Tanja Kuttler, Maike Merz, Robert Schulze und Tobias Tönnies (Quelle: dhb.de)

Die Olympischen Sommerspiele 2024

Olympia ist für jeden Sportler das größte Event, welches man erreichen kann. Dies kann man auch als Schiedsrichter erreichen.

Die Olympischen Sommerspiele finden vom 26. Juli bis zum 11. August 2024 in der französischen Hauptstadt Paris statt. Paris wird damit zum dritten Mal nach 1900 und 1924 die Veranstaltung ausrichten. Zudem werden die Olympischen Spiele zum sechsten Mal in Frankreich ausgetragen (Sommerspiele 1900 und 1924 und Winterspiele 1924, 1968 und 1992).

Austragungsort für das Handballturnier ist die Arena Paris Sud 6 für die Spiele der Vorrunde sowie das Stade Pierre-Mauroy in Lille für die K.-o.-Phase. Das Handballturnier der Frauen bei den Olympischen Spielen beginnt bereits mit der Vorrunde am 25.07.2024 und bei den Männern am 27.07.2024. Die Finalspiele bei den Frauen finden am 10.08.2024 und bei den Männern am 11.08.2024 statt.

Schiedsrichter 2024

Neben den deutschen Frauen und Männer-Nationalmannschaft sind erstmals gleich zwei Gespanne aus dem Elitekader des Deutschen Handballbundes für die Olympischen Sommerspiele 2024 nominiert. Die Elitekaderschiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies hatten ihre Premiere bereits bei den Olympischen Sommerspielen 2021 in Tokio und für Tanja Kuttler und Maike Merz ist es ihr Olympia-Debüt.

Wie war eigentlich die Entwicklung des Hallenhandballs bei den Olympischen Spielen?

Der Handballsport in seiner jetzigen Form war erstmals bei den XX. Olympischen Spiele in München 1972 im Programm. Auf der 73. Sitzung des IOC im Anschluss an die Olympischen Spiele in München wurde beschlossen, auch Damenhandball 1976 in Montreal bei den XXI. Olympischen Sommerspielen mit ins Programm aufzunehmen. Seitdem sind beide Turniere fester Bestandteil der Sommerspiele.

Der Modus

Bei den Olympischen Handballturnieren der Männer wurde von Beginn an in Gruppen gespielt und der Sieger in einem Endspiel ermittelt. Bei den Frauen gab es erst 1992 in Barcelona ein echtes Endspiel. Ab 1976 in Montreal bis einschließlich 1988 in Seoul wurde der Sieger in einer Endrunde in Gruppenspielen ermittelt. Waren es in München noch 16 Teams bei den Männern, so wurde ab 1976 die Anzahl auf 12 Teams reduziert und ist bis heute so geblieben. Halbfinalspiele bei den Männern gab es erst bei den Spielen 1992 in Barcelona. Zuvor spielten die beiden Gruppenersten im Finale um die olympische Goldmedaille. Seit 2000 in Sydney werden die Teilnehmer der Endrunde (Halbfinale/Finale) über die Viertelfinalspiele ausgespielt. Dieser Modus gilt bis heute.

Bei den Frauen waren beim olympischen Turnier 1976, 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles nur sechs Teams zugelassen, die in einer Gruppe den Olympiasieger, im Modus jeder gegen jeden, ermittelt haben. 1988 in Seoul wurde die Anzahl dann auf 8 Teams erhöht, die dann in einer Vorrunde mit zwei Gruppen á 4 Teams und einer anschließenden Endrunde (ebenfalls in Gruppenspielen) den Sieger ermittelt haben. 1992 in Barcelona wurde der Modus geändert. An die Vorrundenspiele schlossen sich – analog zu den Männern – Halbfinal-, Final- und Platzierungsspiele an. 2000 in Sydney wurde von 8 auf 10 Teams aufgestockt und der Modus erneut geändert. Fürs Finale musste man sich im Viertelfinale und Halbfinale, wie bei den Männern, durchsetzen. 2008 in Peking wurde nochmals die Anzahl der Mannschaften auf 12 erhöht, aber der Modus wurde bis heute nicht mehr geändert.

Die Erfolge der deutschen Teams

Gold für Deutschland gewann 1980 in Moskau im legendären Endspiel gegen die damalige UdSSR die Auswahl der DDR (Männer). Die bundesdeutschen Handballer holten bislang zwei Silbermedaillen, die erste in Los Angeles 1984, wo sie sich im Finale gegen das frühere Jugoslawien geschlagen geben mussten, die zweite in Athen 2004. Bei diesem Turnier verloren die Deutschen im Endspiel gegen Kroatien. Eine Bronzemedaille gab es dann 2016 in Rio. Beim Spiel um Platz 3 gewann die deutsche Nationalmannschaft mit 31:25 gegen Polen.

Bei den Frauen holte die Auswahl der DDR 1976 gleich beim ersten olympischen Turnier die Silbermedaille und 1980 in Moskau die Bronzemedaille. Danach war die beste Platzierung, wenn man sich qualifiziert hatte, der 4. Platz 1992 in Barcelona.

2021 schaffte es die deutsche Männer-Nationalmannschaft bis in Viertelfinale, wo sie dann gegen Ägypten ausgeschieden sind (26:31).

