Die Ausführung des Anwurfs aus der Anwurfzone
Was im Video geschieht
Mannschaft SCHWARZ spielt in Unterzahl mit sechs Feldspielern bei leerem Tor. Der linke Rückraumspieler von SCHWARZ erzielt nach einem Durchbruch ein Tor.
Der Torwart von ROT holt den Ball umgehend aus dem Tor, während sich die Spieler von SCHWARZ schnell in die Abwehr zurückbewegen. Dabei läuft SCHWARZ 3 zunächst durch den Korridor und anschließend durch die Anwurfzone. Gleichzeitig nimmt ROT 17 den Ball noch außerhalb der Anwurfzone mit dem Rücken zum gegnerischen Tor auf. Er dreht sich, betritt mit Ball vollständig die Anwurfzone und bereitet den schnellen Anwurf vor.
Der Schiedsrichter gibt den Anwurf frei, nachdem sich sowohl der Werfer als auch der Ball vollständig innerhalb der Anwurfzone befinden. Währenddessen verlässt SCHWARZ 3 die Anwurfzone. ROT 17 führt den Anwurf mit einem direkten Wurf auf das leere Tor aus. Der Ball trifft SCHWARZ 3, der sich zu diesem Zeitpunkt vollständig außerhalb der Anwurfzone befindet. Der abgewehrte Ball verbleibt bei Mannschaft ROT, und die Schiedsrichter lassen das Spiel regelkonform weiterlaufen.
Regeltechnische Aspekte
Die Schiedsrichter dürfen den Anwurf erst anpfeifen, wenn sich Ball und Werfer vollständig innerhalb der Anwurfzone befinden.
Der Anwurf ist innerhalb von 3 Sekunden nach dem Anpfiff von der Anwurfzone aus in beliebiger Richtung auszuführen (13:1a, 15:7 Abs. 3).
Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu beachten:
- Die Mitspieler des Werfers dürfen die Mittellinie vor dem Anpfiff nicht überschreiten, es sei denn, sie befinden sich selbst innerhalb der Anwurfzone (15:6).
- Der Werfer darf die Anwurfzonenlinie mit keinem Körperteil überschreiten, bevor der Anwurf als ausgeführt gilt (13:1a, 15:7 Abs. 3).
- Er darf sich innerhalb der Anwurfzone bewegen, den Ball nach dem Anpfiff jedoch nicht mehr prellen (13:1a, 15:7 Abs. 3).
- Der Anwurf darf im Laufen, jedoch nicht springend ausgeführt werden (13:1a, 15:7 Abs. 3).
Wann gilt der Anwurf als ausgeführt?
Der Anwurf gilt als ausgeführt, wenn
- der Ball die Hand des Werfers verlassen hat und anschließend die Anwurfzonenlinie vollständig überquert oder
- der Ball gepasst und von einem Mitspieler berührt oder kontrolliert wird – auch dann, wenn dies noch innerhalb der Anwurfzone geschieht.
Was ist bei den Gegenspielern zu beachten?
- Beim Anwurf zu Spielbeginn sowie zu Beginn der 2. Halbzeit müssen sich alle Gegenspieler in der eigenen Spielfeldhälfte befinden (10:4). Beim Anwurf nach einem Tor dürfen sie sich dagegen in beiden Spielfeldhälften aufhalten.
- Sie müssen sich außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen weder den Ball noch einen Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone berühren, solange der Anwurf noch nicht ausgeführt ist.
- Ein Aufenthalt unmittelbar außerhalb der Anwurfzone ist zulässig.
Regeltechnische Einordnung
In der vorliegenden Situation durchläuft SCHWARZ 3 zunächst die Anwurfzone, ohne aktiv auf die Spielfortsetzung einzuwirken. Erst während des Zurücklaufens erkennt er, dass ROT 17 den Anwurf schnell mit einem direkten Wurf auf das leere Tor ausführen möchte. Er dreht sich noch innerhalb der Anwurfzone, bewegt sich jedoch kontinuierlich weiter aus der Anwurfzone in Richtung eigene Spielfeldhälfte.
Zum Zeitpunkt, an dem der Ball die Hand von ROT 17 verlässt, befindet sich SCHWARZ 3 bereits vollständig außerhalb der Anwurfzone und blockt den Wurf von dort aus. Das gilt auch, wenn er den Ball im Raum oberhalb der Anwurfzone berührt.
Die Entscheidung der Schiedsrichter, das Spiel weiterlaufen zu lassen, ist daher regeltechnisch korrekt. Der Block erfolgt eindeutig außerhalb der Anwurfzone. Das bloße Zurücklaufen durch den Korridor und die Anwurfzone ist zulässig, solange der Gegenspieler die Ausführung des Anwurfs weder verzögert noch behindert.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.