Falscher Abwurf

Erneut haben wir Gelegenheit, uns mit den Regelbestimmungen zum Abwurf zu befassen.

Dieses Mal ist es der Torwart, der den Abwurf nicht korrekt ausführt. Für einige Spieler führen die einschlägigen Regelbestimmungen offensichtlich zu einer nicht sofort verständlichen Spielfortsetzung.

Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:

Im Videobeispiel kann man erkennen, dass es dem Torwart gelingt, einen Rückraumwurf des gegnerischen Teams zu blocken und danach im Torraum unter Kontrolle zu bringen. Mit dem gefassten Ball macht er dann an der Torraumlinie nach einem Sprung zwei Schritte zur Seite, um den Block des Abwurfs durch einen Abwehrspieler zu vermeiden.

Im weiteren Verlauf springt er mit dem gefassten Ball erneut im Torraum ab, um einen Abwurf zu einem Mitspieler durchzuführen. Aber auch diese Absicht schlägt fehl, da der Passempfänger ebenfalls abgedeckt ist. Der Torwart überquert somit in der Luft mit dem gefassten Ball die Torraumlinie und führt, ebenfalls noch in der Luft, einen Pass zu seinem Mitspieler an der eigenen Freiwurflinie aus.

Die Schiedsrichter entscheiden zur Verwunderung von Freund und Feind regelgerecht auf Wiederholung des Abwurfs. Dabei hatten sie sicherlich die folgenden Bestimmungen vor Augen:

  • Der Torwart darf den Abwurf auch im Sprung ausführen. Gemäß den Bestimmungen der Regel 15:1 Abs. 2 muss der Werfer bei einem Abwurf (und dies muss regeltechnisch immer der Torwart sein – siehe auch Regel 12:2 Abs. 2) nicht ununterbrochen mit einem Fuß den Boden berühren.
  • Der Abwurf wird vom Torwart aus dem Torraum über die Torraumlinie ausgeführt (siehe Regel 12:2 Abs. 1).
  • Der Abwurf gilt als ausgeführt, wenn der vom Torwart gespielte Ball die Torraumlinie vollständig überquert hat (siehe auch Regel 12:2 Abs. 3).
  • Dem Torwart ist es nicht gestattet, mit dem unter Kontrolle gebrachten Ball den Torraum zu verlassen (siehe Regel 5:6, erster Satzteil).
  • Ein nicht angepfiffener regelwidriger Abwurf (im Videobeispiel der Fall) ist gemäß den Bestimmungen der Regel 5:6, zweiter Satzteil mit Anpfiff (siehe auch Regel 15:7 Abs. 2) zu wiederholen.

Glücklicherweise konnte der Schiedsrichter den irritierten Beteiligten seine regelgerechte Entscheidung zur Spielfortsetzung (Wiederholung des Abwurfs mit Anpfiff) souverän erläutern, sodass das Spiel nach dem zwingend vorgeschriebenen Pfiff gemäß Regel 15:5b zügig fortgesetzt werden konnte.

Ergänzende Hinweise

Wäre die fehlerhafte Abwurfausführung nach einem Anpfiff erfolgt, hätte der Schiedsrichter auf Freiwurf für die nicht fehlbare Mannschaft entscheiden müssen (siehe auch Regel 5:6, erster Satzteil).

Wenn der Torwart den Ball beim fehlerhaften Abwurf verliert und der Ball von einem gegnerischen Spieler aufgenommen wird, ist auf Vorteil zu entscheiden und die gegnerische Mannschaft kann ohne weitere Spielunterbrechung weiterspielen (siehe auch Regel 5:6, dritter Satzteil und Regel 15:7 Abs. 2).