Freiwurfausführung nach Halbzeit- und Spielende

Vor 20 Jahren wurde die Regel geändert. Dennoch gibt es immer wieder Fehler – insbesondere der abwehrenden Mannschaft -, die von Zeitnehmer und Sekretär nicht immer richtig erkannt bzw., geahndet werden.

Die jetzige Regel ist seit dem 1. August 2005 gültig.

Davor war das Problem, dass diese Situation häufig zu Schauspielerei und langen Verzögerungen vor der Freiwurfausführung führte, meist ergebnislos. Dies war unattraktiv und führte zu Spannungen. Häufig entstanden die Verzögerungen, weil die abwehrende Mannschaft für die Abwehr größere Spieler einwechseln wollte. Dies sollte daher für die abwehrende Mannschaft verboten werden und Spielerwechsel allein für die ausführende Mannschaft zulässig sein (falls der bevorzugte, wurfausführende Spieler auf der „Bank“ sitzt).  Des Weiteren entstanden Verzögerungen, weil die Mitspieler des Werfers die Abwehrspieler verwirren wollten, indem sie sich um den Werfer drängten. Dies sollte ebenfalls verboten werden, da ohnehin nur ein Spieler den Ball halten darf, und die anderen Spieler keine andere Funktion hatten. Dies führte auch zu häufigen Korrekturen der Schiedsrichter.

Seit dem 1. August 2005 sind die entsprechenden Bestimmungen in Regel 2:5 und der Erläuterung 1 zu finden. An dem Text hat sich bis auf die Ergänzung im Rahmen der Regeländerungen zum 1. Juli 2016 „… ebenso darf die abwehrende Mannschaft einen Feldspieler gegen einen Torwart auswechseln, wenn sie beim Ertönen des Schlusssignals ohne Torwart spielt.“  nichts geändert.

Videobeispiele

Was im Video 1 geschieht

Mannschaft WEISS ist im Angriff und liegt mit einem Tor (24 - 23) zurück. Die Schiedsrichter haben auf Freiwurf für Mannschaft WEISS entschieden. Vor der Ausführung ertönt das Schlusssignal. Da sich Mannschaft WEISS für die Ausführung Zeit lässt, wechselt die abwehrende Mannschaft GRÜN zwei Spielerinnen aus. Die Spielfläche verlässt zuerst GRÜN 3 und dann GRÜN 15 und es werden eingewechselt zuerst GRÜN 44 und dann GRÜN 2. Daraufhin kommt vom Zeitnehmer das Signal und der Feldschiedsrichter begibt sich zum Sekretär, der dem Schiedsrichter seine Wahrnehmung schildert. Daraufhin werden GRÜN 22 und GRÜN 2 vom Spielfeld geholt und GRÜN 3 und GRÜN 15 betreten wieder die Spielfläche und begeben sich in den Abwehrblock. Ohne jegliche Konsequenzen für Mannschaft GRÜN wird der Freiwurf – ohne Erfolg – ausgeführt.

Was im Video 2 geschieht

Mannschaft BLAU ist im Angriff und nach dem Schlusssignal ist noch beim Stand 25 – 25 ein Freiwurf auszuführen. Da sich Mannschaft BLAU Zeit lässt und auch noch gewischt werden muss, nutzt Mannschaft GELB die Situation, indem GELB 31 die Spielfläche verlässt und dafür die die großgewachsene Spielerin GELB 17 einwechselt. Ohne das Eingreifen von Zeitnehmer/Sekretär noch der Schiedsrichter und damit ohne Konsequenzen für Mannschaft GELB, wird der Freiwurf ausgeführt und durch die abwehrende Mannschaft GELB geblockt. 

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Für Freiwurfausführungen oder -wiederholungen nach Regel 2:4 (Wiederholung des Wurfes nach Ertönen des Schlusssignals) und Erläuterung 1 gelten gegenüber normalen Freiwürfen während der Spielzeit besondere Bestimmungen. Gemäß Regel 2:5 darf nur die ausführende Mannschaft einen Spieler auswechseln. Ebenso darf die abwehrende Mannschaft einen Feldspieler gegen einen Torwart auswechseln, wenn sie beim Ertönen des Schlusssignals ohne Torwart spielt.

