Der verletzte Schiedsrichter Tobias Tönnies sitzt bei den Zeitnehmern (Foto: IMAGO/Joachim Sielski)

Die Rolle eines verletzten Schiedsrichters

Die Frage, ob Schiedsrichter während des laufenden Spiels getauscht werden können und andere Konstellationen, wurde bereits in dem Artikel "Wechsel der Schiedsrichter während des Spiels" am 27.10.2022 (siehe unten) beantwortet.

Nunmehr erreichte uns eine weitergehende Regelfrage zu dieser Thematik:

Während eines Spiels verletzt sich einer der beiden Schiedsrichter. Der andere Schiedsrichter pfeift das Spiel allein weiter. Der verletze Schiedsrichter setzt sich mit seinem bandagierten Fuß neben die Spielfläche und schaut sich das Spiel weiterhin an. Da das Spiel sehr umkämpft war und der Offizielle B der Heimmannschaft bereits mit Verwarnung, Hinausstellung und Disqualifikation bedacht war, war nach Spielende einiges los.

Konkret wurde hier gefragt, wie der verletzte Schiedsrichterpartner mit Äußerungen während des Spiels, welche auch beleidigend und bedrohlich in Richtung seines SR-Partners gehen, umgehen soll bzw. ob seine Wahrnehmungen nach Spielende im Spielprotokoll eingetragen werden können. 

Was ist regeltechnisch erlaubt?

In Regel 17:5 heißt es im Absatz 3, fällt einer der Schiedsrichter während des Spiels aus, leitet der andere das Spiel allein (weiter).

War allerdings der verletzungsbedingte Ausfall des Partners nur von kurzer Dauer, darf dieser die Spielleitung wieder aufnehmen. Hierbei handelt es sich um eine Regelauslegung im Sinne des Sportgeistes und der Fairness, die vor allem für den Spielbetrieb in den unteren Klassen entwickelt wurde.

In der angefragten Situation hat der verletzte Partner allerdings die Spielleitung nicht wieder aufgenommen bzw. aufnehmen können.

Wie ist ein unsportliches Verhalten auf der Bank zu ahnden?

Unsportliches Verhalten eines Offiziellen (verbal oder nonverbal) gegenüber Zeitnehmer/Sekretär können die Schiedsrichter nur bei eigenständiger Wahrnehmung ahnden. 

In diesem Fall gilt das auch bei dem verletzten Partner, der nunmehr die Rolle des Zuschauers am Spielfeldrand eingenommen hat. Auch hier kann unsportliches Verhalten eines Offiziellen (verbal oder nonverbal) gegenüber dem verbliebenen Schiedsrichter auf dem Spielfeld nur bei eigenständiger Wahrnehmung des allein leitenden Schiedsrichters geahndet werden.

Gleiches gilt aber auch für beleidigende Äußerungen gegenüber dem verletzten Partner außerhalb des Spielfeldes. Auch dieses Fehlverhalten kann und darf der verbliebene Partner nur bei eigener Wahrnehmung ahnden.

Maßnahmen

Zusätzlich zum Eintrag ins Spielprotokoll, dass ein Schiedsrichter verletzungsbedingt ausgefallen ist und nicht weitermachen konnte sowie dem Regelbezug für die Disqualifikation des Offiziellen B, kann (leider) das (Fehl-)Verhalten des Offiziellen gegenüber dem verletzten Schiedsrichter am Spielfeldrand nicht geahndet werden, da er nicht mehr am Spiel beteiligt war. 

Dennoch sollte ein Eintrag ins Spielprotokoll anhand der Schilderung des Partners erfolgen (analog zu Hinweisen von Z/S, die der SR nicht selbst wahrgenommen hat). Ob das letztendlich zu Konsequenzen gegen den Offiziellen führt, ist alleinige Entscheidung der Spielleitenden Stelle. 

Anmerkung 

Der verletzte Schiedsrichter bleibt aber im Spiel, solange dieses ruht, während er am Spielfeldrand gepflegt wird. Eine Beleidigung gegen ihn ist hier dann aufgrund seiner alleinigen Wahrnehmung strafbar.

Läuft das Spiel aber ohne ihn weiter, ist er (zumindest vorübergehend) nicht im Spiel. Eine Strafe wäre in diesem Fall auch nur bei Wahrnehmung des amtierenden Schiedsrichters möglich.

Hinweis

Wenn der Schiedsrichter tatsächlich nicht wieder ins Spiel einsteigen kann, dann sollte der Platz definitiv nicht am Spielfeldrand neben den Bänken sein. Wenn überhaupt, sollte er sich auf die Tribüne setzen. Noch besser wäre, wenn das Spiel weiterläuft (vorübergehend oder definitiv) ohne den verletzten SR, wenn er sich für die Pflege in die Umkleidekabine begibt – dann ist alles klar.

Generell soll der Zeitnehmer bei Fehlverhalten von Offiziellen in Spielen ohne Delegierten bis zur nächsten Spielunterbrechung warten und dann gemeinsam mit dem Sekretär die Schiedsrichter auf das Fehlverhalten der Offiziellen aufmerksam machen. Die Schiedsrichter haben in diesem Fall jedoch nur die Möglichkeit, die Offiziellen zu ermahnen und den Sachverhalt im Spielprotokoll zu vermerken.

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