Quell: DHB
Freiwurfausführung nach dem Schlusssignal
Was im Video geschieht
Der Mannschaft SCHWARZ wurde noch während der Spielzeit ein Freiwurf zugesprochen. Bevor der Freiwurf ausgeführt werden kann, ertönt das automatische Schlusssignal der zweiten Halbzeit. Eine Spielerin von SCHWARZ führt den Freiwurf aus. Der Wurf wird von der Abwehrspielerin GRÜN 18 aktiv mit dem Fuß geblockt und landet im Seitenaus. Die Schiedsrichter beraten sich anschließend.
Wie hätten Sie entschieden?
Ein Blick in den Regeltext:
Zunächst ein Blick auf die ausführende Spielerin und damit auf Regel 15 (Allgemeine Anweisungen zur Ausführung der Würfe)
Gemäß Regel 15:1 muss vor der Ausführung eines Wurfs der bzw. die Werferin die richtige Position eingenommen haben. Der Ball muss sich in der Hand des bzw. der Werferin befinden (15:6).
Außer bei der Ausführung eines Abwurfs (siehe 12:2) und dem Anwurf aus der Anwurfzone (10:3b) muss der Werfer bei der Wurfausführung mit einem Teil desselben Fußes ununterbrochen den Boden berühren, bis der Ball die Hand verlassen hat (siehe jedoch 10:3b). Der andere Fuß darf wiederholt vom Boden abgehoben und wieder abgesetzt werden (siehe auch 7:6). Der Werfer muss diese Stellung einnehmen, bis der Wurf ausgeführt ist (15:7 Abs. 2 und 3).
Wie sieht es mit der abwehrenden Mannschaft aus?
Hier erfolgt der Blick in die Guidelines und Interpretationen:
Freiwurf oder 7-Meter-Wurf nach Schlusssignal (Regel 2:6, 8:11a)
Bei Vergehen oder unsportlichem Verhalten der Verteidiger während der Ausführung eines Freiwurfs [...] nach dem Schlusssignal sind diese Verteidiger gemäß den Regeln 16:3, 16:6 oder 16:9 persönlich zu bestrafen. Der Wurf muss wiederholt werden (Regel 15:9 Abs. 3). Regel 8:11a findet in solchen Fällen keine Anwendung.
Wie ist nun zu entscheiden?
Es ist deutlich erkennbar, dass GRÜN 18 den Wurf aktiv mit dem Fuß abwehrt. Daher ist in derartigen Situationen nur eine Hinausstellung (keine Disqualifikation ohne Bericht nach 8:11a) von GRÜN 18 möglich und der Freiwurf ist zu wiederholen (kein 7-Meter-Wurf möglich!).
Denn die Sonderregelungen der Regel 8:11a in Verbindung mit den Guidelines gelten nur bei Vergehen innerhalb der letzten 30 Sekunden oder mit dem Schlusssignal. Eine Abstandsverkürzung oder anderes unsportliches Verhalten beim Freiwurf nach dem Schlusssignal kann deshalb nicht zu einem Strafwurf und einer Disqualifikation nach Regel 8:11a führen.
Hinweise
- Auf eine korrekte Ausführung des ausführenden Spielers ist besonders zu achten.
- Bei der Ausführung eines Freiwurfs nach dem Schlusssignal findet Regel 8:11a in solchen Fällen keine Anwendung.
- Eine Entscheidung durch die Schiedsrichter muss – auch nach Beratung – schnell erfolgen (lange Absprachen/Diskussionen und damit "Wartezeiten" sind zu vermeiden).
- Strafen müssen klar und unmissverständlich angezeigt werden.
- Wenn solche Situationen entstehen und ein Freiwurf wiederholt werden muss, ist zunächst darauf zu achten, dass die Auswechselspieler und Offiziellen nicht auf die Spielfläche laufen (nicht nur als Schiedsrichter um sich selbst kümmern und alles andere vernachlässigen!). Denn bei der Freiwurfausführung (oder -wiederholung) nach dem Ertönen des Schlusssignals gelten besondere Anweisungen bezüglich des Spielerwechsels.
Ein Blick ins Regelheft und ins SR-Portal hilft. Denn diese Situation ist kein Einzelfall. Dies zeigt der Beitrag vom 10.06.2024: Freiwurfausführung nach dem Schlusssignal.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.