Im Beispiel (Video) 1 haben es optisch die Schiedsrichter wahrgenommen sowie Zeitnehmer und Sekretär, die auch hör- und sichtbar die Schiedsrichter über den Wechsel informierten. Welche Aussagen der Sekretär gegenüber den Schiedsrichtern gemacht hat, ist nicht ersichtlich. Die Informationen war bezüglich der Spielernummer nicht korrekt. Denn GRÜN 44, die als erste bei dem Wechsel die Spielfläche betreten hat, durfte auf dem Spielfeld bleiben, dafür ist dann GRÜN 22 auf die „Bank“ geschickt und GRÜN 3 und GRÜN 15 sind wieder auf das Spielfeld gelassen worden.

Richtig wäre hier gewesen, der Zeitnehmer hätte gepfiffen und eindeutig auf einen Wechselfehler von Mannschaft GRÜN hinweisen müssen. Infolge des Wechselfehlers hätte GRÜN 44, die zuerst eingewechselt wurde (dann erst GRÜN 2), nachdem GRÜN 3 und GRÜN 15 die Spielfläche verlassen haben, eine Hinausstellung erhalten müssen. GRÜN 2 hätte auch die Spielfläche verlassen müssen und dafür hätte GRÜN 3 oder GRÜN 15 dürfte wieder zurückkehren dürfen.

Zwischenfazit Video 1

Gleichwohl der offensichtliche Wechselfehler wahrgenommen und den Schiedsrichtern (wenn auch nicht ganz korrekt) erläutert wurde, blieb die Aktion ohne jede Konsequenz, ohne Hinausstellung. Ein Nachteil für Mannschaft WEISS.

Bei diesem Beispiel zeigt sich aber auch wieder, wie wichtig es ist, die Regelfragen aus dem Fragenkatalog im Portal aufmerksam zu lesen, zu studieren und zu verstehen, denn genau dieser Fall wird in einer der Regelfragen fast exakt so geschildert. Daher nur die Antworten auswendig zu lernen, hilft nicht weiter.

Hier die Regelfrage

Nach dem Schlusssignal ist von Team SCHWARZ noch ein Freiwurf auszuführen. Vor der Ausführung wechselt Team WEISS kurz nacheinander die hochgewachsenen WEISS 10 und WEISS 11 ein, nachdem WEISS 8 und WEISS 9 gleichzeitig die Spielfläche verlassen haben. Welche der folgenden Aussagen treffen zu?

a) Der Zeitnehmer wird pfeifen und die Schiedsrichter auf einen Wechselfehler von Team WEISS hinweisen.

b) WEISS 10 wird infolge eines Wechselfehlers hinausgestellt.

c) WEISS 11 wird infolge eines Wechselfehlers hinausgestellt.

d) Der Zeitnehmer wird nicht pfeifen, da keine Regelwidrigkeit vorliegt.

e) WEISS 11 muss die Spielfläche verlassen. WEISS 8 oder WEISS 9 darf zurückkehren.

Richtige Antworten: a, b, e

Zwischenfazit Video 2

Im Bespiel 2 haben es weder Zeitnehmer/Sekretär noch die Schiedsrichter wahrgenommen/erkannt. Der Pfiff vom Zeitnehmer blieb aus, damit auch ohne Konsequenzen für Mannschaft GELB. Auch hier ein Nachteil für Mannschaft BLAU, denn GELB 17 ist hochgewachsen und am Block erfolgreich beteiligt.

Fazit

Wenn nach dem Schlusssignal noch ein Freiwurf auszuführen ist, müssen Zeitnehmer und Sekretär hellwach sein, damit diese Situation eben nicht ohne Konsequenzen, ohne Hinausstellung bleiben. Es ist und bleibt nun mal ein Wechselfehler.

Die Regel wurde vor knapp 20 Jahren geändert und hat sich bis auf eine zusätzliche Situation (Mannschaft ohne Torwart) nicht mehr verändert. Anscheinend haben die 20 Jahre aber noch nicht ausgereicht, dass sich die geänderten Bestimmungen in puncto Wechselverbot bei der abwehrenden Mannschaft bei allen Mannschaften bekannt ist.

Eigentlich wollte man mit der Regeländerung Verzögerungen durch diverse Spielerwechsel vermeiden.