Foto: privat

Eine ungewöhnliche Spielfeldmarkierung

Blickt man auf die Markierungen des Handballfeldes im Foto oben, ist man zunächst etwas irritiert. Was stört an diesem roten Linienensemble? Es ist die Freiwurflinie, die tatsächlich – wie auch die Torraumlinie – an der Torauslinie endet!

Die Ursache

Das Spielfeld ist nicht 20, sondern 22 Meter breit. Das schafft den Platz, um die beiden Viertelkreise der Freiwurflinie mit 9 Metern Radius rechts und links der beiden Torpfosten voll auszugestalten. Es bleiben sogar immer noch je 50 cm bis zur jeweiligen Seitenlinie übrig.

Aber ist diese Spielfeldmarkierung regelgerecht?

Wir alle sind im Meisterschaftsspielbetrieb seit vielen, vielen Jahren an eine rechteckige Spielfläche von 20 m Breite und 40 m Länge gewohnt, die zwei Torräume und ein Spielfeld umfasst. So jedenfalls steht es auch in der Regel 1:1 Abs. 1 der internationalen Handballregeln.

Entwicklung der Regelbestimmungen zur Spielfläche

Obwohl schon mit der Regelausgabe von 1948 als wünschenswerte Spielfläche beschrieben (siehe Tabelle unten), ...

Spielfeldskizze aus dem Jahr 1948

Vor 70 Jahren sah das Handballspielfeld noch anders aus, wie die Spielfeldskizze für Hallenhandball aus dem Jahr 1948 zeigt.

... ist die heute übliche Größe der Spielfläche von 20 mal 40 Metern erst mit der Regeländerung zum Juli 1975 als Standardmaß festgeschrieben worden.

Die zuvor in vielen Leistungsbereichen noch möglichen abweichenden Maße (18–22 m Breite und 40–44 m Länge) waren von da an nur noch im Ausnahmefall regelkonform.

Die Spielfläche im Handball – Entwicklungen in den letzten 70 Jahren

Regelausgabe Auszüge aus der Regel 1:1
1948 Das Spielfeld ist ein Rechteck von etwa 30–50 m Länge und 15–25 m Breite (wünschenswerte Maße 20 mal 40 m).
1961 Das Spielfeld ist ein Rechteck von etwa 30–50 m Länge und 15–25 m Breite. Bei internationalen Spielen betragen die Maße 38–44 m Länge und 18–22 m Breite.
1965 Das Spielfeld ist ein Rechteck von etwa 38–44 m Länge und 18–22 m Breite.
November 1969 Das Spielfeld ist ein Rechteck von etwa 38–44 m Länge und 18–22 m Breite. Die Spielfeldgröße bei Weltmeisterschafts- und Europa-Cup-Spielen muss mindestens 40 m Länge und 20 m Breite betragen. Für den Bereich des DHB: Bundesliga.
Juli 1975 Die Spielfläche, die ein Spielfeld und zwei Torräume umfaßt, ist ein Rechteck von 40 m Länge und 20 m Breite. In Ausnahmefällen dürfen die Maße 38–44 m Länge und 18–22 m Breite betragen.
Bei offiziellen IHF-Spielen muß die Spielfläche 40 x 20 m messen.
Im Bereich des DHB muß bei den Spielen der Bundesliga die Spielfeldfläche 40 x 20 m messen.
1981 Die Spielfläche ist ein Rechteck von 40 m Länge und 20 m Breite und umfaßt ein Spielfeld und zwei Torräume.
Nur gültig für den Bereich des DHB:
Die Landesverbände können in ihrem Bereich für die Größe der Spielfläche abweichende Bestimmungen treffen.
Juli 2016 Die Spielfläche ist ein Rechteck von 40 m Länge und 20 m Breite und umfaßt zwei Torräume (Regel 1:4 und Regel 6) und ein Spielfeld.
Nur gültig für den Bereich des DHB:
Der DHB und seine Verbände können in ihren Bereichen abweichende Bestimmungen für die Größe der Spielfläche treffen.

Bereits mit dem 1981 gültigen Regelwerk waren die „Von-bis-Maße“ passé. Es wurde den Landesverbänden für ihren Bereich jedoch zugestanden, abweichende Bestimmungen für die Größe der Spielfläche zu treffen.

Ein Blick in das aktuelle Regelwerk 2016 zeigt, dass es zur Regel 1:1 immer noch eine – nur für den Bereich des DHB gültige – Sonderregelung gibt. Sie lautet: „Der DHB und seine Verbände können in ihren Bereichen abweichende Bestimmungen für die Größe der Spielfläche treffen.“

Fazit

Also könnte in dieser Sporthalle …?

Ja, die auf dem Foto oben gezeigte Sporthalle kann nicht nur zu Trainingszwecken genutzt werden. Sind entsprechende abweichende Bestimmungen vom zuständigen Landesverband getroffen, kann sie auch zur Durchführung von Meisterschaftsspielen in den vom Beschluss erfassten Ligen des zuständigen Verbandes genutzt werden.