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Ein besonderer Moment: Das erste Spiel
Worauf kommt es dabei an?
Spricht man mit erfahrenen Unparteiischen – egal, ob von der Bundesliga oder von der Basis – fällt auf: So besonders das erste Spiel mit 15, 16 oder 17 Jahren auch sein mag, manchmal ist die Erinnerung daran schon zehn Jahre später verblasst. Stattdessen bleiben andere Spiele im Gedächtnis haften und überschreiben die Erinnerung an den ersten Einsatz.
Das soll die Bedeutung des eigenen Debüts nicht schmälern. Es ist und bleibt ein besonderer Moment. Es ist jedoch eben nur der erste von vielen Einsätzen, und die Schiedsrichter-Laufbahn beginnt gerade erst. Entsprechend sollten diese ersten 40, 50 oder 60 Minuten nicht überbewertet werden. So überfordert sich ein junger Schiedsrichter auch fühlen mag – es wird (in der Regel) besser.
Der vielleicht wichtigste Merksatz: Fehler gehören dazu.
„Ich weiß selbst noch von früher, dass man gerade am Anfang als Schiedsrichter möglichst nichts falsch machen will“, erinnerte sich Ex-Bundesligaschiedsrichter Christian Hannes vergangenes Jahr am „Tag des Schiedsrichters“ (11. November) an die eigenen Anfänge. „Das wird nicht gelingen, aber das ist auch nicht schlimm. Fehler sind nicht schlimm.“
Daher muss kein junger Schiedsrichter Angst haben, dass ihm im ersten Einsatz Fehler unterlaufen. Das ist normal. Ein fehlerfreies Spiel gibt es nicht. Wichtig ist daher vielmehr, überhaupt Entscheidungen zu treffen. Sich zu trauen, laut in die Pfeife zu pusten und klar anzuzeigen, wie es weitergeht: Das erfordert gerade am Anfang Mut und vielleicht auch Überwindung.
Um mit dem noch unbekannten Druck einer Spielleitung, Aufregung oder Nervosität umzugehen, helfen zwei Dinge: Vorbereitung und Support. Am Vortag noch einmal die Halle und den Anfahrtsweg prüfen. Die gepackte Schiedsrichter-Tasche kontrollieren. Auch vor Ort noch einmal überprüfen, ob man wirklich alles dabeihat, bevor man das Spielfeld betritt: Pfeife, Kartensatz, Spielnotizkarte, Stift, Uhr. Das gibt Sicherheit.
Ebenso hilfreich: Unterstützung vor Ort durch den Schiedsrichterwart, einen erfahrenen Schiedsrichterkollegen aus dem eigenen Verein oder die Eltern bzw. Geschwister. So hat ein junger Schiedsrichter die Sicherheit, dass immerhin eine Person in der Halle auf seiner Seite ist und ihm den Rücken stärken wird.
Die Begleitung durch einen schiedsrichter-affinen Mentor ist dabei der Optimalfall und ggf. auch nicht verhandelbar. Bei der eigenen Familie oder bei Freunden kommt es vor allem auf den eigenen Wunsch an. Die Begleitung soll und darf kein zusätzlicher Stressfaktor sein, sondern muss dem Debütanten guttun.
Ob gegenüber den Trainern vor dem Spiel angesprochen werden sollte, dass man sein erstes Spiel pfeift, hängt ebenfalls vom eigenen Gefühl ab. Wenn es bei der Begrüßung passt (z. B. weil der Trainer feststellt, dass man das Gesicht noch gar nicht kenne), kann man den Fakt fallen lassen. Es kann ggf. zu einer gewissen Sensibilität im Umgang führen.
Diese ist seitens der Zuschauer (leider) nicht unbedingt zu erwarten. Ist ein schiedsrichter- bzw. handballaffiner Mentor dabei (z. B. der eigene Jugendtrainer), kann er entsprechende Hinweise an die Trainer geben und ggf. auch während des Spiels eingreifen und um Zurückhaltung bitten („Welpenschutz“).
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Das Verhalten von Zuschauern und Eltern bei Jugendspielen ist oft ein Grund, warum junge Schiedsrichter nach den ersten Monaten schnell wieder aufhören.
„Ich sitze bei Jugendspielen meines Sohnes manchmal mit auf der Bank, und ich bekomme hautnah mit, was dort von außen auf die oft jungen Kollegen einprasselt. Das ist nicht ohne“, beschrieb auch Olympia-Schiedsrichter Tobias Tönnies einmal das Problem und ergänzte: „Im Anschluss gehe ich oft zu den Schiedsrichtern und sage ihnen: ‚Lasst euch davon nicht unterkriegen oder beeinflussen. Das passiert leider, es hilft nichts, ihr müsst da durch. Das haben wir auch erlebt, aber ihr werdet diese Menschen nicht ändern können.‘“
Auch sein früherer Schiedsrichter-Kollege Christian Hannes weiß um das Problem und formulierte einen ganz klaren Grundsatz: „Vertrau dir – auch, wenn es sich komisch anfühlt“, sagte er an junge Schiedsrichter gewandt. „Du hast die Schiedsrichter-Ausbildung gemacht. Das haben viele andere Leute in der Halle nicht. Pfeif, was du siehst. Nach dem Spiel kannst du überlegen, ob das richtig oder falsch war, aber während des Spiels ziehst du durch. Du kannst das!“