Quelle: DHB
Freiwurfausführung
Beispiel 1
Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff. Die Schiedsrichter haben das Vorwarnzeichen für passives Spiel angezeigt. Der Feldschiedsrichter erkennt auf Freiwurf für Mannschaft SCHWARZ. Als SCHWARZ 22 an der richtigen Stelle steht sowie auch die anderen Mitspieler, pfeift der Feldschiedsrichter den Freiwurf an. Der Ausführende wartet einen Moment mit der Ausführung, als sein Mitspieler hinter ihm deutlich in den Raum zwischen der Freiwurf- und der Torraumlinie läuft. Der Feldschiedsrichter entscheidet dann auf Freiwurf für Mannschaft WEISS.
Beispiel 2
Mannschaft ROT befindet sich im Angriff und die Schiedsrichter haben das Vorwarnzeichen für passives Spiel angezeigt. Bei der Freiwurfausführung sind noch zwei Pässe zu spielen. ROT 17, der Ausführende, betritt den Raum zwischen Freiwurf- und Torraumlinie, bevor der Ball die Hand verlassen hat. Die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf WEISS.
Die regeltechnsiche Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im Schiedsrichterwesen des DHB
Vor der Ausführung eines Wurfs muss der Werfer die richtige Position eingenommen haben. Der Ball muss sich zusätzlich in der Hand des Werfers befinden.
Mit Ausnahmen Abwurf und Anwurf aus der Anwurfzone, muss der Werfer bei der Wurfausführung mit einem Teil des Fußes ununterbrochen den Boden berühren, bis der Ball die Hand verlassen hat. Der andere Fuß darf wiederholt vom Boden abgehoben und wieder abgesetzt werden. Der Werfer muss diese Position einnehmen, bis der Wurf ausgeführt ist.
Die Mitspieler des Werfers müssen die für den Wurf vorgeschriebenen Positionen ebenfalls eingenommen haben. Die Spieler der angreifenden Mannschaft dürfen die Freiwurflinie nicht berühren oder überschreiten, bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat.
Sollten sich Angreifer vor Ausführung des Freiwurfs zwischen Torraum- und Freiwurflinie befinden, müssen die Schiedsrichter dies korrigieren, falls es Einfluss auf das Spiel hat. Erst wenn die Angreifer die Spieler die Positionen eingenommen haben, wird der Freiwurf angepfiffen. Dasselbe gilt auch, wenn Spieler der angreifenden Mannschaft diese Zone betreten, bevor der Ball die Hand des Werfers verlässt und der Wurf nicht angepfiffen wurde.
Berühren oder überschreiten Spieler der angreifenden Mannschaft allerdings nach Anpfiff eines Freiwurfs die 9-Meter-Linie, bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat, dann ist auf Freiwurf für die abwehrende Mannschaft zu entscheiden.
Der Freiwurf wird grundsätzlich ohne Anpfiff ausgeführt. Wann ein Freiwurf jedoch anzupfeifen ist, ist in Regel 15:5b aufgeführt. Konsequenzen aus Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung sind also davon abhängig, ob der Wurf angepfiffen war oder nicht.
Diese Differenzierung gilt jedoch nicht in den Fällen von Regel 15:8 (z. B. der Werfer berührt den Ball ein zweites Mal, bevor dieser einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat, er prellt ihn oder legt ihn auf den Boden und nimmt ihn wieder auf). Hier ist sofort auf Freiwurf für den Gegner zu entscheiden.
Auflösung
Im ersten Beispiel (Video 1) hat der Feldschiedsrichter den Freiwurf angepfiffen. Die Entscheidung der Schiedsrichter auf Freiwurf WEISS ist daher korrekt.
Im zweiten Beispiel (Video 2) hat der Feldschiedsrichter den Freiwurf nicht angepfiffen. Daher ist die Entscheidung auf Freiwurf WEISS nicht korrekt. Die Ausführung hätte korrigiert werden müssen. Die korrekte Entscheidung wäre hier gewesen: Korrektur, Freiwurf mit Anpfiff.
Hinweis
Von Beginn des Spieles an sollten die Schiedsrichter für eine korrekte Aufstellung aller Spieler bei der Ausführung von Freiwürfen sorgen; hier ist es angebracht, mit verbalen Hinweisen die Beteiligten auf regeltechnische Konsequenzen im Wiederholungsfall hinzuweisen. Durch (körperliche) Präsenz der Schiedsrichter kann für eine korrekte Wurfausführung über die gesamte Spielzeit gesorgt werden.
Es gilt immer zu bedenken, ob der Freiwurf angepfiffen werden muss bzw. ob bei Fehlern der ausführenden Mannschaft der Freiwurf bereits angepfiffen war.
Unter der Rubrik "Wie würden Sie entscheiden?" veröffentlichen wir regelmäßig Spielsituationen, die interessante Regelaspekte beinhalten, sezieren und erläutern diese.