Quelle: DHB
Direkte Entscheidung auf passives Spiel
Von einigen Sonderbestimmungen abgesehen, die der angreifenden Mannschaft einen Zusatzpass gewähren, stehen nach Anzeige des Vorwarnzeichens maximal sechs Pässe zur Verfügung. Nachdem diese Regelbestimmung nunmehr in der fünften Saison praktiziert wird, ist es dennoch erforderlich, hin und wieder auf einzelne Aspekte der „Passivregel“ einzugehen. Die Videobeispiele sollen die folgenden Ausführungen visuell unterstützen.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Auch wenn mit der bereits erwähnten Regeländerung in 2016 ein messbares Kriterium in die Bestimmungen zum passiven Spiel Einzug gehalten hat, ist es doch unverändert dabei geblieben, dass die angreifende Mannschaft nach der Anzeige des Vorwarnzeichens eine gezielte Angriffshandlung vorbereiten und nach spätestens sechs Pässen einen Torwurf ausführen muss (siehe auch IHF-Erl. 4 Abschnitt D).
Das Maximum von sechs Pässen kann und darf eine angreifende Mannschaft nur in Anspruch nehmen, wenn sie eine gezielte Angriffshandlung erkennen lässt. Fehlt für die Schiedsrichter dieser erkennbare Versuch des Angriffs zum Torwurf zu gelangen, kann – auch ohne dass bereits sechs Pässe gespielt sind – auf passives Spiel entschieden werden.
Drei typische Beispiele, in denen die Schiedsrichter mangels druckvollem Angriffsspiel der ballbesitzenden Mannschaft direkt auf passives Spiel entscheiden, zeigt das obige Video.
Beispiel 1
Die ballführende Außenspielerin von Team BLAU springt ungehindert in den Torraum von Team ROT. Anstatt die sich ihr bietende klare Torchance zu nutzen, spielt sie den Ball zu ihrer Mitspielerin BLAU 77 zurück, die sich an der gegenüberliegenden Seitenlinie ca. 15 Meter vom gegnerischen Tor entfernt befindet.
Mit dieser bewusst ausgelassenen Torchance lässt das angreifende Team jeglichen Druck auf die abwehrende Mannschaft vermissen. Die Schiedsrichter entscheiden daher regelgerecht unmittelbar auf passives Spiel von Team BLAU.
Beispiel 2
Hier lässt Team BLAU von Beginn des Angriffs erkennen, dass es gegen die offensive Abwehr der gegnerischen Mannschaft SCHWARZ nicht druckvoll agieren und zum Torwurf gelangen will. Hieran ändert sich auch nichts, nachdem der Feldschiedsrichter das Vorwarnzeichen anzeigt. Ein weiterer Pass zu einem Mitspieler über die Mittellinie zurück und dessen ebenfalls Richtung eigenem Torraum orientierte prellende Ballführung lassen kein druckvolles Angriffsspiel erkennen. Hier soll klar Zeit von der Uhr genommen werden. Die Schiedsrichter entscheiden daher regelgerecht unmittelbar auf passives Spiel von Team BLAU. Das gedankenschnelle Umschalten von Team SCHWARZ beschert dem zuvor passiv agierenden Team BLAU zudem noch einen Gegentreffer.
Beispiel 3
In diesem Beispiel soll von SCHWARZ 25 der Eindruck erweckt werden, er versuche durch seine Bewegung entlang der Freiwurflinie, bei der er den Ball prellend mitführt, einen günstigen Moment für ein Anspiel zu seinem an der Torraumlinie agierenden Mitspieler zu finden. Dieser Mitspieler wird jedoch von zwei Abwehrspielern begleitet, sodass ein Anspiel für einen erfolgversprechenden Torwurf nicht zu erwarten ist. Da zudem weitere Mitspieler auf anderen, auch günstigen Positionen anspielbar sind, handelt es sich auch in diesem Beispiel um kein druckvolles Angriffsspiel. Es wäre nicht im Sinne der Regelbestimmung seitens der Schiedsrichter zu warten, bis die ballbesitzende Mannschaft sechs Pässe gespielt hat. Bei diesem Verhalten könnte das dauern!
Die Schiedsrichter entscheiden daher regelgerecht unmittelbar auf passives Spiel von Team SCHWARZ.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.