Fuß- oder Beinheber – der nicht erlaubte Körperkontakt
Was im Video geschieht
Mannschaft GRÜN wurde ein Freiwurf zuerkannt. Das Vorwarnzeichen für passives Spiel ist angezeigt, es ist noch ein Pass möglich. GRÜN 24 führt nach Anpfiff den Freiwurf aus einer Mauer heraus aus und spielt den Ball zu GRÜN 13, der per Sprungwurf auf das Tor werfen will. ROT 27 läuft in Richtung GRÜN 13 und versucht von der Seite GRÜN 13 am Wurf zu hindern, indem er mit der rechten Hand zum rechten Knie geht und mit der linken Hand versucht, GRÜN 13 am Trikot von hinten festzuhalten. GRÜN 13 kann trotz des regelwidrigen Einwirkens von ROT 27 noch ein Tor erzielen.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
In derartigen Situationen gelten im DHB folgende Auslegungen zur Klarstellung für dieses Vergehen durch Abwehrspieler:
- Kommt es zu einem versuchten „Fußheber“, ohne dass dieser tatsächlich gelingt, ist dies immer mit einer direkten Hinausstellung zu bestrafen.
- Kommt es zu einem erkennbaren „Fußheber“ ohne bedeutende Auswirkung, z. B. Spieler kann sich in der Luft noch gut kontrollieren und auch sicher landen, so ist dies immer mit einer Disqualifikation (ohne Bericht) zu ahnden.
- Kommt es zu einem erkennbaren „Fußheber“ mit einer Destabilisierung (unabhängig ob mit oder ohne Verletzungsfolge) ist immer auf Disqualifikation mit Bericht („blaue Karte“) zu entscheiden.
- Spielfortsetzung in allen Fällen gemäß der Spielsituation.
Fazit
Hier kommt es zu einem erkennbaren Beinheber mit einer Destabilisierung. Gleichwohl oder glücklicherweise es hier zu keiner Verletzungsfolge kommt, hat die Aktion aber bedeutende Auswirkungen auf den Spieler (Destabilisierung). Das Verhalten ist besonders rücksichtslos, gefährlich und eine vorsätzliche Aktion. Die angemessene Strafe ist hier – nach Torerfolg – eine Disqualifikation mit Bericht für ROT 27.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.