Aber das ist nicht meine Triebfeder, hier und jetzt ein paar Gedanken über „Frustration“ zu äußern, die – so viel vorweg – keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben. Nein, dieser Beitrag wurde ausgelöst durch das immer wieder zu beobachtende Verhalten von Spielern und Offiziellen, die häufig mit ihren Frustreaktionen auf die Schiedsrichter zielen: Sei es eine unverhältnismäßige nonverbale Reaktion wegen eines vermeintlich zu Unrecht entschiedenen oder vorenthaltenen 7-Meter-Wurfs. Oder sei es eine Reaktion aufgrund des vorzeitigen Ausscheidens aus einem großen Turnier. Stets liegt es für die Frustrierten nahezu zwangsläufig auf der Hand, dass das „Unheil“ nur deshalb eintreten konnte, weil man von den Schiedsrichtern benachteiligt wurde. Gelegentlich geht die Paranoia sogar so weit, dass von einer „Verschwörung“ der Schiedsrichter – gegen einen Verein, gegen ein Land oder gar einen Kontinent – die Rede ist. Belegen können diese Sportkameraden ihre Einschätzungen in aller Regel aus dem Handgelenk: Es wird sich doch eine Entscheidung finden lassen, die selbst im Auge des objektiven Betrachters nicht zu halten ist. Die – zur spielentscheidenden Aktion hochstilisiert – an dem unlauteren Gebaren der „Schwarzkittel“ keinen Zweifel mehr zulässt. Spätestens jetzt rückt die Überlegung vollständig in den Hintergrund, dass das Spiel womöglich aufgrund der eigenen – mit einigen Mängeln behafteten – Leistung nicht gewonnen wurde.
Frustration ist die Antwort auf einen unerfüllten Wunsch
Nein, man ist der festen Überzeugung, das habe System, und weist schon mal darauf hin, dass die Karten beim nächsten Heimspiel anders gemischt seien und man von den vermeintlichen Ungerechtigkeiten dann selbst zu profitieren gedenke. All dies ist kaum entschuldbar und von den amtierenden Schiedsrichtern (und vom Schiedsrichterwesen allgemein) nur im Wissen um das Wesen der Frustration einigermaßen zu ertragen. Frustration ist häufig eine emotionale Antwort auf einen unerfüllten Wunsch. Je größer der Wunsch, umso größer die einsetzende Frustration. Diese emotionale Reaktion steht dabei immer auch in einer engen Beziehung zur Wut und zur Enttäuschung.
Wenn Menschen frustriert sind, zeigen sie oft aggressives Verhalten. Meistens ist es schwierig, den eigentlichen Grund ihrer Frustration herauszufinden, weil die gezeigten Reflexe indirekt sind.
Ein Mensch, der Wut erlebt, sieht die Gründe seiner Handlung vielfach in der Außenwelt. In unserem Sport namentlich auch bei den Schiedsrichtern. Die Schelte gegenüber den Schiedsrichtern, gar die Unterstellung unlauteren Verhaltens, entbehren bei rationaler Betrachtung jeglicher Grundlage. Klar, der zitierte Anlass mag objektiv gegeben, die angesprochene Entscheidung womöglich grottenschlecht gewesen sein. Aber ebenso klar ist, dass dies in der Regel nicht die Ursache für den jeweiligen Frustrationsgrund (z. B. Spielverlust, Ausscheiden aus einem bedeutenden Turnier) ist. Ferner ist es schlichtweg in höchstem Maße unsportlich, Schiedsrichtern zu unterstellen, sie träfen bewusst Fehlentscheidungen zu Gunsten oder Ungunsten eines Spielers oder gar einer Mannschaft.
Was können wir tun?
Die beste Reaktion auf die Frustration Dritter ist, sich klarzumachen, welche Folgen die eigene Reaktion auf das frustrierte Gegenüber haben wird. Da wir uns als Schiedsrichter bei diesen Ereignissen meist in direkter Kommunikation mit dem Frustrierten befinden, geht die eigene Sicherheit vor und man sollte sich bei seinem Verhalten sicher sein, dass es deeskalierend wirkt.
Aggressive Menschen kann man stoppen, indem man ihnen Grenzen aufzeigt – zum Beispiel dem Gegenüber ruhig mitteilt, dass man auf diese Art und Weise nicht angesprochen werden möchte. Dabei sollte man die zurückgewiesene Formulierung wortwörtlich wiederholen. Ferner kann man erklären, wie das Problem auf ruhige Art und Weise geklärt werden könnte, aber auch, welche Konsequenzen das aggressive Verhalten nach sich ziehen wird. Als Schiedsrichter sind wir in dieser Hinsicht auch nach einem Spiel nicht mittellos.
Dabei sollten die folgenden Verhaltenstipps beachtet werden:
- Aggressives Verhalten nie mit Aggressivität beantworten!
- Warten bis das Gegenüber wieder rational ansprechbar ist.
- Das Gegenüber ernst nehmen und dabei auf die eigene Körpersprache achten.
- Eine persönliche Ebene vermeiden und professionell auf der sachlichen Ebene bleiben.
- In seinen Ausführungen und Handlungen nicht nachgeben! Der Frustrierte lernt ansonsten nur, dass er für sein Verhalten auch noch belohnt wird.
- Auch eigene Fehler einräumen und Verständnis für das Gegenüber zeigen.
- Gemeinsam nach möglichen Lösungen suchen.
Wenn es die Situation erlaubt, versucht doch mal, diese Hinweise zu beherzigen, wenn Euch ein frustrierter Spieler oder Offizieller mit derartigen Verhaltensweisen konfrontiert. Das heißt aber nicht, dass die Kommunikation mit dem Frustrierten die im Spiel ggf. erforderliche progressive Maßnahme ersetzt.