Im Fußball gibt es seit dieser Saison auch Karten für Trainer: Hier Ende September die Gelb-Rote für Trainer Sandro Schwarz von Schiedsrichter Felix Brych. Foto: imago images / Eibner

"Gelbe Karten für Trainer tun dem Fußball gut"

Ende August dieses Jahres führte Marcel Bohnensteffen für sportbuzzer.de ein Gespräch mit DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle zum Thema „Einführung der Gelben und Roten Karten für Trainer im Fußball“. Die Quintessenzen hieraus möchten wir Ihnen nicht vorenthalten!

Für den Handball ein "alter Hut"

Seit dieser Saison werden Trainer im deutschen Fußball mit Gelben und Roten Karten bestraft. Die ersten Betroffenen üben Kritik. Im Handball gibt es derartige Regeln seit Jahren. DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle ist überzeugt: Sie verändern das Verhalten am Spielfeldrand zum Guten. 

Neue Regel, große Aufregung: Der DFB hat zur aktuellen Saison Gelbe und Rote Karten für Trainer eingeführt. Im August kam es bereits in der viertklassigen Regionalliga Nord zum Novum: U23-Trainer Konrad Fünfstück von Werder Bremen flog im Spiel gegen Weiche Flensburg (1:1) vom Platz – oder eher von der Bank. Nach Ansicht des Coaches hätte die Partie wegen der Witterungsbedingungen unterbrochen werden müssen. Der Schiedsrichter war anderer Meinung. Das Wortgefecht endete mit Rot für Fünfstück.

Was im Fußball in dieser Form neu ist – einmal abgesehen vom einstigen Verweis auf die Tribüne plus eventueller Sperre – kennen Handballer schon. Verwarnungen, Zeitstrafen, Disqualifikationen – all das droht hier Offiziellen. Für Wolfgang Jamelle sind Strafen gegen Personen auf der Bank elementar für einen respektvollen Umgang mit Schiedsrichtern. "Der erzieherische Effekt hinter einer Karte tut auch dem Fußball gut", sagt er. "Bei vielen Trainern erzielt die Maßnahme pädagogische Wirkung. Die meisten halten sich danach zurück." Eine Sichtweise, an die man sich im Fußball offenbar noch gewöhnen muss.

Baumgart und Funkel in der Bundesliga "Premieren-Täter"

 

Schiedsrichter Tobias Welz zeigt dem Paderborner Trainer Steffen Baumgart schon im August die Gelbe Karte. Foto: imago images / DeFodi

Der Paderborner Coach Steffen Baumgart (gegen Freiburg) und sein Düsseldorfer Kollege Friedhelm Funkel (gegen Leverkusen) waren die ersten Trainer, die in der Bundesliga Gelb sahen – am zweiten Spieltag. Baumgart hatte sein Cappy geworfen, Funkel meckerte den Schiedsrichter-Assistenten an. In Liga zwei hatte der inzwischen entlassene Bochum-Trainer Robin Dutt eine Woche zuvor wegen Reklamierens nach Spielschluss die Gelbe Karte erhalten. In der 3. Liga sah Magdeburgs Co-Trainer Silvio Bankert am ersten Spieltag Rot.

Funkel monierte: "Wenn das so weitergeht, wird es schwer, noch 15 bis 20 Spiele an der Bank zu verfolgen." Denn bei vier Gelben Karten in einer Saison werden Trainer für ein Spiel gesperrt. Rot bringt mindestens einmal tatenloses Zugucken mit sich. "Langsam werden wir schwachsinnig. Wo soll das hinführen?", meckerte Paderborns Baumgart – ehe er später einlenkte: "Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich auch die Argumente der Schiedsrichter." Einsicht! Und darauf setzt auch Jamelle: "Die drohende Sperre wird aus meiner Sicht dazu führen, dass sich die meisten Trainer spätestens nach der dritten Gelben Karte am Riemen reißen werden." Und was den Lerneffekt angeht, hat er Erfahrung.

Als in der Handball-Bundesliga zu Beginn der vergangenen Saison ein härteres Durchgreifen gegen Kluboffizielle beschlossen wurde, gab es gleich am ersten Spieltag vier Zeitstrafen gegen Trainer. Der Aufschrei war groß, doch die Unparteiischen blieben konsequent. Und siehe da: "Die Trainer haben schnell gemerkt: Die Schiedsrichter greifen durch, und haben ihr Verhalten dementsprechend angepasst", erklärt Jamelle.

"Wir schrecken vor Roten Karten nicht mehr zurück"

Um auch die letzten Ausreißer zu bändigen, hat die Schiedsrichter-Kommission für die aktuelle Handball-Saison noch schärfere Sanktionen angekündigt. "Wir schrecken vor Roten Karten nicht mehr zurück", sagt Jamelle. "Der eine oder andere Trainer braucht diese Lehre vielleicht einmal." Der Handball könnte zum warnenden Beispiel für die Trainer im Profifußball werden.

 

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