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Die Spielzeituhr läuft nicht mit

Wie lautet die regelgerechte Entscheidung, wenn nach dem Wiederanpfiff die Spielzeituhr nicht weiterläuft? Hier die richtige und korrekte Lösung.

Der Fall

Mannschaft A ist nach einem Time-out des Feldschiedsrichters bei Spielzeit 18:30 an der eigenen Freiwurflinie in Höhe der 7-m-Markierung in Ballbesitz. Nachdem ein Problem auf der Spielfläche behoben werden konnte, pfeift der Feldschiedsrichter das Spiel wieder an. Nach wenigen Pässen und fünf Sekunden später ist ein Rechtsaußen von A an der gegnerischen Freiwurflinie in Ballbesitz. In diesem Moment pfeift der Zeitnehmer und weist die Schiedsrichter darauf hin, dass die Spielzeituhr nach dem Wiederanpfiff nicht weitergelaufen ist.

Ein alltägliches Ereignis

Beobachtet man den handballerischen Alltag, wird man feststellen können, dass es häufiger vorkommt, dass nach einer Spielzeitunterbrechung und dem erfolgten Wiederanpfiff die Spielzeituhr stehenbleibt. Bei gut besuchten Handballspielen (wir reden über die Zeiten vor Corona) machte ein deutliches Raunen aus dem Publikum unmittelbar auf diesen Lapsus aufmerksam.

Die erste Möglichkeit für einen derartigen Fehler besteht bereits beim Anpfiff eines Spiels. Wenn der Schiedsrichter dann nach drei bis fünf Sekunden und Entscheidung auf Time-out den Mangel auf der Spielzeituhr bemerkt, sollte er sich zunächst die Frage stellen: „Weshalb habe ich nach Wiederanpfiff nicht wie geschult einen kurzen Blick auf die Spielzeituhr geworfen?“

Gleichwohl sind die Schiedsrichter verpflichtet, den Mangel in der Spielzeitanzeige zu korrigieren. Leider kann man gerade in diesem speziellen Fall bisweilen beobachten, dass das Spiel wieder von vorne – also mit dem Anpfiff – begonnen wird. Häufiges Argument dabei: „Es ist ja noch nichts passiert!“

Dies ist jedoch nicht regelgerecht. Wie es richtig ist und welche Regelbestimmungen hierbei zu berücksichtigen sind, zeigen die nachfolgenden Absätze.

Einschlägige Regelbestimmungen

Der Zeitnehmer hat gemäß den Bestimmungen der Regel 18:1 Abs. 1 u. a. die Hauptverantwortung für die Spielzeit. Die Spielzeit beginnt mit dem Anpfiff des Anwurfs durch den Feldschiedsrichter und endet mit dem automatischen Schlusssignal der öffentlichen Zeitmessanlage oder dem Schlusssignal des Zeitnehmers (siehe Regel 2:3). Ferner entscheiden grundsätzlich die Schiedsrichter, ob und wie lange die Spielzeit mit Time-out während des Spiels unterbrochen wird (siehe auch Regeln 2:8 und 2:9).

In zwei speziellen Fällen ist der Zeitnehmer berechtigt, das laufende Spiel unmittelbar mit einem Pfiff zu unterbrechen. Hierbei handelt es sich um die Unterbrechung wegen eines Wechselfehlers oder wegen regelwidrigem Eintreten eines Spielers (Regeln 4:2-3, 5-6) oder Beantragung eines Team-Time-out einer ballbesitzenden Mannschaft (Regel 2:10). In beiden Fällen hat der Zeitnehmer gemäß Regel 2:9 Abs. 3 die Spielzeituhr sofort, ohne Bestätigung durch die Schiedsrichter, anzuhalten. Weitere Hinweise zum Verfahren und ggf. erforderlicher Folgeentscheidungen enthalten die IHF-Erläuterungen 3 und 7.

Die Kontrolle über die Spielzeit obliegt gemäß Regel 17:9 in jedem Fall jedoch den Schiedsrichtern.

Die Lösung

Nach Vorstellung der für den genannten Fall einschlägigen Regelvorschriften zeigt sich, dass es mit der „Karo-Einfach-Lösung“ – alles zurück auf Anfang – nicht gehen wird. Die Schiedsrichter können nicht anordnen, die letzten fünf Spielsekunden zu ignorieren und erneut mit Freiwurf für Team A an der eigenen Freiwurflinie zu starten. Die ballbesitzende Mannschaft könnte sich zu Recht beschweren, auf eine schlechtere Ausgangsposition zurückgesetzt zu werden.

Da die Schiedsrichter, wie bereits erwähnt, insbesondere bei Unstimmigkeiten über die korrekte Spielzeit das Kontrollrecht haben, können sie die inzwischen gespielten fünf Sekunden nicht ignorieren bzw. „unter den Tisch fallen lassen“. Ebenso wenig können die Schiedsrichter es bei der Spielzeit 18:30 belassen und das Spiel mit Freiwurf für Mannschaft A fortsetzen.

Die einzig regelgerechte Lösung lautet daher:

  • Die Schiedsrichter lassen die Spielzeituhr um die bereits gespielten fünf Sekunden vorlaufen.
  • Das Spiel wird mit Freiwurf für Mannschaft A an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball beim Pfiff des Zeitnehmers befand (siehe auch IHF-Erl. 7 Abschnitt B, Buchstabe a Abs. 2).