Die Macht des ersten und letzten Eindrucks!

Auch Schiedsrichtern sollte es schon einmal untergekommen sein, dass es auf den ersten Eindruck ankommt. Aber stimmt es wirklich, dass der erste Eindruck zählt?

Wir beurteilen Menschen nach ihrem Aussehen. Das kann man verurteilen, aber schützen können wir uns davor nicht. Die Macht des ersten Eindrucks ist sehr groß. Gerade mal 100 Millisekunden brauchen wir dafür. Danach steht für uns nahezu unveränderlich fest, wie wir eine Person einschätzen, wer uns als attraktiv, sympathisch, vertrauenswürdig erscheint und wer nicht.

Ob dies auch für Schiedsrichter gilt, können wir mit einem kleinen Selbstversuch prüfen. Nachfolgend beschreibe ich zwei Kollegen, von denen ihr euch einen, ohne lange zu überlegen, als neuen Teampartner aussuchen sollt.  
Kandidat 1 ist freundlich, regelsicher, lauffreudig, nervös, beeinflussbar, überheblich. 

Danach stellt sich euch Kandidat 2 vor: Er ist überheblich, beeinflussbar, nervös, lauffreudig, regel­sicher, freundlich.  
Seid ihr so „gestrickt“ wie der Großteil der Bevölkerung, habt ihr euch spontan für den Kandidaten 1 entschieden. Eine gründlichere Prüfung fördert aber schnell zutage, dass beide Kandidaten mit identischen Eigenschaften daherkommen. Einzig die Reihenfolge der Aufzählung hat unser Urteil geprägt. Mit Kandidat 1 verbinden wir ad hoc die positiv besetzten Eigenschaften freundlich und regelsicher. Mit Kandidat 2 haben wir allgemein so unsere Probleme, weil uns zunächst nur seine negativ besetzte Prägung (überheblich und beeinflussbar) in Erinnerung geblieben ist.
Trifft diese menschliche Reaktion zu, wird zweierlei klar: 

  • Der erste Eindruck muss nicht stimmen.  
  • Der erste Eindruck kann gesteuert werden. 

Was ist es also, mit dem wir Fremde für uns gewinnen können? Vor allen anderen Eigenschaften rangiert die Einschätzung des Gegenübers als vertrauenswürdig und sympathisch. Gegenteilige Beurteilungen würden mit den Eigenschaften unzuverlässig und abstoßend beschrieben. 

Aus dem Blickwinkel der Evolution ist der Spitzenplatz für die Vertrauenswürdigkeit durchaus verständlich. Ist es doch seit Urzeiten gleichsam (über-)lebensnotwendig, Freund und Feind schnellstmöglich zu erkennen. Mit der Eigenschaft sympathisch verbinden wir den sozialen Status unseres Gegenübers. Ist der Andere freundlich oder mürrisch, ist er kompetent, ist er eine Autorität oder nur dominant? Das sind die mitentscheidend Fragen, ob wir vom Gegenüber als sympathisch eingeschätzt werden. Und wie gesagt: Unser Gehirn hat dafür möglicherweise eine besondere Gabe! Es erledigt diese Aufgabe innerhalb einer Zehntelsekunde. 

Jeder Schiedsrichter mag nun für sich selber entscheiden, in welche Schublade er bei der Begrüßung lieber eingeordnet werden will. Kommt er offen und freundlich, verbunden mit einem ehrlichen Lächeln daher oder als verschlossener, mürrischer Zeitgenosse, der sich ein knappes „Tag“ durch die zusammengepressten Lippen abringt. 

Auch der erste Eindruck auf der Spielfläche kann geprägt sein von einem freundlichen und kompetenten Vertreter der Schiedsrichterzunft oder von einem arroganten und aggressiven „Regelpolizisten“. 

Sicherlich können wir alle nicht so einfach aus unserer Haut. Schlimm genug ist aber, zu sehen, wie leichtfertig wir bisweilen mit den Möglichkeiten des ersten Eindrucks umgehen.

Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt!

Diese Weisheit kann uns manchmal auch als Schiedsrichter auf die Palme bringen. Da legen wir 59 Minuten eine „Weltklasseleistung“ auf die Platte und dann diese eine unglückliche Entscheidung! Sie ist es, die den Gesamteindruck über die Spielleitung versaut. Sie ist es, die den meisten Beteiligten als Messlatte für den Gesamteindruck dient.  
Wie nur ist eine derartige Ungerechtigkeit möglich? Verantwortlich ist der sogenannte Referenzeffekt, der im Gegensatz zum Primäreffekt (siehe erster Eindruck), von der Begrenztheit des Speicherplatzes unseres Kurzzeitgedächtnisses geprägt wird. Wir erinnern uns eben besser an die zuletzt aufgenommenen Informationen. 

Als Schiedsrichter sollten wir aus diesem Umstand unsere Lehren ziehen. Gerade die letzten Spielminuten sind entscheidend dafür, wie sich die Beteiligten an uns erinnern. Deshalb erfordert gerade der letzte Spielabschnitt unsere ganze Aufmerksamkeit. Unser Gehirn muss selbst in dieser späten Phase des Spiels noch topfit sein. Die notwendige Luft haben nur gut trainierte Schiris. Deshalb legt das Fundament durch gute Konditionsarbeit!

Also, wie war den jetzt der erste Eindruck vom Artikel, oder was ist bei euch hängen geblieben?