Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland gestartet

Am gestrigen Mittwoch startete die Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland. Aus dem Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes sind Ramesh und Suresh Thiyagarajah sowie drei Delegierte nominiert.

Um 18 Uhr eröffneten Ante Mikelić und Petar Paradina mit ihrem Anpfiff die Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland. Die beiden Kroaten leiteten das Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft, das das Team von Markus Gaugisch mit 32:25 gegen Island für sich entschied. Auch in Trier flogen am Mittwoch die ersten Bälle.

In den niederländischen Spielorten Rotterdam und ’s-Hertogenbosch geht es hingegen erst am heutigen Donnerstag los – und damit könnte die Weltmeisterschaft auch aus deutscher Schiedsrichter-Sicht starten. Ramesh und Suresh Thiyagarajah sind nominiert; für die beiden Unparteiischen aus Gummersbach ist es das erste Großturnier im Erwachsenenbereich.

„Die Vorfreude ist natürlich auf jeden Fall da, denn diese Nominierung war der logische nächste Schritt für uns, auf den wir lange gehofft und für den wir lange gearbeitet haben“, betonte Ramesh Thiyagarajah zwei Wochen vor dem WM-Start. „Die Bedeutung dieser Nominierung kann ich gar nicht so richtig in Worte fassen. Wir sind schon sehr gespannt, wie es laufen wird.“

Nach mehreren Einsätzen bei internationalen Nachwuchsturnieren und Highlights wie den Finalspielen im DHB-Pokal der Männer und Frauen dürfen sich Thiyagarajah/Thiyagarajah nun auf der Weltbühne beweisen. Die neue Dimension ist den Brüdern bewusst; eine Belastung soll das aber nicht sein.

„Dass unsere Entscheidungen genau beobachtet werden, sind wir gewöhnt“, stellte Ramesh Thiyagarajah lakonisch fest, während sein Bruder Suresh unterstrich: „Ich würde nicht nur von Druck sprechen wollen – es ist eine Freude, dass wir die Chance bekommen, uns dort zu beweisen, zu schauen, wie weit wir kommen und wo wir stehen. Es wird für uns spannend zu sehen, wie gut wir mittlerweile auf dieser Ebene angekommen sind.“

Einen großen Vorteil versprechen sie sich von ihren Erfahrungen bei Jugend- und Junioreneinsätzen: Die Brüder kennen die Abläufe und haben ihre Routinen entwickelt. „So ein Großturnier bedeutet für die Schiedsrichter 24 Stunden Handball“, beschreibt Suresh Thiyagarajah. „Jeder Tag beginnt mit einer Analyse und dann geht es in die Halle – entweder für ein Spiel oder als Reserve auch für mehrere Spiele. Zwischendurch versuchen wir, eine Trainingseinheit zu integrieren; abends gibt es dann erneut eine Besprechung und eine weitere Analyse.“

Wenn man so ein Turnier das erste Mal erlebt, sei es „intensiv, aber da wir es im Nachwuchsbereich über die letzten Jahre erlebt haben, haben wir eine Routine“, so Suresh Thiyagarajah weiter. „Das wird uns helfen, auch wenn die Weltmeisterschaft vom Spielniveau und der Professionalität noch einmal ein neues Level ist.“

Wann die Brüder das erste Mal zum Einsatz kommen, war am Donnerstagmorgen noch offen; der Weltverband IHF veröffentlicht die Nominierungen für den Spieltag immer gegen Mittag. Thiyagarajah/Thiyagarajah hoffen, möglichst lange in den Niederlanden bleiben zu dürfen. Suresh Thiyagarajah: „Wir wollen natürlich möglichst bis zum Schluss dabei bleiben. Das ist sicherlich das Ziel, aber das hängt von so vielen Faktoren ab. Wie finden wir ins Turnier? Welche Spiele bekommen wir? Und wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft?“

Dass den deutschen Schiedsrichtern die „echte“ Erfahrung einer Heim-Weltmeisterschaft verwehrt bleibt, weil sie an den nicht-deutschen Spielorten eingesetzt werden, ist für die Brüder Nebensache. Natürlich wäre es etwas Besonderes gewesen, „die deutschen Spiele zu sehen und auch die Stimmung in den deutschen Hallen zu erleben, aber in den Niederlanden wird es mit der niederländischen Nationalmannschaft auch coole und laute Spiele geben – da freuen wir uns drauf.“

Neben Thiyagarajah/Thiyagarajah ist der Deutsche Handballbund auch auf Delegiertenebene vertreten: Jutta Ehrmann, Leiterin Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund, Kay Holm, Leiter Lehre im Schiedsrichterwesen, und der frühere Spitzenschiedsrichter und Olympia-Referee Lars Geipel sind nominiert. Auch sie hatten am ersten Spieltag (Mittwoch) noch Pause; Ehrmann, Holm und Geipel warten wie die Brüder Thiyagarajah jeweils auf ihren ersten Einsatz.

Das deutsche Quintett könnte dabei eine Technik-Premiere hautnah miterleben: Bei der Weltmeisterschaft der Frauen werden die Schiedsrichter*innen nach einem Videobeweis ihre Entscheidung erstmals per Durchsage in der Halle erklären. Es ist ein weiterer Schritt in der technischen Entwicklung rund um die Unparteiischen.

Im American Football und im Fußball ist diese Technik bereits Usus, nun zieht der Handball nach. „Für die Fans ist das natürlich eine tolle Sache, allerdings ist es ein zusätzlicher Druck, dem man die Schiedsrichter aussetzt“, sagte Ehrmann vor dem Turnierstart dazu. „Der Puls steigt ohnehin, wenn man zum Videobeweis geht und seine Entscheidung überprüft und nach Ansicht der Bilder eventuell revidiert – und jetzt müssen sie das vor tausenden Zuschauern in der Halle noch begründen.“

Es sei daher wichtig, „dass wir dafür Standards haben und die Schiedsrichter mental auf dieses Thema gut vorbereiten“, so die Schiedsrichter-Chefin weiter. Das geschah unter anderem auf dem Vorbereitungslehrgang der Unparteiischen und Delegierten vor dem Turnierstart. Auch bei der Männer-Europameisterschaft im Januar, wo das deutsche Top-Gespann Robert Schulze/Tobias Tönnies im Einsatz sein wird, wird die neue Technik eingesetzt.

Ob die Durchsagen nach einem Videobeweis auch in der Handball-Bundesliga eingeführt werden, hält Ehrmann bewusst offen. „Wir werden uns die beiden Großturniere anschauen und dann aus der Erfahrung heraus und in enger Abstimmung mit dem Ligaverband entscheiden“, hält die Schiedsrichter-Chefin fest. Der Videobeweis an sich kommt in der 1. Männer-Bundesliga seit 2023 zum Einsatz.