In der Saison 2012/13: Lars Geipel im Gespräch mit Thierry Omeyer (Bild: IMAGO/Oliver Ruhnke)
Für die heutigen Bundesliga-Schiedsrichter ist der Einsatz des Headsets Normalität. „Der moderne Handball ist ohne den Einsatz von Headsets nicht mehr vorstellbar", betonte auch Jutta Ehrmann-Wolf, die Schiedsrichter-Chefin des Deutschen Handballbunds, kürzlich. „Es ist eine Technologie, die im Profibereich zur Unterstützung der Schiedsrichter unverzichtbar geworden ist."
Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Lars Geipel, der gemeinsam mit Marcus Helbig jahrelang das deutsche Topteam bildete, erinnert sich jedoch noch an eine Zeit ohne die Funkunterstützung. Ihr erstes Bundesligaspiel mit Headset pfiff das Duo erst acht Jahre nach ihrem Aufstieg in den Elitekader – im Jahr 2009, HSV Handball gegen MT Melsungen. „Bei der IHF haben wir schon 2007 bei der Handball-WM der Frauen in Frankreich mit Headset gepfiffen", erinnert sich Geipel.
Als das Headset damals in Deutschland eingeführt wurde, mussten sich Geipel/Helbig ebenso wie ihre Kollegen an die Technik gewöhnen – und so geht es auch heute immer wieder Unparteiischen in den Landesverbänden, den Regionalligen oder nach dem Aufstieg in den Deutschen Handballbund. Denn erhalten Schiedsrichter-Teams das erste Mal ein Headset, ist es – so hört man es immer wieder von Unparteiischen – zunächst schwierig.
War die Kommunikation mit dem Partner vorher nur optisch durch kleine Gesten und Augenkontakt möglich, kann man sich plötzlich direkt austauschen. Bis man gelernt hat, diese Möglichkeit effizient einzusetzen, kostet der neue Kanal Konzentration, die beim Spielgeschehen fehlt.
„Sprich nur, wenn es nötig ist, um die Kommunikation übersichtlich zu halten", rät Geipel daher für den Einstieg (siehe unten/5. Tipp). Und, auch das ist elementar: So groß die Unterstützung auch sein mag – das Headset alleine macht keinen Schiedsrichter besser. „Ein Headset ersetzt nicht die Qualität der Schiedsrichter", betonte auch Top-Schiedsrichter Tobias Tönnies, am „Tag des Schiedsrichters" im November. „Es hilft dir aber, das Spiel gemeinsam zu meistern und knifflige Situationen zu lösen."
Aber auch das gehört zur Wahrheit: Manchmal streikt die Technik – und dann muss es auch in der Spitze wieder mit den „alten" Handzeichen gehen. „2019 ist beim Spitzenspiel Füchse Berlin gegen THW Kiel unser Headset komplett ausgefallen", erinnert sich Geipel. „Das war eine Katastrophe, da es ein sehr schwer zu leitendes Spiel mit vielen engen Entscheidungen war – und da wir gewohnt waren, viel über das Headset zu kommunizieren und uns ständig auszutauschen, war das ein großer Nachteil." Heute kann er über diese Anekdote schmunzeln, doch in den 60 Minuten war es „eine immense Herausforderung".
Teste das Gerät vor dem Spiel: Stelle sicher, dass du mit den Funktionen des Headsets vertraut bist und es korrekt funktioniert. Teste die Lautstärke, die Verbindung und die Sprachqualität.
Vor dem Spiel aufladen: Überprüfe den Akkustand des Headsets, um sicherzustellen, dass es während des gesamten Spiels betriebsbereit ist. Ein Ersatzgerät oder Powerbank im Gepäck kann hilfreich sein.
Sitz richtig einstellen: Achte darauf, dass das Headset sicher und bequem sitzt, sodass es während des Spiels nicht verrutscht oder stört. Ein fester Sitz ist besonders wichtig bei schnellen Bewegungen.
Kurze und präzise Ansagen: Nutze klare und einfache Worte, um Missverständnisse zu vermeiden. Lange Erklärungen könnten während eines Spiels zu Verzögerungen führen.
Nur relevante Informationen teilen: Sprich nur, wenn es nötig ist, um die Kommunikation übersichtlich zu halten. Vermeide unnötige Gespräche während kritischer Spielsituationen. Lege mit deinem Schiedsrichterteam vorab einheitliche Begriffe oder Codes fest, um bestimmte Situationen schneller zu kommunizieren (z. B. „Siebenmeter“ oder „Einwurf blau“).
Gute Balance finden: Die Lautstärke sollte so eingestellt sein, dass du deine Kollegen gut hörst, ohne von Umgebungsgeräuschen abgelenkt zu werden. Zu laute Kommunikation kann dich und andere irritieren. Auch äußere Einflüsse – wie laute Zuschauer in der Halle – können die Kommunikation beeinträchtigen. Halte das Mikrofon daher nah am Mund, um klar verständlich zu bleiben.
Feedback einholen: Besprich nach dem Spiel, wie gut das Headset funktioniert hat, ob die Kommunikation reibungslos war und wo Verbesserungen möglich sind.