Quelle: DHB
Die letzten 30 Sekunden – eine besondere Herausforderung für die Schiedsrichter
Auch bei dieser Situation kam es wieder zu Diskussionen, ob Regel 8:10c Anwendung findet.
Was im Video geschieht
Es sind die letzten Sekunden des Spiels. Mannschaft ROT ist in Ballbesitz. Die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf gegen ROT. Der Angriffsspieler ist bemüht, auch nachdem der Schiedsrichter schon auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entschieden hat, den Ball noch unter Kontrolle zu bekommen. Als er den Ball auf dem Boden liegend unter Kontrolle hat, hält er diesen – trotz der Entscheidung gegen seine Mannschaft – weiter unter sich begraben fest. Er macht keine Anstalten, ihn sofort spielbar zu machen. Der Spieler SCHWARZ 24 bemüht sich um den Ball, um den Freiwurf ausführen zu können. Spieler ROT lässt den Ball frei und SCHWARZ 24 kann erst dann verzögert den Freiwurf ausführen. Zum Zeitpunkt des Anspiels an SCHWARZ 21 kommt ein Signal vom Zeitnehmer, da Mannschaft SCHWARZ ein Team-Time-out beantragt hat, welches auch vom Feldschiedsrichter bestätigt wird. Nach vielen Diskussionen während des Team-Time-outs geht das Spiel mit Freiwurf für Mannschaft SCHWARZ weiter. Der Spieler führt den Freiwurf nach dem Schlusssignal noch direkt aus, nachdem er vorher die letzte Sekunde hat herunterlaufen lassen. Anschließend ist das Spiel beendet.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Wenn der Ball in den letzten 30 Sekunden nicht im Spiel ist und ein Spieler die Wurfausführung des Gegners verzögert oder behindert und damit der gegnerischen Mannschaft die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, ist der fehlbare Spieler zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft ein 7-Meter-Wurf zuzusprechen. Dies gilt bei jeglicher Art der Wurfverhinderung (z. B. Vergehen mit begrenztem körperlichen Einsatz, Störung der Wurfausführung wie: Pass abfangen, Stören der Ballannahme oder durch Nichtniederlegen des Balls nach einer Freiwurfentscheidung gegen die angreifende Mannschaft oder durch Klammern des ausführenden Spielers).
Die Schiedsrichter haben auf Freiwurf gegen ROT entschieden. Der Spieler gibt den Ball eindeutig nicht sofort frei und verzögert/behindert so die schnelle Ausführung des Freiwurfs für Mannschaft SCHWARZ, die dadurch wertvolle Sekunden verliert.
Die Kriterien der Regel 8:10c sind hier also erfüllt. Richtig wäre daher gewesen, den fehlbaren Spieler zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft einen 7-Meter-Wurf zuzusprechen.
Fazit
Ja, die letzten 30 Sekunden können für die Schiedsrichter eine Herausforderung darstellen, aber mit der richtigen Wahrnehmung und Regelsicherheit sollte die Anwendung der Regel 8:10c kein Problem darstellen.
Nachdem das TTO für Mannschaft SCHWARZ bestätigt wurde, sollten derartige Diskussionen während und nach dem TTO mit den Spielern vermieden werden. Darüber hinaus ist das Verhalten der beiden Schiedsrichter als Team nicht optimal – sie kümmern sich überhaupt nicht um ihre Aufgabe. Sie werden geleitet und leiten nicht selbst. Höchst problematisch ist zudem, dass die Schiedsrichter nach dem TTO aufgrund der überflüssigen und nicht zielführenden Diskussionen die Mannschaften nicht im Blick haben.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.