Anna Shcherbyna und Volodymyr Filonenko (Foto: Julia Nikoleit)
Cristina Fernandez-Pineiro hat auch ohne den Blick auf ihren Gespannpartner eine außergewöhnliche Karriere hinter sich. 27 Jahre lang war die Spaniern als Schiedsrichterin aktiv, pfiff von 1988 bis 2007 sogar in der Liga Asobal, der höchsten spanischen Liga – sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Die heutige Delegierte des europäischen Handballverbandes IHF pfiff ab 1991 als erste Frau international und kam sechs Jahre später ebenfalls erste Frau bei einer Weltmeisterschaft zum Einsatz.
Fernandez-Pineiro war dabei immer buchstäblich die erste Frau, denn ihr Gespannpartner war ein Mann. „Aufgrund der Tatsache, dass ich keine Schiedsrichterpartnerin zur Verfügung hatte, starte ich meine Karriere mit einem männlichen Kollegen“, erklärt sie lapidar. Sogar einen Partnerwechsel überstand ihre Laufbahn.
„Wir wurden sehr schnell in der höchsten spanischen Männerliga akzeptiert“, erinnert sich die heute 60-Jährige. „Es gab keine Akzeptanzprobleme, obwohl es schon sehr lange her ist, es war ja schließlich in den Neunziger Jahren.“ Dass sie zusammen mit einem Mann pfiff, war für sie Fernandez-Pineiro das entscheidende Kriterium: „Für mich hat das nie eine Rolle gespielt, mir ging es immer um unser Team und unsere Leistungen.“
Mit dieser Karriere war und ist Fernandez-Pineiro ein Einzelfall. Frau-Mann-Gespanne gibt es aktuell auf höchster internationaler Ebene nicht. Auch in Deutschland finden sich in den höchsten Kadern des Deutschen Handballbundes keine „gemischten“ Gespanne.
In den Landesverbänden kommt es hingegen durchaus vor, wie ein stichprobenartiger Blick zeigt: So führte der HV Niedersachen-Bremen in seinem Oberligakader der vergangenen Saison drei Frau-Mann-Gespanne; in Bayern und Hamburg kam im höchsten regionalen Kader jeweils ein „gemischtes“ Schiedsrichter-Team zum Einsatz.
Wie das Beispiel von Fernandez-Pineiro zeigt, können gemischte Teams durchaus eine Chance darstellen. Fehlt für eine ambitionierte Schiedsrichterin oder einen ambitionierten Schiedsrichter ein passender Gespannpartner desselben Geschlechts für einen Weg nach oben, ließe sich so eventuell eine Lösung finden, bevor beide entmutigt aufhören. Auch für Geschwister wäre es eine Option.
Eine Richtlinie von oben, die „gemischten“ Schiedsrichter-Teams entgegenstünde, gibt es nicht, wie Jutta Ehrmann-Wolf klarstellt. „Wir brauchen gute Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter und wenn zwei davon ein gutes Team bilden, dann ist es doch nicht entscheidend, ob es „gemischt“ ist“, so die Leiterin Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund, die zudem mit Blick auf die Sichtung für die überregionale Ebene betont: „Selbstverständlich wäre dies [ein gemischtes Schiedsrichter-Team zu sein, Anm. d. Red.] kein Ausschlusskriterium.“
Der Beachhandball ist an dieser Stelle einen Schritt weiter: Im Anschlusskader des DHB steht in Lena Gehrckens/Edgar Rot ein Team; Jessica Kirsten/Martin Bilski gehören dem Stammkader an. Und international bilden unter anderem die Ukrainer Anna Shcherbyna und Volodymyr Filonenko ein Team; sie waren bei der U16-Europameisterschaft 2024 in Bulgarien im Einsatz.