Peter Behrens zwischen dem Gespann Jansen/Hellbusch. (Fotos: IMAGO/Lobeca)
"Die Chance für den ersten Eindruck hat man nur genau einmal.“
Fragt man Peter Behrens nach dem größten Fehler, den ein junges Gespann in einer neuen Liga machen kann, muss der ehemalige Spitzenschiedsrichter nicht lange überlegen. „Das Wichtigste nach einem Aufstieg ist eine gewisse Demut“, betont das Mitglied des DHB-Lehrstabs. „Ein Aufstieg ist kein Grund, abzuheben – sonst stürzt man umso härter ab.“
Denn während sich die Kollegen in einer höheren Liga bereits ein Standing bei Mannschaften und Trainern erarbeitet haben, fängt ein Aufsteiger zunächst bei Null an – und muss sich erst beweisen. „Die Chance für den ersten Eindruck hat man nur genau einmal“, mahnt Behrens: „Es empfiehlt sich, zunächst den Ball flach zu halten und mit der eigenen Leistung zu überzeugen.“
Eins müsse man sich unbedingt bewusst machen: Die Mannschaften in der neuen Liga haben nicht auf einen gewartet. „Bis Spieler und Trainer wissen, dass sie sich auf einen verlassen können, testen sie einen aus. Sie fragen sich: Was können die eigentlich?“, weiß Behrens. „Als junger Schiedsrichter musst du daher – auch und gerade nach einem Aufstieg – bereit sein, dich immer und immer wieder neu zu beweisen.“
Den Respekt und einen gewissen Vertrauensvorschuss, der den älteren Kollegen im neuen Kader entgegengebracht wird, muss man sich als Aufsteiger erst erarbeiten. „Entsprechend ist es wichtig, sich nicht zu hohe Ziele zu setzen“, betont Behrens. „Als Aufsteiger hat man zwar das Gefühl, auf einem Höhenflug zu sein und man sollte den Aufstieg auch unbedingt genießen, aber sobald die Saison gestartet ist, muss man das abhaken.“
Behrens empfiehlt sich nach einem Aufstieg zunächst im neuen Kader zu etablieren und nicht zu früh den nächsten Aufstieg anzupeilen. Hier sollte man sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Etabliert man sich und ist ambitioniert, können immer noch neue Ziele gesetzt werden.
Als Aufsteiger muss man sich allerdings nicht nur gegenüber den Mannschaften beweisen, sondern auch seinen Platz im Schiedsrichterkader finden. Auch hier rät Behrens zu einer gewissen Zurückhaltung. „Erklärt als Aufsteiger den etablierten Gespannen nicht die Welt“, warnt er. „Versucht vielmehr, von ihren zu lernen und von ihrer Erfahrung zu profitieren.“
Er erinnert sich noch gut an den eigenen Aufstieg in den Elite-Anschlusskader. „Plötzlich saßen wir auf einem Lehrgang mit den deutschen Top-Gespannen - wir haben die ersten zwei, drei Jahre nicht gewagt, unsere Meinung kundzutun“, schmunzelt Behrens. „Auch, wenn die Hierarchie heute nicht mehr so ausgeprägt sein mag, kann auch hier eine gewisse Demut nicht schaden.“