Quelle: DHB
Eine schwierige Situation richtig lösen
Ein wesentliches Kriterium für die (gute) Spielleitung ist das Auftreten, das Verhalten und die Präsenz als Schiedsrichter auf dem Spielfeld bis zum Spielende.
Wie gehe ich in eine Situation rein, mit welcher Körpersprache und mit welchem Auftreten und Verhalten löse ich beispielsweise eine kritische Situation?
Was im Video geschieht
Es ist kurz vor Spielende und es steht 32:28 für Mannschaft ROT (Heimmannschaft). ROT 33 geht in die Deckung und wird durch GELB 11 festgemacht und anschl. noch unfreiwillig zur Seite gehoben. Die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf für Mannschaft ROT. Es ertönt das Schlusssignal und anschl. entwickelt sich zuerst ein Wortgefecht zwischen GELB 11 und ROT 13 und im Weiteren dann noch zwischen den beiden Protagonisten GELB 11 und ROT 33. Der Feldschiedsrichter hat die Situation erkannt und trennt zunächst die beiden Spieler. Während der Torschiedsrichter zur Unterstützung nach vorne kommt und sich um die Angriffsspieler von Mannschaft ROT kümmert, hält der Feldschiedsrichter Spieler GELB 11 auf Distanz. Nachdem sich die Lage beruhigt hat, pfeift der Schiedsrichter den Freiwurf an und der ausführende Spieler lässt den Ball fallen und das Spiel ist zu Ende.
REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM DHB-SCHIEDSRICHTERWESEN
Die Schiedsrichter haben die Situation sehr gut gelöst. Durch ihr ruhiges und sicheres Auftreten haben sie die Situation sowie die Emotionen schnell beruhigt und unter Kontrolle gebracht, es ist nicht eskaliert. Das sichtbare, positive Ergebnis ihres Einsatzes ist die unspektakuläre Ausführung des Freiwurfes sowie das Verhalten (Shakehands sowie Umarmungen) von Spielern beider Mannschaften nach Spielende. Positiv hervorzuheben ist auch die Teamarbeit sowie die Aufteilung.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob der Feldschiedsrichter den Spieler GELB 11 so berühren bzw. anfassen musste. Ja, grundsätzlich sollte man den Kontakt/Berührungen vermeiden bzw. Spieler nicht anfassen. Aber der Erfolg gibt dem Schiedsrichter in dieser Situation recht. Denn es kommt zum Abschluss der Ansprache noch zum Handschlag zwischen Spieler und Schiedsrichter (ein positives Signal!). Der Appell sowie die Art und Weise, wie er es gemacht hat, hat deutlich gewirkt; und darauf kommt es an. Nicht die Autorität (der Regelpolizist) war gefordert, sondern Empathie und Persönlichkeit.
Das heißt aber nicht, dass das in anderen, ähnlichen Situationen auch so funktioniert. Es gibt kein Allheilmittel, kein Schema F. Jeder Spieler/Offizielle ist anders und benötigt situativ auch eine andere Ansprache. Grundsätzlich sollte man auch den Abstand zum Spieler/Offiziellen wahren bzw. diese nicht anfassen.
Fazit
Manche Situationen kann und sollte der Schiedsrichter nicht mit einer Strafe ahnden bzw. lösen. Hier war der beruhigende, besänftigende Einsatz der Schiedsrichter mehr Wert und hat dann noch abschließend zu sportlich fairen Gesten geführt.
Das richtige Verhalten und die richtigen Maßnahmen für die jeweilige Situation zu finden, ist der Schlüssel zum Erfolg.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.