Schiedsrichtergespann Ramesh Thiyagarajah und Suresh Thiyagarajah im Austausch (Quelle: IMAGO/Nordphoto).
Doppelpfiffe – doppelt hält besser?
Was sagt das Regelwerk?
Gemäß Regel 17:1 wird das Spiel von zwei gleichberechtigten Schiedsrichtern geleitet. Auch wenn das Regelwerk grundsätzlich nicht mehr zwischen Feld- und Torschiedsrichter unterscheidet, ist diese Aufgabenteilung für die Spielpraxis unerlässlich, denn das Spiel ist schneller geworden. Die Zahl der Angriffe hat sich erhöht, Abwehrformationen werden im Spielverlauf auch mal umgestellt und variable Angriffssituationen entstehen insbesondere durch den siebten Feldspieler.
Auch die Komplexität des Spiels insgesamt macht eine klare Aufgabenteilung erforderlich, um eine flächendeckende Beobachtung sicherzustellen. Diese Entwicklung zu einem „High Speed Game“ bleibt dabei nicht nur der Leistungsspitze vorbehalten. Inzwischen hat das moderne Tempospiel auch in mittleren, teilweise sogar unteren Spielklassen sowie auch im Jugendhandball Einzug gehalten.
Aufgabenteilung und Stellungsspiel von Feld und Torschiedsrichtern
Der Feldschiedsrichter eröffnet das Spiel mit dem Anpfiff des Anwurfs. Er pfeift alle Würfe an, die zwingend (15:5) oder nach seiner Beurteilung anzupfeifen sind. Der Feldschiedsrichter beobachtet das Spielgeschehen vor allem auf den Rückraum- und auf seiner Seite die Außenpositionen. Er muss hier Zweikämpfe mit Ball im Fokus haben.
Der Torschiedsrichter ist in erster Linie für die Entscheidungen Tor oder kein Tor?, sowie die Frage „Verhinderung einer klaren Torgelegenheit – 7-Meter ja oder nein?“ verantwortlich. Im Gegensatz zum Feldschiedsrichter konzentriert sich der Torschiedsrichter in seiner Beobachtung mehr auf die Zone entlang der Torraumlinie und vor allem auf das Spielgeschehen auf der ballnahen Seite.
Eine Problemzone ergibt sich insbesondere im Übergang von der Freiwurflinie zur Torraumlinie bzw. der Bereich zwischen den beiden Linien generell.
Eine klare Aufgabenteilung gibt es auch für die Einwurfentscheidungen. Hier zeigt nur ein Schiedsrichter, nämlich der Schiedsrichter auf dessen Längsseite der Ball die Seitenlinie überquert hat, wogegen der Einwurf wegen überqueren der Torauslinie ausschließlich Sache des Torschiedsrichters ist. Zur Vermeidung entgegengesetzter Entscheidungen sollte sich der nicht zuständige Schiedsrichter zurückhalten. Weitere Informationen finden Sie hier.
Besondere Doppelpfiffe
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die nachfolgenden Situationen zwar klar geregelt, aber besonders zu vermeiden sind.
Denn wenn gemäß 17:6 beide Schiedsrichter bei einer Regelwidrigkeit gegen dieselbe Mannschaft pfeifen, aber unterschiedlicher Auffassung über die Höhe der Bestrafung sind, gilt immer die schwerwiegendste Strafe.
Wenn beide Schiedsrichter bei einer Regelwidrigkeit pfeifen oder der Ball die Spielfläche verlassen hat und die beiden Schiedsrichter gegensätzlicher Auffassung darüber sind, welche Mannschaft in Ballbesitz kommen soll, gilt die gemeinsame Entscheidung, die von den Schiedsrichtern nach einer kurzen Absprache erzielt wird. Wenn sie nicht zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangen, hat die Meinung des Feldschiedsrichters Vorrang. Ein Time-out ist Pflicht (17:7).
Fazit
Die Schiedsrichter schauen nie besonders gut aus, wenn für alle in der Halle erkennbar wird, dass sie in der Beurteilung derselben Situation unterschiedlicher Auffassung sind. Als Schiedsrichterteam verliert man dadurch seine Souveränität, seine Akzeptanz bei den Mannschaften und bestätigt damit das negative Bild des Schiedsrichters bei den ohnehin selten schiedsrichterfreundlichen Zuschauern.
Das System ist aber immer nur so wirksam, wie es Schiedsrichter verstehen, feste Aufgabengebiete einzuhalten, denn als Gespann sollte man reibungslos zusammenwirken und eine Einheit bilden. Wenn beide Schiedsrichter in derselben Situation gepfiffen haben, hat definitiv einer seinen Aufgabenbereich nicht eingehalten! Und das bedeutet, dass er in dieser Situation seinen Beobachtungsbereich vernachlässigt hat.
Letztendlich ist es ein Qualitätsmerkmal guter Schiedsrichterteams, wenn es zu keinen oder nur zu wenigen Doppelpfiffen kommt.
Umfassende Informationen hierzu sind hier im Schiedsrichterportal im Schiedsrichterportal des DHB unter Allgemeine Aufgaben zu finden.