Freiwurfausführung während eines Vorwarnzeichens
Diese „Großzügigkeit“ findet ihre Grenzen, wenn die ausführende Mannschaft für ihren Rückraumschützen eine sogenannte „Mauer“ stellt. Spätestens dann stehen die absolut korrekte Ausgangsstellung aller Beteiligten und deren regelgerechtes Verhalten während der Wurfausführung für die Schiedsrichter im Vordergrund. Dies gilt umso mehr bei einer Freiwurfausführung während eines Vorwarnzeichens.
Im heutigen Videobeispiel liegt eine derartige Spielsituation vor, sodass es uns möglich ist, auf die wesentlichen Beobachtungs- und Ausführungsmerkmale sowie das geeignete Stellungsspiel hinzuweisen.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Die Bestimmungen der Regel 13:6 einschließlich der im entsprechenden Kommentar enthaltenen Hinweise zur Toleranz bestimmen grundsätzlich den Ort einer Freiwurfausführung. Regel 13:7 beschreibt das regelgerechte Verhalten der Angreifer vor und während der Ausführung eines Freiwurfs. Schließlich ist das korrekte Verhalten der Abwehrspieler in Regel 13:8 niedergelegt. Konkretisiert werden diese Bestimmungen durch die allgemeinen Anweisungen zur Ausführung der Würfe in Regel 15. Hinsichtlich des regelgerechten Verhaltens der ausführenden Spieler geben die Regeln 15:1 und 15:2 näheren Aufschluss. Während Regel 15:3 ergänzende Hinweise für das Verhalten der Mitspieler des Werfers bereithält, nimmt Regel 15:4 das regelgerechte Verhalten der Abwehrspieler ins Visier.
Im Videobeispiel korrigiert der Feldschiedsrichter gemäß Regel 13:7 die regelwidrige Ausgangsposition der angreifenden Spielerinnen, die teilweise auf der Freiwurflinie stehen. Die gemäß Regel 13:8 ebenfalls regelwidrige Ausgangsstellung der abwehrenden Spielerinnen wird jedoch nicht korrigiert. Gerade bei einer Freiwurfausführung während eines Vorwarnzeichens müssen die Schiedsrichter für „Chancengleichheit“ sorgen. Für die angreifende Mannschaft ist in einer Situation, in der die Abwehr aus einer ruhenden Position agieren muss, der regelgerechte Abstand zur ausführenden Spielerin von besonderer Bedeutung.
Stehen die Abwehrspieler zu nahe, können sie früher die Angriffsaktion regelwidrig stören und für den Ballverlust der angreifenden Mannschaft sorgen. Selbst ein erneuter Freiwurf ist in Situationen, in denen das Vorwarnzeichen angezeigt ist, ein deutlicher Nachteil für das angreifende Team. Meist ist durch das regelwidrige Verhalten der Abwehr einer der möglichen Pässe oder aber der mögliche Torwurf wirkungslos verpufft.
Abhilfe schafft in derartigen Fällen ein optimiertes Stellungsspiel, das eine diagonale Sicht auf die Gesamtsituation ermöglicht. So kann die korrekte Ausgangsstellung aller Beteiligten mit einem Blick beurteilt werden. Darüber hinaus ermöglicht diese Position auch die Beobachtung des korrekten Verhaltens aller Beteiligten während der Wurfausführung. Die Frage, ob sich die Abwehr gemäß Regel 15:4 Abs. 1 zu früh aus der vorgeschriebenen Position löst, kann ebenso sicher beurteilt werden wie die Frage, ob die Mitspieler des Werfers die Bestimmungen der Regel 15:3 einhalten.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.