Die korrekte Freiwurfausführung

Freiwürfe bleiben immer noch die häufigsten Entscheidungen der Schiedsrichter. Daher ist auf eine korrekte Ausführung zu achten, Folgen von Fehlern des Werfers müssen bekannt sein, um regelgerecht zu entscheiden.

Was im Video geschieht

Mannschaft BLAU ist im Angriff. Aufgrund der Situation bei 8m von BLAU 23 entscheiden die Schiedsrichter auf Freiwurf Mannschaft ROT. Spieler ROT 2 nimmt sich daraufhin sofort den Ball und führt den Freiwurf im Knien aus. Der Pass erreicht aber nicht seinen Mitspieler ROT 6, sondern wird durch den Spieler BLAU 17 abgefangen. Die Schiedsrichter lassen das Spiel weiterlaufen.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Der Freiwurf wird normalerweise ohne Anpfiff (ausgenommen 15:5b) grundsätzlich an der Stelle ausgeführt, an der die Regelwidrigkeit begangen wurde.

Gemäß Regel 15:1 muss der Werfer vor der Ausführung eines Wurfs die richtige Position eingenommen haben. Der Ball muss sich in der Hand des Werfers befinden (15:6).

Außer bei der Ausführung eines Abwurfs (siehe 12:2) und dem Anwurf aus der Anwurfzone (10:3b) muss der Werfer bei der Wurfausführung mit einem Teil desselben Fußes ununterbrochen den Boden berühren, bis der Ball die Hand verlassen hat (siehe jedoch 10:3b). Der andere Fuß darf wiederholt vom Boden abgehoben und wieder abgesetzt werden (siehe auch 7:6).

Der Werfer muss diese Stellung einnehmen, bis der Wurf ausgeführt ist (15:7 Abs. 2 und 3).

Hinweis

Vor der Ausführung eines Wurfs (außer bei einem Abwurf) muss sich der Werfer in einer aufrechten Position befinden, d. h. außer den Füßen darf kein anderer Körperteil Kontakt mit dem Boden haben.

Gemäß Regel 15:6 sind Regelwidrigkeiten des Werfers oder seiner Mitspieler vor der Wurfausführung, z. B. falsche Aufstellung oder Berühren des Balls durch einen Mitspieler, zu korrigieren (siehe jedoch 13:7 Absatz 2).

Die Konsequenzen von Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung (15:1-3) sind davon abhängig, ob die Ausführung des Wurfs angepfiffen war oder nicht.

Bei einer Wurfausführung ohne Anpfiff sind grundsätzlich alle Fehler zu korrigieren; anschließend ist der Wurf zur Spielfortsetzung anzupfeifen.

Allerdings ist der Vorteilsgedanke nach 13:2 zu beachten. Falls die Mannschaft unmittelbar nach einer falschen Ausführung den Ball verliert, gilt der Wurf als ausgeführt, das Spiel läuft weiter (15:7 Abs. 2).

Fazit

Die Ausführung des Freiwurfs durch Spieler ROT 2 ist zwar falsch, allerdings verliert Mannschaft ROT unmittelbar nach der falschen Ausführung den Ball, indem der Pass durch BLAU 17 abgefangen werden kann.

Daher ist die Entscheidung auf Weiterspielen korrekt. Wäre ROT 6 in Ballbesitz gekommen, dann hätte der Freiwurf zwingend korrigiert und angepfiffen werden müssen.

Hierzu zwei Regelfragen aus dem aktuellen Regelfragenkatalog:

Team WEISS erhält einen Freiwurf, den WEISS 9 ohne Anpfiff sehr schnell im Sprung ausführt. Der Ball gelangt zu WEISS 4, der sich völlig frei vor dem Tor von Team SCHWARZ befindet. Wie ist zu entscheiden?

a) Weiterspielen lassen

b) Freiwurf für Team SCHWARZ

c) Wiederholung des Freiwurfs für Team WEISS mit Anpfiff

Richtige Antwort: c)

Team WEISS erhält einen Freiwurf, den WEISS 5 ohne Anpfiff sehr rasch im schnellen Lauf ausführt. Der Ball soll zu WEISS 4 gelangen, wird aber sofort von SCHWARZ 3 abgefangen, der sich nun völlig frei vor dem Tor von Team WEISS befindet. Wie ist zu entscheiden?

a) Weiterspielen lassen

b) Wiederholung des Freiwurfs mit Anpfiff

c) Wiederholung des Freiwurfs und progressive Strafe gegen SCHWARZ 3

Richtige Antwort: a)