wurf aus und trifft den Torwart dabei am Kopf/im Gesicht. Die Torschiedsrichterin unterbricht daraufhin sofort das Spiel und entscheidet gegen BLAU 77 auf Hinausstellung. Nach kurzen Protesten kommen die Schiedsrichterinnen zusammen und zeigen dann im Nachgang BLAU 77 die Rote Karte.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Ein Kopftreffer bei einer 7m-Ausführung und direktem Freiwurf bleibt unverändert eine Disqualifikation! Trifft der Werfer den Torhüter bei einem unbedrängten Wurf aus dem laufenden Spiel am Kopf und befindet sich dabei kein Abwehrspieler zwischen ihm und dem Torhüter, wird dies mit einer 2-Minuten-Zeitstrafe bedacht.

Wie gehe ich als Schiedsrichter vor?

Passiert ein Kopftreffer beim 7-m-Wurf müssen die Schiedsrichter sofort Time-out geben und zusammenkommen, bevor dann die Disqualifikation durch die Feldschiedsrichterin ausgesprochen wird. Vor der Entscheidung muss selbstverständlich noch geprüft werden, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Bei einem Kopftreffer aus dem freien Spiel heraus ist ein Zusammenkommen nicht zwingend erforderlich. Nur bei einer unklaren Situation ist die Absprache mit dem Partner sinnvoll. Aber auch hier gilt nach dem Time-out zu prüfen, ob eine Behandlung nötig ist.

Fazit:

Die Situation wurde im Nachgang zwar noch richtig gelöst, zeigt aber wie schnell man einen Kopftreffer beim Aussprechen der Strafe vereinheitlicht. Als Schiedsrichter muss man die beiden Situationen klar differenzieren, um jeweils die richtige Strafe aussprechen zu können.

Damit dies deutlich wird, zeigen wir an dieser Stelle zu Unterscheidung einen Kopftreffer aus dem freien Spiel heraus.

In dem Beispiel trifft ROT 18 die Torhüterin ebenfalls am Kopf/im Gesicht. Hier geben die Schiedsrichter ebenfalls sofort Time-out und zeigen richtigerweise zunächst das Handzeichen 16 (Erlaubnis für zwei teilnahmeberechtigte Personen zum Betreten der Spielfläche bei Time-out). Erst danach wird die fällige Hinausstellung angezeigt (im Video nicht mehr zu sehen).

Quelle: DHB

ROT 18 trifft die Torhüterin ebenfalls am Kopf/im Gesicht. Hier geben die Schiedsrichter ebenfalls sofort Time-out und zeigen richtigerweise zunächst das Handzeichen 16 (Erlaubnis für zwei teilnahmeberechtigte Personen zum Betreten der Spielfläche bei Time-out). Erst danach wird die fällige Hinausstellung angezeigt (im Video nicht mehr zu sehen).