Jutta Ehrmann-Wolf (Foto: Uros Hocevar/kolektiff Images)
„Eine Wertschätzung“: Jutta Ehrmann-Wolf über das Programm „Breite trifft Spitze“
Redaktion: Frau Ehrmann-Wolf, in der vergangenen Saison ging das das Programm „Breite trifft Spitze“ an den Start. Könnten Sie die Idee des Projekts kurz umreißen?
Ehrmann-Wolf: Wir haben in der vergangenen Saison bei verschiedenen Erst- und Zweitligaspielen der Männer sowie beim Haushahn Final4 der Frauen in Stuttgart einen Austausch von Basis-Schiedsrichtern mit unseren Spitzenteams organisiert. Die Veranstaltungen wurden auf Anhieb sehr gut angenommen!
Was heißt das konkret?
Allein bei der Veranstaltung in Leipzig hatten wir beispielsweise 150 Teilnehmer, in Berlin und in Stuttgart waren jeweils über 100 Schiedsrichter dabei. Auch die Teilnehmerzahlen bei den anderen Events an verschiedenen Standorten, die wir im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe in den vergangenen Monaten durchgeführt haben, waren – obwohl teilweise kurzfristig organisiert – sehr zufriedenstellend. Ich glaube, dass diese Plattform eine schöne Wertschätzung für unsere Basisschiedsrichter darstellt und wir ihnen so für ihren Einsatz etwas zurückgeben können. Wir wollen diese Veranstaltungen in der kommenden Saison forcieren.
Wie genau läuft so ein Austausch ab?
Die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter werden über ihre Landes-, Bezirks- und Kreisverbände eingeladen und können kostenfrei das jeweilige Spiel besuchen. Im Anschluss findet ein aktiver Austausch mit dem Schiedsrichterteam statt, welches die Partie geleitet hat. Die Basis-Schiedsrichter können in diesem Rahmen beispielsweise Fragen stellen. Und wenn ein Delegierter angesetzt ist, nimmt er auch teil.
Welche Ihrer Schiedsrichter waren bei den Veranstaltungen von „Breite trifft Spitze“ beispielsweise bereits eingebunden?
Die Schiedsrichterteams kamen bisher alle aus dem Elite- oder dem Eliteanschlusskader: Robert Schulze und Tobias Tönnies, Nils Blümel und Jörg Loppaschewski oder zum Beispiel Fabian Baumgart und Sascha Wild beim Final-Four-Turnier der Frauen in Stuttgart.
Sie sagten eben, das Programm solle forciert werden. Wann geht es weiter?
Unsere erste Veranstaltung von „Breite trifft Spitze“ wird anlässlich der Saisoneröffnung der LIQUI MOLY HBL in Düsseldorf stattfinden. Die HBL hat alle Schiedsrichter des neugegründeten Handballverband Nordrhein eingeladen und wir haben bereits über 750 Anmeldungen. Auch die benachbarten Verbände Westfalen und Rheinland sind eingeladen, sodass wir insgesamt über 1.000 Schiedsrichter haben werden. Das wird wie ein großes Familientreffen, auf das ich mich sehr freue!
Wie soll der aktive Austausch zwischen Breite und Spitze in diesem großen Rahmen noch möglich sein?
Es stimmt, das übliche Meet&Greet wird bei der Teilnehmerzahl ein bisschen komplizierter (lacht). Dennoch wollen wir den angemeldeten Schiedsrichtern die Möglichkeit für ein kurzes Gespräch oder ein Selfie mit Robert Schulze und Tobias Tönnies geben, die den Supercup leiten werden. Ich werde nicht am Tisch sitzen, sondern mir die Zeit für unsere Gruppe nehmen und mit Kay Holm und Marc Fasthoff wird das Leitungsgremium komplett vor Ort sein. Wir wollen in Kontakt mit den Schiedsrichter-Kollegen unserer Basis kommen.
Werden die Events von „Breite trifft Spitze“ in Zukunft alle so groß?
Das Event in Düsseldorf hat eine eigene Dimension und wird vorerst einen Rekord darstellen. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung der HBL. Ich hatte das Programm „Breite trifft Spitze“ auf der HBL-Ligatagung vorgestellt und den bisherigen Erfolg der Veranstaltungsreihe betont. Frank Bohmann hat uns daraufhin zum Supercup eingeladen. Das freut uns natürlich, denn das ist eine große Wertschätzung für die an der Basis im Schiedsrichterwesen arbeitenden Menschen.
Warum ist das Programm „Breite trifft Spitze“ für Sie so wichtig?
Der Schiedsrichtermangel in der Breite ist eins unserer größten Probleme. Wenn wir das nicht in den Griff kriegen, haben wir irgendwann keine Spitzenschiedsrichter mehr, denn das beeinflusst sich nun einmal gegenseitig. Man sieht an den aktuellen Zahlen deutlich einen Corona-Einbruch.
„Breite trifft Spitze“ spricht aber bereits aktive Schiedsrichter an. Dadurch wird aber zunächst einmal kein neuer Schiedsrichter gewonnen …
Natürlich ist die Gewinnung von neuen Schiedsrichtern ein wichtiger Baustein, aber wir dürfen auch die bereits aktiven Schiedsrichter nicht vergessen. Wir wollen ihnen zeigen, dass ihr Einsatz nicht unbemerkt bleibt. Es ist für mich eine Frage der Wertschätzung, die Schiedsrichter ja sonst eher selten erfahren. Wir haben aber auch über das Programm „Breite trifft Spitze“ hinaus ein Maßnahmenpaket beschlossen, um dem Schiedsrichtermangel entgegenzutreten und ich weiß, dass auch in den Landes- und Kreisverbänden rührig an diesem Thema gearbeitet wird.
Was umfasst das Maßnahmenpaket beispielsweise?
Wir hatten im Juni eine große Veranstaltung mit den Vertretern der Landesverbände, wo wir das Problem thematisiert haben und zum Beispiel über Best-Practice-Beispiele Lösungswege aufgezeigt haben. Ein großes notwendiges Drehrad ist sicherlich auch die Imageverbesserung. Wir wollen, dass die Schiedsrichter nicht als Regelpolizisten, sondern als Teil des Spiels dargestellt werden. Wir sind bereits dran, die Dinge nach vorne zu peitschen, aber es wird auch in der neuen Saison ein Schwerpunktthema sein.