Ein regelgerechtes Team-Time-out dauert 60 Sekunden
Im heutigen Videobeispiel hat diese Unsportlichkeit eine progressive Bestrafung des Mannschaftsverantwortlichen der fehlbaren Mannschaft zur Folge. Schließlich trägt dieses Verhalten dazu bei, dass das Spiel erst nach ca. 90 Sekunden wieder angepfiffen werden kann.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Gemäß den Bestimmungen der Regel 2:10 hat jede Mannschaft pro Halbzeit (ausgenommen der Verlängerungen) Anspruch auf ein Team-Time-out von einer Minute Länge. Der IHF-Hinweis zur Regel 2:10 gestattet es den nationalen Verbänden, die Anzahl der Team-Time-outs auf drei je Spiel (max. zwei in einer Halbzeit) zu erhöhen. Entsprechendes zum Ablauf und weiteren Besonderheiten zur Gewährung eines Team-Time-outs sind in der IHF-Erläuterung 3 niedergelegt.
Für den Bereich des DHB gibt es zudem die Besonderheit, dass die Landesverbände für ihren Bereich die Nichtanwendung der Regel 2:10 beschließen können. Eine entsprechende Rechtsgrundlage findet sich im § 87 Abs. 2 der Spielordnung.
Im vorliegenden Videobeispiel hatte die Mannschaft in den gelben Trikots ein Team-Time-out regelgerecht beantragt, was von den Schiedsrichtern auch bestätigt wurde. Wie im Video zu erkennen, orientieren sich die Spielerinnen in den gelben Trikots bereits wenige Momente vor dem Signal des Zeitnehmers nach 50 Sekunden (siehe auch IHF-Erläuterung 3 Abs. 7) in Richtung gegnerischer Freiwurflinie, um das Spiel wieder fortsetzen zu können. Selbst ein weiteres Signal zum Ablauf des Team-Time-outs nach 60 Sekunden (gelegentlich als automatisches Signal durch die Zeitmessanlage bzw. als Pfiff vom Zeitnehmer wahrzunehmen) kann die Mannschaft in den grünen Trikots nicht dazu bewegen, ihre Besprechung abzubrechen und zur Spielfortsetzung bereit zu sein. Das weitere Signal nach Zeitablauf des Team-Time-outs ist regeltechnisch zwar nicht zwingend vorgesehen; es hat sich als Orientierungshilfe für die Schiedsrichter jedoch bewährt. In unserem Videobeispiel bleiben all diese Bemühungen und die Hinweise des Schiedsrichters weiterhin ohne Wirkung.
Diese deutlich verspätete Spielbereitschaft hat der Schiedsrichter schließlich als unsportliches Verhalten bewertet und den Mannschaftsverantwortlichen des Teams mit den grünen Trikots progressiv (hier mit Verwarnung) bestraft.
Diese Regelauslegung ist keinesfalls eine Besonderheit im DHB-Spielbetrieb. Selbst die IHF hat in ihrem Event-Guide entsprechende Bestimmungen und Hinweise für Delegierte aufgenommen.
Derartige progressive Bestrafungen von Mannschaftsverantwortlichen sollten von den Schiedsrichtern jedoch nicht ohne entsprechende Vorwarnungen erfolgen (siehe auch im vorliegenden Beispiel). Der Mannschaftsverantwortliche wird eine persönliche Strafe sicher eher akzeptieren, wenn ihm klar ist, dass er zuvor die deutlichen Hinweise des Schiedsrichters geflissentlich missachtet hat.
Weitere Hinweise zum regelgerechten Verfahren beim Team-Time-out finden sich im HSR-Archiv (Ausgabe 4/2015, Seite 10 bis 15).
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.