Sebastian Grobe und Adrian Kinzel bei der Begrüßung (Quelle: IMAGO / Foto Lächler)

Die Begrüßung kurz vor Spielbeginn – ein Ritual, das in der Praxis sehr individuell umgesetzt wird

Je nach Spielklasse sind die Abläufe vor einem Spiel sehr unterschiedlich. In unteren Spielklassen kann es z. B. wegen eines „engen“ Hallenbelegungsplans vorkommen, dass ein Aufwärmen der Mannschaften auf dem Spielfeld zeitlich nicht möglich ist. Bei internationalen Spielen oder Turnieren hingegen existiert ein fester Ablauf- und Zeitplan (u. a. wegen der Fernsehübertragung), dessen Einhaltung die Schiedsrichter – zusammen mit den Offiziellen – überwachen müssen. Bevor der Feldschiedsrichter aber das Spiel anpfeifen kann, sind noch einige Dinge zu beachten und durchzuführen.

Das Losen vor Spielbeginn

Das Losen um den Anwurf bzw. die Seitenwahl nimmt entweder einer der Schiedsrichter in Gegenwart seines Partners vor dem Zeitnehmertisch oder während der technischen Besprechung in der Kabine vor. Es sollte in jedem Fall zeitlich so rechtzeitig vor dem Spiel stattfinden, dass ein eventueller Tausch der Seiten keine Verzögerung der geplanten Anwurfzeit zur Folge hat. Daher erst die Seitenwahl bei der Begrüßung durchzuführen, ist nicht opportun.

Das Losen geschieht am besten mit einer Wählmarke, wobei sich die Gastmannschaft für eine Seite derselben entscheidet. Die Mannschaft, die die Wahl gewonnen hat, darf sich zwischen Anwurfrecht und Seitenwahl entscheiden. Zur Vollständigkeit sei auf Folgendes hingewiesen: Entscheidet sich die Mannschaft, die das Losen gewonnen hat, für die Seite, hat die andere Mannschaft Anwurf. Dieser steht kein Wahlrecht zu, ob sie zu Beginn der ersten oder zweiten Halbzeit anwirft.

Der Sportgruß

Die Begrüßung ist dann der Moment, wenn sich beide Mannschaften kurz vor Spielbeginn an der Mittellinie aufstellen. Hierzu bitten die Schiedsrichter/bittet der Schiedsrichter beide Mannschaften zur Spielfeldmitte. Meistens stehen sich beide Mannschaften vollzählig (auch die Auswechselspieler) gegenüber, manchmal sind aber auch nur die ersten Sieben. Angeführt wird die Mannschaft i.d.R. durch den Mannschaftführer. Eine Regel / eine Anweisung zur Aufstellung gibt es aber nicht.

Wenn dann die Begrüßung stattfindet, sollte man sich immer die Frage stellen, was sage ich oder was sage ich als Schiedsrichter besser nicht. Hauptzweck der Begrüßung ist, sich gegenseitig Respekt zu erweisen und willkommen zu heißen. Die meisten Mannschaften haben sich hierzu ihre Gedanken gemacht. Manche Mannschaft war sehr kreativ und einfallsreich, manche haben nur einen einfachen Spruch, manche eben auch einen dummen Spruch.

Die Schiedsrichter sollten in jedem Fall aber einen dummen Spruch vermeiden. Hier mal ein paar Beispiele aus der Praxis, wie es eigentlich nicht sein sollte:

  • "Ihr seid da, um zu spielen - wir, um zu pfeifen - lasst uns das Beste daraus machen..."
  • "Wir pfeifen und entscheiden und wünschen uns ein faires Spiel..."
  • „Egal was für Schei* wir pfeifen - und wir werden sie pfeifen - wer meckert geht, denn wir sind das Gesetz!“
  • „Ob das Spiel gut wird, bestimmt ihr, und ich sorge dafür, dass es korrekt wird!“
  • „Mein heutiger Schwerpunkt liegt in der Progression.“
  • „Auch wenn es vom Tabellenstand kein Spitzenspiel ist, wünschen wir dennoch ein ansehnliches Spiel.“

Einen klugen, ach so gut gemeinten Spruch als Schiedsrichter sollte man vermeiden. Im Allgemeinen wissen die Mannschaften schon gegen wen sie spielen. Sprüche, die Regelbelehrung beinhalten, sollte man ebenfalls tunlichst vermeiden. Bei der Begrüßung sollte man auch nicht durchblicken lassen nach dem Motto: „Wir sind das Gesetz“. Dies hinterlässt gleich bei den Spielern einen bescheidenen Eindruck. Man sollte auch keine Dinge erzählen, die man später nicht einhält.

Wenn man ehrlich ist, interessiert die Ansprache und die warmen Worte des Schiris kaum einen Spieler wirklich.

Deshalb sollte man sich auch nur an das Wesentliche halten, wofür die Begrüßung eigentlich auch gedacht ist, nämlich sich gegenseitig Respekt zollen und willkommen heißen. In der Kürze liegt die Würze.

Zum Beispiel

  • „Wir begrüßen beide Mannschaften, wünschen ein gutes Spiel und bitten ebenfalls um Begrüßung.“

Kurz vor Anpfiff

Die Schiedsrichter nehmen ihre Position als Tor- bzw. Feldschiedsrichter ein. Dann letzter Check der Besetzung der Auswechselbänke (Kontrolle der korrekten Anzahl an Spielern und Offiziellen) sowie die Aufstellung zum Anpfiff. Es erfolgt eine kurze Blickverbindung mit Partner und Zeitnehmer/Sekretär (erhobener Arme als Bestätigung der Bereitschaft). Der Feldschiedsrichter pfeift an und einer der Schiedsrichter vergewissert sich kurz, dass die Hallenuhr synchron gestartet wurde.