Fehler der angreifenden Mannschaft bei der Wurfausführung

Freiwürfe sind und bleiben immer noch die häufigsten Entscheidungen der Schiedsrichter. Daher ist neben der regelgerechten Entscheidung auf Freiwurf auch auf die anschließend korrekte Ausführung zu achten. Hier drei Beispiele.

Video 1

Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff. Die Spielzeit war unterbrochen. Die Spielfortsetzung ist Freiwurf für Mannschaft SCHWARZ. SCHWARZ 11 hat vor der Ausführung des Freiwurfs die richtige Position eingenommen, und der Ball befindet sich in der Hand des Werfers. Zur Wiederaufnahme muss das Spiel nach einem Time-out angepfiffen werden. Nachdem die Schiedsrichterin das Spiel wieder angepfiffen hat, prellt SCHWARZ 11 den Ball auf den Boden. Die Schiedsrichterin entscheidet daher auf Freiwurf gegen Mannschaft SCHWARZ.

Video 2

Mannschaft GELB befindet sich im Angriff, und die Schiedsrichter haben auf Freiwurf für Mannschaft GELB entschieden. Die Spielzeit wurde nicht angehalten. Spielerin GELB 25 geht mit dem Ball zum Ausführungsort und übergibt dabei den Ball an ihre Mitspielerin GELB 7 zur Ausführung, da Mannschaft GELB eine Mauer bilden möchte. Ohne dass der Wurf angepfiffen war, entscheidet der Schiedsrichter plötzlich auf Freiwurf gegen Mannschaft GELB.

Video 3

Mannschaft WEISS ist im Angriff, und die Schiedsrichter haben auf Freiwurf für Mannschaft WEISS in der Spielfeldmitte entschieden. Der ausführende Spieler steht mit dem Ball in der Hand an der richtigen Position. Da der Spieler die Wurfausführung verzögert, pfeift der Schiedsrichter den Freiwurf an. Danach kommt ein Mitspieler angelaufen, dem er dann den Ball übergibt. Die Schiedsrichter entscheiden dann auf Freiwurf gegen Mannschaft WEISS.

DIE REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM SCHIEDSRICHTERWESEN DES DHB

Folgende Verhaltensregeln für die Schiedsrichter gelten bei Freiwurfausführungen:

  1. Fehler der Angreifer vor der Wurfausführung müssen zunächst immer korrigiert werden. Eine Ausnahme stellt die Situation dar, in der der ausführenden Mannschaft ein Nachteil entsteht, z. B. durch einen Ballverlust nach einem Fehlpass nach falscher Aufstellung (z. B. Überschreitung des Toleranzbereiches). Hier muss der Schiedsrichter die Wirkung des Freiwurfs abwarten und nur dann korrigieren, wenn der abwehrenden Mannschaft ein Nachteil (z. B. klare Torgelegenheit) entsteht.
  2. Nach einer Korrektur muss der Freiwurf immer angepfiffen werden.
  3. Nach einer Korrektur darf erst dann angepfiffen werden, wenn der ausführende Spieler den Ball in Händen hat.
  4. Alle Fehler von Werfer und Mitspielern nach dem Anpfiff müssen mit Freiwurf für die gegnerische Mannschaft geahndet werden.

Wichtig

Konsequenzen aus Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung sind also davon abhängig, ob der Wurf angepfiffen war oder nicht.

Diese Differenzierung gilt jedoch nicht in den Fällen von Regel 15:8 (z. B. der Werfer berührt den Ball ein zweites Mal, bevor dieser einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat, er prellt ihn oder legt ihn auf den Boden und nimmt ihn wieder auf). Hier ist sofort auf Freiwurf für den Gegner zu entscheiden.

Nun zur Auflösung

Im ersten Beispiel (Video 1) hat der Feldschiedsrichter den Freiwurf angepfiffen. Daher ist die Entscheidung der Schiedsrichter korrekt.

Hinweis: Die Entscheidung auf Freiwurf gegen die angreifende Mannschaft wäre aber auch ohne Anpfiff des Freiwurfs erforderlich gewesen.

Im zweiten Beispiel (Video 2) hat der Feldschiedsrichter den Freiwurf nicht angepfiffen. Daher ist die Entscheidung auf Freiwurf gegen Mannschaft GELB nicht korrekt. Die Ausführung hätte korrigiert werden müssen. Die korrekte Entscheidung wäre hier gewesen: Korrektur, Freiwurf mit Anpfiff.

Im dritten Beispiel (Video 3) hat der Schiedsrichter den Wurf angepfiffen. Daher ist hier die Ballübergabe regelwidrig und damit die Entscheidung auf Freiwurf gegen Mannschaft WEISS korrekt.

Fazit

Kenntnis der Regel 15:7 bei der Ausführung von Freiwürfen ist zwingend notwendig.