Die Ausführung des 7-Meter-Wurfs
Vor und während der Ausführung eines 7-Meter-Wurfs müssen die Schiedsrichter nicht nur den Werfer, sondern auch das Verhalten des Torwarts sowie die Positionen der Mit- und Gegenspieler aufmerksam beobachten. Das folgende Beispiel zeigt, wie wichtig eine konzentrierte Beobachtung unmittelbar nach dem Anpfiff ist.
Was im Video geschieht
Mannschaft BLAU erhält einen 7-Meter-Wurf. Die Spielzeit ist unterbrochen. Spieler BLAU 30 nimmt den Ball auf und begibt sich zur 7-Meter-Linie. Nachdem der Feldschiedsrichter den Wurf angepfiffen hat, tippt der Werfer den Ball einmal auf den Boden, nimmt ihn wieder auf und setzt anschließend zum Torwurf an.
Noch bevor der Ball die Hand des Werfers verlässt, unterbricht der Feldschiedsrichter das Spiel und entscheidet auf Freiwurf für die Mannschaft WEISS. Der Torschiedsrichter bestätigt diese Entscheidung unmittelbar.
Regeltechnische Einordnung
Nach Regel 14:4 muss der 7-Meter-Wurf nach dem Anpfiff des Feldschiedsrichters innerhalb von drei Sekunden als Torwurf ausgeführt werden (Regeln 13:1a und 15:7).
Darüber hinaus bestimmt Regel 14:6, dass der Werfer den Ball nach der Ausführung erst dann erneut spielen darf, wenn dieser zuvor einen Gegenspieler (einschließlich des Torwarts) oder das Tor berührt hat (Regeln 13:1a und 15:7).
Bereits das Tippen des Balles nach dem Anpfiff stellt jedoch eine Regelwidrigkeit dar. Der Ball darf nach dem Anpfiff nicht mehr geprellt oder getippt werden, sondern ist unmittelbar als Torwurf auszuführen.
Regeltechnische Bewertung
Im vorliegenden Beispiel ist eindeutig zu erkennen, dass der Werfer den Ball nach dem Anpfiff auf den Boden tippt. Dies ist sowohl für die Schiedsrichter als auch für die gegnerische Mannschaft klar erkennbar.
Fehler des Werfers nach dem Anpfiff des 7-Meter-Wurfs führen grundsätzlich zum Ballverlust. Die Spielfortsetzung erfolgt daher mit Freiwurf für die gegnerische Mannschaft.
Die Entscheidung der Schiedsrichter ist somit regeltechnisch vollständig korrekt.
Fazit
Gerade bei der Ausführung eines 7-Meter-Wurfs entscheidet häufig die Aufmerksamkeit in den ersten Sekunden nach dem Anpfiff über die richtige Entscheidung. Der Feldschiedsrichter muss insbesondere die korrekte Ausführung des Werfers beobachten, während der Torschiedsrichter das Verhalten des Torwarts sowie weitere Regelwidrigkeiten und Unsportlichkeiten im Blick behält.
Im gezeigten Beispiel erkennen beide Schiedsrichter den Fehler des Werfers und entscheiden folgerichtig auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft.
Tipp für die Praxis
Auch wenn der Werfer letztlich den Fehler begeht, hätte der Feldschiedsrichter mit dem Anpfiff noch einen kurzen Moment warten können. Der Werfer hatte seine endgültige Wurfposition noch nicht vollständig eingenommen. Ein bewusst gesetzter Anpfiff erst dann, wenn der Werfer erkennbar bereit ist, reduziert das Risiko einer fehlerhaften Ausführung und trägt zu einem ruhigen sowie kontrollierten Ablauf des 7-Meter-Wurfs bei.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.