Deutsche Schiedsrichter bei Olympia

Bis auf die Olympischen Spiele 2000 in Sydney, wurden für jedes olympische Turnier deutsche Schiedsrichter nominiert. 

1972 in München waren Otto Falk (Baden) und Hans Rosmanith (Hessen), Edgar Reichel (Hamburg) und Wilfried Tetens (Schleswig-Holstein) sowie das Gespann Heinz Singer (Sachsen) und Hans-Joachim Siebert (Sachsen-Anhalt) nominiert.Für Montreal 1976 wurden erneut Edgar Reichel und Wilfried Tetens sowie Herbert Hensel und Peter Rauchfuß (beide Sachsen) berufen. Hier leitete das deutsche Gespann Reichel/Tetens das Finale der Männer, UdSSR gegen Rumänien, Endstand 19:15.

Bei den Spielen im Jahr 1980 in Moskau war nur ein deutsches Gespann, Peter Rauchfuß mit seinem neuen Gespannspartner Rudolf Buchda (Thüringen), im Einsatz.

1984 in Los Angeles waren es zwei deutsche Gespanne. Hier kam wieder das Gespann Peter Rauchfuß und Rudolf Buchda sowie die Bundesligaschiedsrichter Günther Heuchert und Volker Norek (beide Hessen) zum Einsatz, die auch bei den Männern das Spiel um Platz 3 zwischen Rumänien und Dänemark leiteten.

Peter Rauchfuß und Rudolf Buchda wurden auch für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul berufen. Peter Rauchfuß hat somit insgesamt an vier, sein Gespannspartner Rudolf Buchda an drei Olympischen Spielen als Schiedsrichter teilgenommen. Eine beeindruckende Bilanz. In dem Turnier leiteten die beiden u.a. bei Frauen die entscheidende Begegnung in der Endrunde, Südkorea gegen die UdSSR, das Koreanerinnen mit 21:19 für sich entscheiden konnten und damit Olympiasieger wurde. Ebenso wurden die damals weltweit besten und anerkanntesten Handball-Schiedsrichter Erhard Hofmann und Manfred Prause (Südbaden) nominiert. Dort leiteten die beiden das Eröffnungsspiel Sowjetunion gegen Jugoslawien. Auf Grund der guten Leistung leiteten sie auch das Männer-Finale der siegreichen Sowjets gegen die koreanischen Gastgeber. Somit waren gleich zwei deutsche Gespanne für die Finalspiele an der Pfeife.

In Barcelona 1992 kamen erstmals die Brüder Hans und Jürgen Thomas (Pfalz) zum Einsatz. Hier leiteten sie nicht nur das Halbfinale Island gegen das Vereinte Team (Gemeinsamen Mannschaft der Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und Georgiens, also das Nachfolgeteam der Mannschaft der Sowjetunion), sondern auch das Olympische Frauen-Endspiel zwischen Norwegen und Südkorea (Endstand 21:28). Aufgrund der herausragenden Leistungen wurden beide erneut für die Teilnahme an den Olympischen Spielen im Jahr 1996 in Atlanta, USA nominiert. Höhepunkt war auch hier das Olympische Endspiel der Frauen zwischen Dänemark und Südkorea, das Dänemark nach Verlängerung mit 37.33 gewann.

Nach der Pause (keine deutschen Schiedsrichter) in Sydney wurden für die Spiele 2004 in Athen, Griechenland das Gespann Frank Lemme und Bernd Ulrich aus Magdeburg (Sachsen-Anhalt) nominiert. Aufgrund der guten Leistungen nahmen beide auch an den Spielen 2008 in Peking, China teil. Höhepunkt der herausragenden Leistungen war das Finale der Herren zwischen Frankreich und Island, das Frankreich mit 23:28 gewann.

Lars Geipel und sein Gespannspartner Marcus Helbig (Sachsen-Anhalt) kamen bei den Olympischen Spielen 2012 in London erstmals zum Einsatz. Höhepunkt war hier das Halbfinale zwischen Ungarn und Schweden (Endstand 26:27). Auch 2016 in Rio, Brasilen kamen die Beiden erneut zum Einsatz.

Robert Schulze und Tobias Tönnies (Sachsen-Anhalt) setzten die gute Tradition deutscher Schiedsrichter beim Olympischen Handballturnier 2021 in Tokio dann fort. Höhepunkt war – neben dem Viertelfinale Schweden gegen Spanien (33:34) – hier die Nominierung für das Spiel um Bronze Ägypten gegen Spanien (31:33).

Erfolg

In Paris ist der Deutsche Handballbund so stark vertreten wie noch nie bei Olympischen Spielen: beide Mannschaften, dazu zwei Schiedsrichtergespanne und ein Delegierter (Kay Holm).

Die doppelte-Olympia-Nominierung hat „eine ganz besondere Strahlkraft für den Deutschen Handball“, sagt DHB-Schiedsrichterchefin Jutta Ehrmann-Wolf: „Das ist die Fortsetzung unserer unglaublich guten Arbeit der vergangenen Jahre und ist auch ganz wichtig für unser Ziel, möglichst viele neue Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter auszubilden. Kuttler/Merz und Schulze/Tönnies sind absolute Vorbilder für alle Schiedsrichter, das zeigen sie immer wieder bei unserem Projekt ‚Breite trifft Spitze‘.“

Wir wünschen allen Nominierten bei ihren Einsätzen bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris viel Erfolg und gute Spiele!